In der Kommunalpolitik gehört es zum guten Ton, dass die Stadträte das Sitzungsgeld für die Weihnachts- oder Neujahrssitzung für einen sozialen Zweck zu spenden. Dies handhaben auch die Stadträte in Pressath so und entschieden sich für eine Übergabe des Neujahrssitzungsgeldes an den Verein „Generationen Hand in Hand“ aus Eschenbach.
Bürgermeister Bernhard Stangl (SPD) durfte einen Scheck über 500 Euro an Vorsitzenden Karl Lorenz und Koordinator Joachim Sertl überreichen. Dazu Stangl: „Schön, wenn man eine Sitzung so beginnen kann.“ Sertl und Lorenz nutzten die Gelegenheit um den Stadträten ihre Organisation und ihre Arbeit vorzustellen. Hand in Hand versteht sich als eine Art erweiterte Nachbarschaftshilfe für ältere, hilfsbedürftige und kranke Menschen. Die Mitglieder sorgen füreinander mit Arbeiten, die sie selbst verrichten können und erhalten im Gegenzug entsprechende Hilfe anderer Mitglieder.
Schon 663 Mitglieder seit 2015
Lorenz erklärt: „Mittlerweile besteht Hand in Hand seit acht Jahren und unsere Gemeinschaft umfasst zwölf Kommunen.“ Dies sind zehn Gemeinden des westlichen Landkreises mit Parktstein und Kastl. Mit sichtlichem Stolz berichtet er: „100 Prozent der angeforderten Hilfen konnten erfüllt werden.“ Als gemeinnütziger Verein ist man auf Unterstützung angewiesen umso erfreulicher, dass die Stadträte in Pressath diese Spende tätigen: „Wir hoffen, dass andere Kommunen nachziehen.“
Koordinator Sertl informiert über die Organisationsstruktur: Mitglied kann jeder ab 14 Jahren werden, auch seine eigenen Enkelkinder sind schon beigetreten. „Dies ist auch eine gute Gelegenheit um soziales Engagement zu lernen“, sagt Sertl. Im Verein geht es um Hilfe leisten, Hilfe bekommen und um finanzielle Unterstützung der Vereinsarbeit. Die Mitgliederzahl ist seit der Gründung Ende 2015 auf 663 gewachsen, 2022 wurden 850 Einsätze mit insgesamt 1370 Stunden geleistet. „Dies sind aber nur tatsächlich abgerechnete Stunden – Bei Fahrten zum Arzt werden beispielsweise die Wartezeiten nicht mitgerechnet.“
Hilfe bei Fahrten, Formularen oder im Garten
Für die Helfenden gibt es eine Vergütung von sechs Euro pro Stunde, der Unterstützte bezahlt acht Euro. Viele Helfer wollen diese Vergütung aber gar nicht ausbezahlt haben, sondern lassen diese im Verein. Diese wandert auf ein Zeitkonto, das mittlerweile einen Wert von 19 000 Euro aufweist. Für Stangl steht fest: „Es geht für die Mitglieder um den sozialen Aspekt.“
Charlotte Hautmann (CSU) wollte wissen: „Was für Arbeiten werden den am meisten geleistet?“ Meist geht es um Fahrten zum Arzt, Hilfe bei schriftlichen Dingen wie dem Ausfüllen von Formularen und Unterhaltung zu Hause bei Pflegebedürftigen – Man macht Spiele, musiziert gemeinsam – Unterstützung bei Pflege macht der Verein nicht. Auch bei Arbeiten wie dem Aufsammeln von Laub oder der Gartenpflege können Mitglieder helfen.
Neue Mitglieder immer willkommen
Stangl freut sich, dass seine Stadt Pressath tatsächlich die meisten Mitglieder aller Kommunen aufweist. „Hilfsbedürftige Mitglieder gewinnen an Lebensqualität und fühlen sich sicherer, weil jemand da ist, der hilft und auf den man sich verlassen kann. Dies kann Sertl nur unterstreichen: „Es geht darum den Leuten eine Last abzunehmen.“ Mit einem Augenzwinkern richtet er sich an die Stadträte: „Neue Leute werden immer gerne aufgenommen. Ein paar Mitgliedsanträge hätte ich dabei.“

