Einer der aktivsten Akteure im Karlsruher Wildparkstadion: Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic. Er turnt an der Seitenlinie vor, was er von seinen Spielern gefordert hat – bedingungsloser Einsatz. Der in die Fan-Kritik geratene Deutsch-Bosnier feuert an, gestikuliert, schimpft wie ein Rohrspatz mit den Schiris.
Der Lohn: Die Regensburger zerreißen sich wieder, wie man es von echten Oberpfälzern gewohnt ist. Keine Spur mehr von bleiernen Beinen, Verunsicherung in den Köpfen und (Fremd-) Träumereien von der Bundesliga. Stattdessen: ehrliche Kärrner-Arbeit, zu Beginn sogar spielerische Überlegenheit, mehr Ballbesitz – und das Quäntchen Glück erzwungen. O’Shaughnessy, letzte Karlsruher vor dem Keeper, schlägt ein Luftloch, Jan Niklas Beste erkämpft sich Max Besuschkows langen Ball und lupft die Kugel cool über KSC-Keeper Gersbeck zum 0:1 ins Netz (31.).
Sonnentag mit Schattenseiten
Dass auch an diesem Sonnentag nicht alles heiter Sonnenschein ist, versteht sich von selbst: Die Regensburger lassen immer noch eine Vielzahl von Chancen zu, auch weil das Duo Hofmann/Wanitzek nicht immer zu bremsen ist. Vorne kommen die Flanken noch zu selten an, Offensivkraft Charalambos „Babis“ Makridis rechtfertigt seinen Startelfeinsatz nur bedingt: Zu selten hebt der technisch begabte Grieche zu selten den Kopf hebt, um seine Mitspieler zu suchen – unter anderem als er unbedrängt einen Ball zur Ecke klärt, in deren Folge der Ausgleich fällt.
Trotz einiger ungemütlicher Drangphasen der Gastgeber lässt der SSV Jahn das Powerplay der Badener zum Schluss nicht nur über sich ergehen – die Regensburger befreien sich in den letzten zehn Minuten wieder öfter und fabrizieren durchaus verheißungsvolle Chancen – wie Erik Wekessers Kunstfreistoß, den Gersbeck über das Lattenkreuz hebt. Bleibt nur die Frage: Warum hat die Mannschaft diese Leidenschaft nicht schon in Aue auf den Platz gebracht – dann wäre der Klassenerhalt schon so gut wie unter Dach und Fach?!
Nur eine Veränderung in der Aufstellung
Im Vorfeld versprach das Kräftemessen der Tabellennachbarn (der KSC belegte Platz 9) große Spannung und Unterhaltung. Die Spannung speiste sich auf Seiten des Jahns allerdings mehr daraus, ob es endlich wieder zu drei Punkten reichen würde und die ernüchternden Auftritte der letzten Spiele (ein Punkt in den letzten fünf Partien) vergessen gemacht werden konnten. Unterhaltung versprach eher die Karlsruher Offensive. Allen voran das Offensivduo Hofmann/Wanitzek, dass gemeinsam bis dahin 30 Scorerpunkte sammeln konnte.
Jahn-Trainer Selimbegovic stärkte auf der Spieltags-Pressekonferenz seiner Mannschaft vehement den Rücken. Vertrauen, welches sich auch in der Startaufstellung bemerkbar machte. So gibt es mit Makridis, der für Konrad Faber reinrotiert, nur eine Veränderung im Vergleich zur 1:0 Niederlage in Aue.
Gastgeschenk beendet Regensburger Torflaute
Die Jahn-Spieler zeigen von Beginn an ein komplett anderes Gesicht als bei den vorangegangen Spielen. Mersad Selimbegovic hat von seiner Elf Rückbesinnung auf die Grundtugenden des Fußballs gefordert. Und genau diese zeigt seine Mannschaft. Das Team um Kapitän Gimber nimmt den Kampf an und zeigt immer wieder punktuelles gemeinsames Pressing auf die Elf des KSC. So entsteht in den ersten Minuten ein Spiel auf Augenhöhe, mit leichtem Übergewicht für den SSV.
Nichtdestrotz sind es die Karlsruher, die in der 9. Minute die erste Großchance für sich verbuchen können. Nach feinem Zuspiel von links auf Hofmann kommt dieser, leicht im Fallen, zum Abschluss. Meyer antizipiert die Aktion und hält seinen Kasten sauber. Gleich im Anschluss wird Albers tief geschickt, braucht allerdings zu lange und spielt schlussendlich den Ball einem Karlsruher Abwehrspieler in die Füße.
