Was das Trio mit Pauline, Thomas und Julian Engel in zwei Jahren aus dem Boden gestampft hat, ist à la bonne heure: 800 Teilnehmer – Schüler, Studenten, Unternehmer, Institutionen und Besucher –, politische Prominenz, 17 Start-ups, darunter 8, die vor einer hochkarätigen Jury pitchen, und der Fixstern des Abends: Starlöwe Carsten Maschmeyer auf Augenhöhe mit den jungen Start-uppern.
Seine zentrale Botschaft beherzigen die Gründer beim DENK.summit 2024 im Innovision Center bei der Kurzvorstellung ihrer Produkte, Erfindungen und Dienstleistungen: „Jeder Gründer muss ein exzellenter Verkäufer sein.“ Ein guter Verkäufer sei nicht der Technik-Nerd, der Kunden mit Details überfordere. „Der Kunde kauft nicht das Produkt, er kauft euch!“ Keine Angst, Maschmeyer fordert keinen modernen Sklavenmarkt.
Türsteher im Gehirn des Kunden
Es geht vielmehr um die Erkenntnisse der Gehirnforschung, ein Steckenpferd des Start-up-Mentors. „Alles, was wir sehen, tasten, riechen oder schmecken, geht durchs Stammhirn ins limbische System“ – eine Gruppe von Strukturen im Gehirn, die für die Verarbeitung von Emotionen zuständig sind. „Das funktioniert wie ein Türsteher vor einem Club“, weiß der Unternehmer aus Bremen, „nur wenn der einen reinlässt, geht’s in den Neocortex, wo wir Entscheidungen treffen.“
„Ihr könnt vorrechnen, was ihr wollt, es ist eine emotionale Entscheidung, ob die Assistentin euch zum Chef durchstellt.“ Die Emotion ist auch entscheidend, ob der Kunde dann zuhört. Sympathie und die Fähigkeit, Neugierde zu wecken, sind Voraussetzung, um offene Ohren und Herzen zu finden. „Dopamin und Noradrenalin sind die Botenstoffe des Verkaufs.“
Gut gebrüllt, Löwe: Pitches mit Knalleffekt
Die acht Start-ups, die ihre Ideen als das mögliche neue Unicorn auf den Jagdgründen des Kapitals anpreisen, haben verstanden: „Wir haben heute tolle Bilder, Wortspiele, einen Knalleffekt, gesehen, das hat uns alles sehr gut gefallen“, wird Maschmeyer am Ende eines langen Tages bei der Siegerehrung im FutureLab loben. „Es gibt heute sehr viele Gewinner“, sagt der Milliardär und dankt der Unternehmerfamilie Engel und besonders dem Junioren-Trio für das fantastische Event: „Wir haben hier heute in der Oberpfalz sehr viel Interesse, Neugier und positiven Optimismus erlebt.“
Was die Gründer gezeigt hätten, sei alles andere als selbstverständlich: „Man braucht Mut, um vor 800 Leuten zu pitchen, das ist nicht normal.“ Normal sei, dass man bei einem Investor vor vielleicht drei Leuten pitcht. „Und dann sitzt auch noch so ein gefährliches Raubtier in der Jury“, scherzt Maschmeyer selbstironisch. Am Ende stehe eine Entscheidung, die keine leichte gewesen sei: „Wir haben uns schließlich die Richtlinie gegeben“, erklärt der Hanseat, „wo würden wir selbst, wenn wir uns heute entscheiden müssten, investieren?“
Unknackbares Fahrradschloss auf Knopfdruck
Die Wahl fällt auf 2Lock, ein Regensburger Start-up, das ein integriertes Schloss für E-Bikes entwickelt hat. „Es war knapp, aber wir haben uns einstimmig entschieden, weil wir glauben, dass diese Idee die Produktion in diesem Bereich revolutionieren könnte.“ Benedikt und Simon Bäuml sowie Martin Scherl haben ein Patent für einen integrierten Schließmechanismus entwickelt, der nur durch die Zerstörung des Rads zu beseitigen ist.
