Pro Kopf arbeiten Baubeschäftigte im Landkreis Neustadt/WN im Schnitt 1.484 Stunden im Jahr. Das sind 158 Stunden und damit 11,9 Prozent mehr als Beschäftigte quer durch alle Berufe durchschnittlich bei der Arbeit verbringen.
Im Landkreis Tirschenreuth arbeiten Baubeschäftigte 1.485 Stunden, damit 166 Stunden beziehungsweise 12,6 Prozent mehr pro Jahr, in Weiden sind es mit 1.493 Stunden 186 Stunden mehr im Jahr oder 14,3 Prozent mehr als im Durchschnitt.
Corona-Stau aufholen
Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hat für diese Information Zahlen der Hans-Böckler-Stiftung ausgewertet. Die IG BAU Oberpfalz beruft sich auf den aktuellen Arbeitsmarkt-Monitor des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung. Die Wissenschaftler haben darin eine Arbeitszeitanalyse für 2019 – dem Jahr vor der Corona-Pandemie – gemacht.
„Der Bau gehört demnach zu den Branchen mit einem Spitzenpensum bei der Arbeitszeit“, sagt Manfred Götz, stellvertretender Bezirksvorsitzender der IG BAU Oberpfalz. Er geht davon aus, dass die Zahl der Arbeitsstunden, die Bauarbeiter leisten, aktuell eher sogar noch zugenommen hat: „In der Pandemie hat es einen enormen Auftragsstau im Baugewerbe gegeben. Für viele Baubeschäftigte sind Überstunden ohnehin an der Tagesordnung.“
Kein Halbtagsmaurer
Der Arbeitsmarkt-Monitor des WSI liefert auch den Vergleich mit dem öffentlichen Dienst, dem Erziehungsbereich und dem Gesundheitssektor: Demnach werden auf dem Bau im Landkreis Neustadt/WN sogar 270 Stunden pro Kopf im Jahr mehr gearbeitet als in diesen Branchen. In Tirschenreuth sind es 301 Stunden, in Weiden 196 Stunden mehr.
„Das liegt vor allem daran, dass auf dem Bau gilt: entweder ganz oder gar nicht. Vollzeit plus Überstunden – das ist die Regel: Den ‚Halbtagsmaurer‘ gibt es nicht. Bei oft langen Anfahrten zur Baustelle von 60 Kilometern und mehr funktioniert kein Teilzeitmodell“, so Götz.
Baubeschäftigte müssten „enorm lange und enorm hart am Stück arbeiten“. Die körperliche Belastung im Laufe eines Berufslebens sei auf dem Bau gewaltig: „Kaum ein Dachdecker schafft es bis zur Rente. Nur jeder Zehnte arbeitet noch zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr. Im Schnitt müssen Bauarbeiter vor 59 in Rente gehen, obwohl sie eigentlich bis 67 durchhalten müssten. Sie sind körperlich einfach Jahre früher am Ende und müssen dann zum Teil starke Abstriche bei der Rente in Kauf nehmen“, sagt der Gewerkschafter.
Kürzeres leben, geringere Rente
Zur geringeren Rente komme dann auch noch eine geringere Lebenserwartung. Bei Männern sei dies besonders drastisch. So lebe ein Beamter statistisch zum Beispiel 5,6 Jahre länger als ein Arbeiter. Entsprechend länger bekomme er auch seine Pension. Das gehe aus einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. „Hart arbeiten und dann am Ende für eine kürzere Zeit weniger Rente bekommen – damit muss Schluss sein“, fordert Götz.
Auch über die zukünftigte Rentenpolitik wird am Sonntag entschieden. Daher: ✖ Parteiprogramme und -statements kritisch auf Aussagen zur Rente prüfen ✖ heute noch Briefwahl beantragen ODER ✖ am Sonntag ins Wahllokal ➡ Mehr in unserem Wahlaufruf: http://www.igbau.de/Rente-wählen
Posted by IG BAU on Tuesday, September 21, 2021
„Der Bau in der Nordoberpfalz ist typisch für das hohe Pensum an Arbeitsstunden, das im Baugewerbe geleistet wird. Wer mehr und härter arbeitet, sollte am Ende allerdings auch eine höhere Rente bekommen als heute. Die neue Bundesregierung muss deshalb die Rente ab Herbst anpacken und auf neue Füße stellen: Wir müssen endlich Altersarmut effektiver verhindern. Und auch eine geringere Lebenserwartung muss ausgeglichen werden“, fordert der Bundesvorsitzende der IG BAU, Robert Feiger.
Kritischer Blick auf Wahlprogramme
Er spricht sich für eine „grundlegende Rentenreform“ aus: „Bei der Rente muss die Reset-Taste gedrückt werden. Notwendig ist eine Rentenkasse, in die alle einzahlen – Arbeiter, Angestellte, Selbständige, Beamte, Parlamentarier und Minister: der Polier genauso wie die Professorin und der Politiker.“ Damit das passiere, sei eine Botschaft wichtig: „Eine sichere und gute Rente kann man wählen“, so Feiger.
Der IG BAU-Chef appelliert deshalb, „einen kritischen Blick in die Wahlprogramme der Parteien zu werfen und genau zuzuhören, was von denen kommt, die in den Bundestag und ins Kanzleramt wollen“. Die Ziele der Parteien zur Rente seien sehr unterschiedlich.
Die Gewerkschaft hat deshalb jetzt einen „Lockruf in die Wahlkabine“ gemacht – Wahl-Clips mit der Aufforderung: „… iXen gehen!“. Dazu der Kommentar: „Deutschland, deine Rentner. Solange sie noch atmen, sollen sie auch arbeiten.“

