Die Gäste nahmen das Angebot zum offenen Dialog gerne an, brannte doch so manches Thema unter den Fingern, beispielsweise wie die SPD zu den Lohnverhandlungen der Stationierungsstreitkräfte, die bisher im ohne Einigung sind, stehe. Timo Schön lobte hierbei Claudia Peter, die als Verdi-Vertrauensfrau direkt in Berlin bei Verhandlungen mit dabei ist.
Er hoffe auf eine starke Lohnsteigerung, ihm sei aber auch klar, dass sich die Forderungen nicht zu hundert Prozent erfüllen lassen. Schön ergriff auch Partei für die Amerikaner und den Truppenübungsplatz: „Gerade sind die Bradley-Panzer angekommen. Wenn es am Truppenübungsplatz rumpelt, schlafe ich gut, denn ich weiß, Arbeitsplätze und Wirtschaft sind sicher.“
Zankapfel Urnenwaldfriedhof
Richtig lebendig wurde die Diskussion bei der Frage nach dem einst geplanten Urnenwaldfriedhof. SPD und CSU hatten gemeinsam einen Antrag im Stadtrat gestellt – nach mehreren Beratungen schienen die Stadträte überzeugt von einer Durchführung, als die CSU ihren Antrag zurückgezogen habe und mit ihrer Mehrheit eine Einstellung durchsetzte. Eine Besucherin erzählte dazu: „Ich habe letztes Jahr meinen Mann in Eschenbach im Urnenwaldfriedhof bestatten lassen. Wir haben keine Nachkommen und ich will nicht, dass Verwandte mal unser Grab pflegen müssen. Nun habe ich entschieden, dass ich mich einmal im Wald in Eschenbach bestatten lassen muss.“
Auch andere Gäste störten sich am Verhalten der CSU. „Die CSU hat nicht verstanden, dass die Bestattung in der Natur eine Alternative zum traditionellen Friedhof sein soll“, sagt Stadträtin Conny Spitaler. An Ortsterminen sei nur kritisch hinterfragt worden. Es wurde die Frage aufgeworfen, was gegen eine Errichtung in Grafenwöhr spreche. Darauf merkte Stadtrat Thomas Weiß an: „Das müsst ihr die CSU fragen.“
Timo Schön, ebenfalls Stadtrat, fasste sachlich zusammen: „Es ging um Kosten und die Standortfrage. Aber das Thema ist immer noch in der Schublade.“ Auch ein Umbau am Friedhof soll die Urnenbestattung dort fördern. Ein stärkeres Interesse aus der Bevölkerung könnte den Urnenwaldfriedhof wieder auf die Agenda bringen.
Viele Themen und ein reimender Bürgermeister
Zur Frage nach der ärztlichen Versorgung in der Zukunft ließ Pressaths Bürgermeister Bernhard Stangl eine Statistik aus dem Kreis verlesen: Nach dieser wäre der Landkreis in fast allen Fachbereichen überversorgt. Dazu lautete die einstimmige Meinung: „Schön, wenn in der Statistik alles passt, aber wenn man einen Termin braucht, wartet man Wochen darauf.“
Mehr Kreisverkehre, ein Rad- und Fußgängerwegringschluss bei Hütten, die Insolvenz von Glasfaser direkt und die kommunale Überlastung bei der Unterbringung von Flüchtlingen waren weitere Themen.
Zuvor hatte Gastredner Stangl aber in Gedichtform einen Einblick in die Arbeit als Bürgermeister für „die Grafenwöhrer Plagen“ gegeben. Eine Anmerkung mit Humor und Augenzwinkern, ist ihm doch bekannt, dass seine Stadt Pressath in Theateraufführungen von Wolfgang Bräutigam meist schlecht wegkommt.