„Ein unheimlich starker Kundennutzen“, konstatiert Ben, „man kann Laufrad und Gabel mit einem Knopf absperren wie beim Auto.“ E-Bike Hersteller wie Ketteler hätten bereits Interesse signalisiert. „Wir wollen zuerst Premium-Marken beliefern“, erklärt Martin, „später auch Standard-Produkte.“ Ein Markt von rund 15 Millionen Zweirädern: „Wir sind für 10 Millionen relevant und streben einen Marktanteil von 10 Prozent an.“
Platz 2: Sexappeal von Kabelsätzen
„Die anderen waren nicht schlechter“, macht Maschmeier deutlich, dass die Gewinner nur die marktreifsten unter guten Ideen präsentierten. Allen anderen möchte man zurufen: „Kommt in drei Monaten wieder, wenn ihr so weit seid.“ Schon sehr weit sei allerdings der zweite Sieger, ams reichert aus Neumarkt, ein Erfinder-Konsortium, das die Produktion von Kabelbäumen automatisieren will. Nina Bäuml und Matthias Pohl, Sohn des Erfinders, tragen bei ihrem Pitch passend zum Thema schicken Halsschmuck aus Kabelsätzen.
„Man denkt dabei erst mal, das Thema ist nicht so sexy“, sagt Nina, aber der Sexappeal der Idee liege in der radikalen Vereinfachung der Herstellung. Die gebündelten Leitungen, die elektrische Komponenten wie Steuergeräte, Scheinwerfer, Sitzheizungen oder Soundsysteme verbinden, steckten in vielen Geräten – vom Auto bis zur Waschmaschine. „Sie werden bis jetzt händisch gefertigt mit hoher Fehlerquelle.“ Durch die Automatisierung der Herstellung, „quasi einem 3D-Drucker für Kabelsätze, sind wir kosteneffektiv, schneller, nachhaltiger und qualitativ besser“.
Nordoberpfalz-Preis: Erleichterung für die Blase
Nicht von ungefähr entscheidet sich die Politikprominenz mit den Landräten Andreas Meier (Neustadt/WN), Roland Grillmeier (Tirschenreuth) und Roland Richter als Vertreter des Weidener Oberbürgermeisters, bei der Vergabe des mit 6000 Euro dotierten Nordoberpfalz-Preises für das medizintechnische Start-up inContAlert aus Bayreuth von Dr. Jannik Lockl. Schließlich wissen die Kommunalpolitiker, wie wichtig und teuer eine gute Gesundheitsversorgung in der Region ist.
Die Idee kam dem Wirtschaftsinformatiker bei einem Hongkong-Aufenthalt: „Es gibt zu wenige Pflegekräfte, Patienten liegen bis zu drei Stunden im Urin“, sagt Lockl. „Wir brauchen smarte Windeln, um dem Patienten selbst das Gefühl für ihren Blasenzustand zu geben.“ Das beträfe nicht nur alte Menschen, sondern auch jüngere etwa mit Querschnittslähmung nach einem Unfall oder mit Blasenkrebs. „Sie spüren die Blase nicht mehr“, erklärt er den smarten Gürtel, den er selbst als Anschauungsbeispiel über der Hüfte trägt. „Der würde mir präventiv mitteilen, ,Jannik, du hast 80 Prozent deiner Blasenkapazität erreicht, bitte entleeren‘.“
Das war der DENK.summit 2024
Bereits zum zweiten Mal veranstalteten Pauline, Thomas und Julian Engel, der Talentschuppen der beiden BHS-Chefs Lars und Christian Engel, – mit Unterstützung von Severin Hirmer (Luce-Stiftung) und der unermüdlichen Organisationsleiterin Susanne Prechtl – das Start-up-Event „DENK.summit mit eskalierendem Erfolg:
- 800 Teilnehmer und Besucher: Schüler und Studenten matchen am Vormittag bei der Karrieremesse mit Unternehmensvertretern, tauschen beim Kickern Erfahrungen aus, erfrischen sich am Foodtruck – oder wagen einen Blick in den Panzer der Bundeswehr.
