Weiden/Pilsen. Die tschechische Bevölkerung bildet eine große und wichtige Zielgruppe für Händler und Gastronomen in und um Weiden. Um sich besser auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe einstellen zu können, organisierte ProWeiden mit Unterstützung des Regionalbüros Pilsen der IHK Regensburg eine Fahrt nach Pilsen.
Zur Weidener Delegation gehörten unter anderem Vertreter der Wirtschaftsförderung, des Tourismus, Mitarbeiter des Projektmanagements Europaregion Donau-Moldau des Weidener Einzelhandels sowie weitere Interessierte. Vor Ort fand ein reger Austausch mit den verschiedensten Referenten der Westböhmischen Universität, der IHK Pilsen und Oberpfalz/Kelheim und einer Abordnung der Stadt Pilsen, Abteilung Innenstadtentwicklung und Konzeption statt.
Tschechien ist einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands in Mittel- und Osteuropa und eine der wachstumsstärksten Volkswirtschaften in der EU. Deutschland wiederum ist der größte ausländische Investor in Tschechien. Gehandelt werden hauptsächlich Maschinen, Kraftfahrzeuge, Kfz-Teile und Elektronik, wobei die Im- und Exporte allein im Jahre 2015 um 7 Prozent bis 8 Prozent gestiegen sind. Besonders starke wirtschaftliche Verflechtung sind im Grenzgebiet Tschechien/Bayern zu finden – allein 800 Unternehmen aus dem Bereich der IHK Kelheim/Oberpfalz sind im nahe gelegenen Tschechien aktiv.
100 Millionen Euro in Gebäude und Maschinenausstattung investiert
Nach dem Empfang und Begrüßung durch Jiri Preis Ph. B. der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Westböhmischen Universität Pilsen erfuhr die Weidener Delegation, dass die Westböhmische Universität in den letzten Jahren mehr als 100 Millionen Euro in Gebäude- und Maschinenausstattung investiert hat. Anschließend folgte die Präsentation von Karla Stankova, Leiterin der des Regionalbüros Pilsen der IHK Regensburg und AHK Pilsen, die über die Herausforderungen des gemeinsamen Wirtschaftsraums Ostbayern – Westböhmen informierte. Zukünftig wolle man hier weiteres Innovationspotential ausschöpfen, Fachkräfte gewinnen und weiterqualifizieren sowie die Infrastruktur weiterentwickeln. Eine große Herausforderung, die es zu bewältigen gilt, ist die Sprachbarriere. Hier bilden sich in Tschechien regionale Initiativen zur Förderung der deutschen Sprache. Auch in Deutschland sind Kenntnisse der Sprache des Nachbarlandes sehr wichtig, deshalb bietet ProWeiden alljährlich einen speziellen Tschechischkurs für den Handel an.
Zum Einkaufen in die Oberpfalz
Matthias Segerer von der IHK Regensburg für Oberpfalz und Kelheim referierte über das Thema: „Tschechische Kunden – Chancen für Handel und Tourismus“. Aus einer IHK Studie geht hervor, dass 46 Prozent der Westböhmen in die Oberpfalz zum Einkaufen oder zur Nutzung von Freizeitangeboten kommen. Insgesamt gibt diese Zielgruppen 95 Millionen Euro in dieser Region aus, wovon ca. 13,2 Millionen Euro in Weiden umgesetzt werden. 91 Prozent der Befragten geben an am liebsten nach Weiden zu fahren. Beweggründe sind hierfür Angebotsqualität, Sonderangebote und günstigere Preise bei Markenartikeln sowie die kurze Entfernung.
Was der tschechische Kunde besonders schätzt
Über das Einkaufsverhalten tschechischer Kunden – Statistiken und praktische Tipps erfuhren die Teilnehmer der Pilsenfahrt von Dr. Jan Tluchor und dem Dozenten Petr Cimler, Lehrstuhl für Marketing, Handel und Dienstleistungen der Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Westböhmischen Universität Pilsen. Der tschechische Kunde ist sehr „verwöhnt“, schätzt große Verkaufsflächen, sogenannte Hypermärkte, in einer für ihn günstigen Lage – kurze Anfahrtswege werden bevorzugt. Besonderer Wert wird auf Qualität und Zeitersparnis gelegt.
Der Käufer sucht gezielt nach günstigen Angeboten mittels Prospekten. Interneteinkauf spielt bisher eher eine untergeordnete Rolle. In Bayern – fügte Frau Dita Hammerová, die den Lehrstuhl für Marketing an der Westböhmischen Universität inne hat, hinzu – lege der tschechische Kunde ebenso besonderen Wert auf Qualität und lässt sich durch Angebote und Prospekte beeinflussen. Besonders gerne kauft er in Geschäften, deren Mitarbeiter tschechische Sprachkenntnisse aufweisen. Pro Besuch setzt der Kunde 85 Euro um.
Hypermärkte locken Kundschaft in die Außenstadt
Die Abteilung für Entwicklung und Konzeption der Stadt Pilsen sprach über die Entwicklung der innerstädtischen Einkaufsmöglichkeiten sowie den Einkaufsgewohnheiten speziell der Pilsner Einwohner. Hier erfuhren die Teilnehmer der Fahrt, dass große Hypermärkte die Kunden in die Außenstadt locken und die Innenstadt daher immer weniger frequentiert wird. Nach Ende der Vorträge und Präsentationen standen die verschiedenen Referenten für Fragen und eine gemeinsame Diskussion zur Verfügung. Am Nachmittag stand ein gemeinsamer Besuch der Innenstadt Pilsen auf dem Programm.
Rund um den Platz der Republik (Stadtkern) findet man überwiegend Geschäfte mit Luxusartikeln und Secondhandläden. Auch das 19.000 Quadratmeter große Einkaufszentrum PLAZA wurde besichtigt. Die Teilnehmer konnten sich vor Ort ein Bild über das Einkaufsverhalten der tschechischen Bürger machen.

