Nachdem der rückwärtige Anbau mit Fluchttreppe, Lift und Sanitärbereichen bereits annähernd fertiggestellt ist, enthüllt das Nürnberger Restauratorenduo Stefanie Löw und Patrick Reichmann im historischen Rathaussaal des in den Jahren 1582/83 erbauten Amtssitzes des Tirschenreuther Bürgermeisters derzeit Schicht für Schicht die Geheimnisse dieses besonderen Raumes. 

Wie könnte der Saal wohl aussehen?

„Unter der abgehängten Decke haben wir alte, mit Dispersionsfarbe überstrichene Malereien sowie Stuckreste gefunden. Diese sind teilweise kurz nach dem Stadtbrand im Jahr 1814 entstanden, und dann vermutlich um 1870 bis 1880 noch einmal erneuert worden. Wir setzen alles daran, möglichst viel der historischen Bausubstanz, die aber großflächig instabil ist, zu erhalten. Dafür haben wir uns mit Albin Gugel, einem Spezialisten für Putz- und Stuckelemente, noch zusätzliche Verstärkung ins Team geholt. Gemeinsam haben wir, angelehnt an die historische Vorlage, in einem ersten Schritt ein circa 15m² großes Musterfeld erstellt. Es dient der Orientierung, wie der Saal insgesamt gestaltet werden könnte“, so Stefanie Löw bei einem Pressetermin mit Bürgermeister Franz Stahl, Architekt und Objektplaner Thomas Sticht, Bauamt-Projektleiter Lutz Zangl und dem HLS- und Elektro-Fachplaner Patrik Eger

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Herausragende Bedeutung

„Der alte Rathaussaal als historischer Mittelpunkt der Stadt hat für uns eine herausragende Bedeutung. Es ist beeindruckend, mit wie viel Liebe zum Detail die Restauratoren den Raum schon jetzt wieder ein Stück weit zum Strahlen gebracht haben. Dazu soll künftig auch der historische Fußboden beitragen, der ebenfalls wiederentdeckt wurde. Auch haben wir eine Machbarkeitsstudie beauftragt, ob der nur noch in Einzelteilen vorhandene historische Kachelofen, der den Rathaussaal Jahrzehnte zierte, instandgesetzt und dort wiederaufgestellt werden kann“, informierte Bürgermeister Franz Stahl.
 
Wenn dann alle Kosten ermittelt seien und man sich auch mit dem Landesamt für Denkmalschutz abgestimmt habe, werde man schnell über die weitere Art und Weise der Rathaussaalsanierung entscheiden. Ziel sei, sagte der Bürgermeister weiter, den Saal möglichst bis Ende des Jahres fertigzustellen.

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Dann sollen dort auch wieder Trauungen, kleinere Kulturveranstaltungen und Sitzungen stattfinden. „Die Arbeiten können aber frühestens Ende Juli 2021 beginnen, da momentan im Außenbereich wieder ein Turmfalkenpärchen brütet“, so das Stadtoberhaupt.

Kosten und Förderung

Für den ersten, den Rathausanbau umfassenden Bauabschnitt, sind Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro kalkuliert. Für die Maßnahme erhält die Stadt eine Förderung in Höhe von 455.000 Euro.

Im aktuellen zweiten Bauabschnitt wird das historische Rathaus selbst saniert. Unter anderem erhält der Dachboden eine Wärmeisolierung, wird im 2. OG der historische Rathaussaal saniert und auch der kleine Sitzungssaal im 1. OG umgebaut. Dafür hat die Stadt 1,2 Millionen Euro eingeplant.

Die Planer und ausführenden Unternehmen

An der Sanierung des historischen Rathauses sind beteiligt:

  • Objektplanung und Bauleitung: Architekturbüro Sticht, Marktredwitz
  • Fachplaner Heizung/Lüftung/Sanitär und Elektro: Firma Sowatec, Weiden
  • Restauratorin Deckenmalerei und Planung Deckensanierung: Stefanie Löw, Nürnberg
  • Restaurator Deckenmalerei: Patrick Reichmann, Nürnberg
  • Restaurator Putz- und Stuckelemente: Albin Gugel, Kalchreuth
  • Decken- und Bodenöffnungen: Firma Streber, Wiesau