Regensburgs verflixter letzter Pass
Beide Mannschaften verlagern ihr Spiel zusehends auf schnelle Gegenstöße und sind darum bemüht, den Gegner zu Ballverlusten zu zwingen. So entstehen in der Folge zwei weitere Chancen für den KSC durch Hofmann (12.) und Heise (26.). Aber auch der SSV dringt das ein oder andere Mal gefährlich in die Hälfte der Karlsruher vor. Der letzte Pass misslingt aber meist. Trotzdem versuchen die Jahn-Kicker immer wieder auch von hinten heraus flaches Kurzpassspiel zu kultivieren. Wenn nötig, ist aber auch ein langer Schlag das Mittel der Wahl.
So hat auch die 0:1-Führung des SSV seinen Ursprung in einem hohen, weiten Pass von Besuschkow auf Beste. Unter freundlicher Mithilfe von O’Shaughnessy, der ein Luftloch schlägt, taucht Beste frei vor KSC-Keeper Gersbeck auf und überspielt den herauseilenden Schlussmann mit einem Heber. Tor und Führung für den SSV (31.). Diesen Vorsprung nehmen die Regensburger dann auch mit in die Halbzeitpause. Ausschlaggebend dafür ist eine Mannschaft, die konsequent verteidigt.
KSC-Tor wegen Gordons Hand aberkannt
KSC-Trainer Christian Eichner zieht offensichtlich seine Schlüsse aus der ersten Halbzeit und wechselt auf zwei Offensivpositionen. Kaufmann und Cueto kommen für Schleusener und Goller. Eine Umstellung, die Wirkung zeigt. Bereits in der 47. Minute kommt Hofmann frei zum Abschluss, schiebt aber knapp links vorbei. Nur zwei Minuten später klingelt es dann im Kasten von Alexander Meyer. Dem erfolgreichen Abschluss von Wanitzek ging aber ein Handspiel von Gordon voraus. Ein Regelbruch den Schiedsrichter Christian Dingert auch ohne VAR feststellen konnte. Noch hat die Jahn-Führung Bestand.
Eine Führung allerdings, die immer glücklicher wird. Ergeben sich Chancen für schnelle Gegenstöße, so verpuffen diese durch fehlende Präzision im Passspiel. Das nun höhere Pressing der Karlsruher tut sein Übriges. In der 57. Minute zeigt Meyer, dass er nicht umsonst das Tor hütet. Einen direkten Wanitzek Freistoß kratzt er aus dem rechten Kreuzeck. In der Folge dominiert der KSC zusehends das Spiel, ohne aber etwas Zählbares daraus abzuleiten.
Hofmann schlägt doch noch zu
Gerade als der Jahn wieder besser ins Spiel findet und sogar einen gefährliche Distanzschuss von Beste (66. Minute) vorweisen kann, kommt der Nackenschlag. Nachdem ein Einwurf und eine Ecke nicht wirklich geklärt werden, führt die zweite Ecke zum 1:1 (70.). Eckstoß Heise, Hofmann schüttelt Elvedi in der Mitte ab und nickt unbedrängt ein. Selimbegovic reagiert und bringt Otto und Faber ins Spiel. Makridis und Boukhalfa verlassen den Platz. Wechsel, die ohne durschlagenden Offensiverfolg bleiben.
Aufregung auf der Jahn-Bank in der 81. Minute: Gondorf unterbindet an der Mittellinie mittels Foul einen Konter. Beste wäre allein auf weiter Flur gewesen und hätte nur noch Keeper Gersdorf vor sich gehabt. Selimbegovic fordert vehement Rot, Dingert zeigt Gelb. Keine falsche Entscheidung, aber das Regelwerk hätte die härtere Bestrafung hergegeben. Nur zwei Minuten fast doch noch einmal Grund zum Jubeln für die mitgereisten Jahn-Fans: Torhüter Gersbeck hebt Wekesser gefühlvollen Freistoßschlenzer übers Lattenkreuz zur Ecke. In der Nachspielzeit sorgen Albers (90.) auf Regensburger und Hofmann auf KSC-Seite (90.+1) nur bedingt für Gefahr.
Leistung gibt Grund zur Hoffnung
Der deutlich verbesserte Auftritt seiner Schützlinge dürfte Jahn-Coach Mersad Selimbegovic Mut machen – mit dem Punkt können beide Seiten leben. Jetzt gilt es an die Leistung anzuknüpfen und in den kommenden Spielen noch eine Schippe draufzulegen.
Der kommende Gegner Paderborn ist mit dem heute gezeigten Kampf definitiv schlagbar. Damit darf man, endlich wieder, etwas positiver auf die kommenden Jahn-Spiele schauen.