- 17 Start-ups, darunter 8, die vor einer hochkarätigen Jury pitchten – vier davon aus der Oberpfalz.
- Ein Video-Grußwort von Digitalminister Fabian Mehring: „Man sieht am DENK.summit in Weiherhammer, welches Potenzial im ländlichen Raum steckt – das kann mit Events in München und Berlin allemal mithalten.“
Vor dem Haupt-Act eröffnen die Keynotes von drei Speakern mit einer großen Bandbreite von Erfahrungen und Hintergründen neue Perspektiven:
- Vorjahressieger Florian Dostert referiert erfrischend flapsig und ehrlich „10 Startup Mythen nach 10 Jahren Praxis“.
- Die promovierte Wirtschaftsingenieurin Stefanie Dechant will Frauen zu technischen Berufen ermutigen und gleichzeitig zeigen, dass man ein technisches Ass und eine erfolgreiche Influencerin sein kann.
- Investoren-Superstar Carsten Maschmeyer kennt keine Berührungsängste, plaudert an allen Ecken und Enden und herzt die Gründer. Der Milliardär weiß, wo er herkommt – nämlich von ganz unten. Vater unbekannt, alleinerziehende Mutter lieblos, Stiefvater gewalttätig. „Es war kein so guter Start, aber wenn du nur eine kleine Chance hast, musst du sie voll nutzen.“
Einer Jury mit Carsten Maschmeyer (himself), Daniel Kempf (Gründer des Rocketeer Festivals), Baris Efe (Manager & CO-Founder Vali Berlin), Sophie-Marie Arendt (Beraterin bei Vindelici Advisors) und Christina Fischer (Organisationsentwicklerin bei Oberpfalz-Medien) präsentieren die acht Start-ups ihre Ideen – moderiert von Franzi Glaser (Aah und Ooh):
- Complioty: Markus Hornsteiner erklärt, warum nachhaltige Cybersicherheit im Industrial IoT nicht kompliziert sein und auf Experten beschränkt bleiben muss.
- Gesamtsieger 2Lock: Benedikt Bäuml und Martin Scherl schildern ihre Mission, den Absperrvorgang für E-Bikes zu revolutionieren.
- Zweiter Sieger ams reichert: Nina Bäuml und Matthias Pohl stellen die Kabelbaumproduktion von morgen vor.
- Smart bestehen: Benjamin Szturmaj, Lukas und Mateusz haben eine App entwickelt, mit der Fahrschüler künftig weniger durchfallen sollen.
- ZenZen: Susa Horvath stellt die konversationsgesteuerte, KI-gestützte Diabetes-Management-Begleit-App ZenZen vor. Sie soll werdenden Müttern und zukünftig auch allen Diabetes-Patienten eine personalisierte Unterstützung, Wissenstransfer und emotionale Hilfe bieten.
- Nordoberpfalzsieger inContAlert: Dr. Jannik Lockl präsentiert seine präventive Lösung für alle Menschen mit Blasenschwäche. So lassen sich schmerzhafte und entzündungsgefährdende Einmal-Katheder künftig vermeiden.
- GoatSwitch: AIex Netsch stellt mit Knalleffekt ein KI-Tool vor, das bei der Migration von Techstacks unterstützt und es ermöglicht, Version, Framework und sogar Programmiersprache zu wechseln.
- antodo: Emelie Jahnke und Finn wollen mit ihrer Website dazu beitragen, Tierhalter, Tierärzte, Tierkliniken und Hundeschulen passgenauer und mit weniger Wartezeiten zusammenzubringen.

