Tonnenschweres Geröll fällt den Anhängern des SSV Jahn Regensburg nach diesem Nervenkrimi vom Herzen. Denn was sie in der ersten 45 Minuten erleiden müssen, grenzt an seelischer Grausamkeit. Da sind sie wieder, die bleiernen Beine, der fahrige Pass, die kollektive Mutlosigkeit. In dieser dreiviertel Stunde hätte der SC Paderborn die Oberpfälzer tief in die Depression schießen können.

Meyer und Kennedy sichern die Null

Weil die Mannen von SC-Coach Lukas Kwasniok das versäumen, bekommt der angeschlagene Jahn nach der Pause seine zweite Chance. Erst zögerlich, dann immer mutiger besinnen sie sich an das Erfolgsrezept der Hinrunde: Attacke ab dem gegnerischer 16er, die Angriffe der Blauen werden seltener, die Aktionen der Rot-Weißen zupackender. Sind zuvor vor allem Alex Meyer und der überragend fightende Scott Kennedy Garanten für die Null hinten, wecken nun Beste und Albers Hoffnung auf die 1 vorne.

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in Latten-Kopfball von Jan Elvedi nach einer Ecke verursacht das erste Raunen bei den 7680 Zuschauern. Mit der Einwechslung des schmerzlich vermissten Sapreet Singh und Joel Zwaarts kommt zusätzlicher Zug ins Jahn-Spiel: Zwaarts schickt Bene Saller auf der rechten Seite, der verlängert für Andreas Albers, und der zuletzt so tormüde Däne zirkelt die Kugel aus spitzem Winkel ins Netz, 1:0 (66.). Anschließend schaffen es die Regensburger erstaunlich souverän, die knappe Führung über die 95 Minuten zu retten – Zwaarts hat noch bei zwei knappen Abseits-Soli Gelegenheit zum Draufsatteln.

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1000-Jahn-Heldentickets

Bereits im Vorfeld des Spiels gibt der Verein 1000 Jahn-Heldentickets für den 27. Spieltag aus. Begünstigte sind Mitarbeiter regionaler und gemeinnütziger Organisationen. Helden, die im Kampf gegen die Corona-Pandemie alles geben. Dauerkarteninhaber der Saison 2019/20 finanzieren die Gratis-Tickets. Regensburg, seine Fans und die Region stehen zusammen. Ganz im Sinne des Ehrenpräsidenten des DFB, Egidius Braun, dessen Ableben vor dem Spiel gedacht wurde.

Sportlich erlöst das Jahn-Team die Regensburger Fans nach trost- wie sieglosen Wochen. Im Heimspiel gegen Paderborn dürfen sie endlich wieder drei Punkte bejubeln. Andreas Albers bringt den Jahn in einer ausgeglichenen zweiten Hälfte auf die Siegerstraße (66.). Danach hält die Abwehr dicht und kann sich mit geschlossener Mannschaftsleistung auch auf Entlastung durch die eigene Offensive verlassen.

Unveränderte Jahn-Elf

Vor der Partie gegen den SC Paderborn herrscht Unschlüssigkeit, was man von der Jahn-Elf erwarten darf. Auf das katastrophale Spiel in Aue folgte eine deutliche Leistungssteigerung beim Karlsruher SC. Die Hoffnung ruht auf der Momentaufnahme der vergangenen Woche. Und darauf, dass Paderborn-Toptorjäger Sven Michel den Verein im Winter verließ.

Gebetsmühlenartig unterstreicht SSV-Trainer Mersad Selimbegovic auch auf dieser Spieltags-PK sein Vertrauen in die Elf. Diesen Worten folgen Taten: der Verzicht auf Umstellungen. Unverändert die Startelf gegenüber dem Auftritt im Wildpark.

Zweigeteilte erste Halbzeit

Der Jahn beginnt zunächst hochstehend und zwingt die Abwehr der Paderborner immer wieder zu langen Bällen. Zielspieler dieser Flanken ist Felix Platte. Diese Taktik geht auf. Platte weiß nichts mit den Bällen anzufangen und der Ball ist wieder in Reihen des SSV. Aber auch für die Regensburger ergibt sich keine klare Chance. Einzig ein Distanzschuss von Jan-Niklas Beste (10.) ist zu erwähnen – die Kugel streich einen Meter am Pfosten vorbei.

