„Gerade für Industrieunternehmen sind leistungsfähige Infrastrukturen und stabile Rahmenbedingungen essenzielle Standortfaktoren für weiteres Wachstum,“ betonte der Ausschussvorsitzende Stephan K. Fischer.
Je länger Planung, Genehmigung sowie Errichtung und Umbau der Netze dauern, umso mehr sinkt auch die Standortqualität. Überbordende Bürokratie und explodierende Strompreise hemmten Unternehmensinvestitionen vor Ort zusätzlich – mit entsprechend negativen Folgen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit, den Wohlstand sowie Arbeitsplätze. Denn Fakt ist: „Die Industrie als Rückgrat der Wirtschaftsregion sieht hier aktuell massive Risiken“, so Fischer.
Ausbau der Infrastruktur läuft zu schleppend
Mit großer Sorge blicken viele Industrieunternehmen in der Region beispielsweise auf den schleppenden Infrastrukturausbau. Die Flaschenhälse bei der dringend benötigten Energiewende sowie beim digitalen Netzausbau sind schon lange bekannt, doch anstelle von Trippelschritten der letzten Jahre muss die Politik nun auf allen Ebenen zum Sprint ansetzen, waren sich die Ausschussmitglieder einig.
Bezahlbarer Strom hält Investitionen im Land
Die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage bestätigt, dass die explodierenden Energie- und Rohstoffpreise der Wirtschaft stark zu schaffen machen. Gerade Deutschland hat im weltweiten Vergleich hohe Energiekosten – eine zusätzliche Belastung und Preistreiber für die stark im internationalen Wettbewerb stehenden Industrieunternehmen, so der Konsens. Das bestätigte auch Ausschussmitglied Johannes Heckmann, Vorstandsvorsitzender der Nabaltec AG in Schwandorf: „Wir investieren seit langem in Energieeffizienz und haben in hohem Maß Einsparpotenziale realisiert. Dennoch bereiten uns die stark gestiegenen Energiepreise Probleme.“
Sein Unternehmen ist weltweit tätiger Anbieter für Füllstoffe und Spezialoxide. Die hohen Abgaben und Steuern auf Energie hierzulande seien am internationalen Markt ein deutlicher Nachteil, da Kostensteigerungen nicht beliebig an Kunden weitergegeben werden könnten. Insofern ist der Einsatz der Bundesregierung für möglichst einheitliche Regelungen bei der CO2-Bepreisung auf globaler Ebene wichtig sowohl für den Klimaschutz als auch für einen fairen Wettbewerb.
Umlagen müssen reduziert werden
Im Hinblick auf die Strompreise fordert die IHK, Abgaben und Umlagen, wie zum Beispiel die EEG-Umlage sowie die Stromsteuer, weiter zu reduzieren. Denn wenn Betriebe sich gezwungen sehen, ihre Investitionen ins Ausland zu verlagern, weil in Deutschland die Rahmenbedingungen zu starr, die Energiepreise zu hoch und die Planungssicherheit zu gering sind, ist keinem geholfen, auch nicht der Umwelt und dem Klima.
Neben den Preisen schauen die Industrieunternehmen mit Spannung auf den Umbau des Energiesystems. „Wenn zunächst Atomkraftwerke und später auch Kohlekraftwerke vom Netz gehen sollen, darf das nicht auf Kosten von Versorgungssicherheit und Spannungsqualität gehen. Deshalb muss die Politik beim Ausbau der Energienetze und der Erneuerbaren Energien jetzt den Turbo einlegen“, betonte Ausschussvorsitzender Fischer.
Quo vadis Mobilfunkausbau?
*Um die Chancen der digitalen Transformation nutzen zu können, benötigt die Wirtschaft leistungsfähige Glasfaser- und Mobilfunknetze. Josef Scherl, Konzernbevollmächtigter Region Süd der Telekom Deutschland GmbH, berichtete über den aktuellen Stand des Mobilfunkausbaus und des neuen 5G-Standards. Dieser sei extrem leistungsfähig, sehr zuverlässig und habe sehr geringe Reaktionszeiten, so Scherl. Insofern sei 5G die Basis für viele datengetriebene Echtzeit-Anwendungen in den Bereichen Industrie 4.0, Automotive, Künstliche Intelligenz, smarter Energie, Telemedizin und weiterer Zukunftstechnologien. Laut Scherl sei man bis dato beim 5G-Ausbau gut vorangekommen.
Mehr Akzeptanz für Mobilfunkmasten
„Mittlerweile sind wir aber an einem Punkt angekommen, an dem es schwieriger wird. Hauptgründe hierfür sind zum einen fehlende Grundstücke für den Bau von Mobilfunkmasten. Zum anderen sind die Genehmigungsverfahren, wenn ein passender Standort gefunden ist, sehr zäh und langwierig“, erläuterte Scherl. Aber auch Widerstände in der Bevölkerung spielten eine gewichtige Rolle. Er wünscht sich hier mehr Akzeptanz in der Gesellschaft und Fürsprecher für eine zukunftsweisende Technologie, die im Rest der Welt vielerorts schon lange Standard ist.