Erste klare Chance für Paderborn nach einer Viertelstunde. Nach Hereingabe von Jamilu Collins verpasst Felix Platte in der Mitte nur knapp. Durchatmen beim Jahn. In der Folge setzen sich die Ostwestfalen immer mehr in der Hälfte der Regensburger fest. Auf zwei verpuffte Freistöße für den SCP folgt die Großchance: Dennis Srbeny vernascht Erik Wekesser an der Eckfahne. Spielt auf Marcel Mahlem. Dieser legt von der Grundlinie ab auf Florent Muslija. Dessen Schuss rauscht nur knapp unten rechts vorbei. Alexander Meyer ist bereits auf dem Weg in die falsche Ecke.

Regensburg befreit sich

Nach rund einer halben Stunde kann sich der SSV wieder etwas vom Druck der Gäste befreien. Probleme bereitet weiter der letzte Pass vor dem Torabschluss. So ist es ein Distanzschuss, der Jannik Huth zum ersten Eingreifen zwingt. Charalambos Makridis‘ Schuss aus 20 Metern bereitet den Gästekeeper aber kein Kopfzerbrechen. Anders auf der gegenüberliegenden Seite.

Dennis Srbeny zwingt Alexander Meyer mit einem Schlenzer aus 18 Metern ins rechte Kreuzeck zu einer Glanzparade (40.). Drei Minuten später ist es wieder Srbeny, der beinahe frei vor Meyer abziehen kann –Scott Kennedy bringt noch ein Bein dazwischen. Nach vorne bleibt der Jahn einfallslos. Die Suche nach Albers verläuft im Sand. Mit 0:0 geht es in die Pause.

Das Spiel nimmt Fahrt auf

Die zweite Halbzeit startet mit einer Personalveränderung bei den Gästen. Felix Platte verlässt den Platz und dafür kommt Kai Pröger ins Spiel. Damit ändert sich auch die Statik des Paderborner Offensivspiels. Das nun stärker forcierte Kombinationsspiel stellt die Jahn-Abwehr vor Probleme. Zunächst aber setzten die Regensburger die erste Duftmarke.

Den unplatzierten Schuss von Makridis kann Jannik Huth entschärfen (47.). Andreas Albers übersieht Niklas Beste, der frei durch gewesen wäre (51.). Dann ist wieder Regensburgs Keeper gefordert. Meyer kann in der 52. Minute eine abgefälschte Flanke gerade so zur Ecke klären. Zu Chancen auf der Gegenseite kommt es erst wieder zehn Minuten später. Nach einer Ecke kommt der Ball über Gimber zu Elvedi. Dieser trifft aber nur die Latte.

Tor von Albers ebnet den Dreier

In der 65. Minute reagiert Mersad Selimbegovic und bringt Joel Zwarts und Sarpreet Singh neu ins Spiel. Nur eine Minute später klingelt es im Kasten von Jannik Huth. Benedikt „Bene“ Saller auf Andreas Albers. Der startet rechts in den Strafraum, nimmt den Ball mit und vollendet flach ins lange Eck. 1:0 für den SSV. Paderborn ist aber nicht geschockt vom Rückstand. Die Gäste ziehen weiterhin ihr neu entdecktes Kombinationsspiel auf. Ungenauigkeiten im letzten Abspiel sind aber nun auch hier zu sehen. So schnell kann sich das Blatt wenden.

Die Zuschauer sehen bis zum Schluss ein Spiel auf Augenhöhe, in dem es hin und her geht. Trotz weniger Torabschlüsse lebt das Spiel weiterhin von seiner Intensität. Fünf Minuten vor Schluss macht Paderborn hinten auf. Positive Effekte für Paderborn? Kaum welche. Nur ein Distanzschuss (88.) ist zu verbuchen. Dieser stellt kein Problem für Jahn-Keeper Meyer dar. Durch die freien Räume ergeben sich nun einige Möglichkeiten für den SSV. Besonders Joel Zwarts steht dabei im Mittelpunkt. Zweimal Zuspiel Singh, zweimal Abschluss aus spitzem Winkel von Zwarts. Leider ohne Torerfolg. Es reicht trotzdem. Paderborn kommt nicht mehr gefährlich vor Tor und der Jahn behält die drei Punkte in der Domstadt.

Leistung über Länderspielpause konservieren

Bilanz: Der SSV Jahn Regensburg kann doch noch gewinnen. Kampf, mannschaftliche Geschlossenheit und ein Torjäger, der endlich wieder trifft, sind die Zutaten, die den Anhang des Jahns endlich wieder jubeln lassen.

Nun gilt es den Glauben an die eigenen Fähigkeiten über die Länderspielpause hinweg zu konservieren. Aber auch spielerisch gibt es sicherlich noch einiges zu verbessern, damit das Auswärtsspielt in Hannover in zwei Wochen erfolgreich gestaltet werden kann.