Die Caritas Fachambulanzen für Suchtprobleme in Weiden und Tirschenreuth helfen Suchtkranken und deren Angehörigen bei Problemen im Umgang mit Alkohol, illegalen Drogen, Essstörungen oder Glücksspielsucht. 2022 nahmen 100 Konsumenten illegaler Drogen deren Dienste in Weiden in Anspruch, in Tirschenreuth waren es 72 Konsumenten, die die Beratungsstelle aufsuchten. Konsumiert hatten sie meist Cannabis oder Crystal, aber auch Heroin, Kokain oder Ecstasy.
Einfach zu viele Tote
Viele der Drogentoten haben größtenteils über einen längeren Zeitraum harte Drogen konsumiert, bevor sie an einer Überdosis oder einer Mischintoxikation aus mehreren Substanzen gestorben sind. Auch verunreinigte Drogen wie beispielsweise Cannabinoide führten zum Tode, wie die Zahlen des Sicherheitsberichts des Polizeipräsidiums Oberpfalz zeigen. „Die mögen vergleichsweise harmlos erscheinen, allerdings kann man nie einschätzen, womit und in welcher Dosis sie behandelt wurden“, so Myriam Peschek von der Fachambulanz Tirschenreuth.
Insgesamt gab es 2022 in der Oberpfalz 30 Rauschgifttodesfälle, bayernweit waren es 277. Auch bemerkt Peschek einen gefährlichen neuen Trend, von dem ihr viele Betroffene berichten: Fentanyl, das eigentlich ein starkes Schmerzmittel ist, aber in der Überdosis auch zum Atemstillstand führen kann.
Viele Wege zur effektiven Hilfe
„Der Tod dieser sechs Personen wäre vermeidbar gewesen“, so Michaela Lang von der Weidener Fachambulanz. Die Fachambulanzen bieten ihren Klientinnen und Klienten ein breit gefächertes Hilfsangebot von Selbsthilfegruppen, über Einzelberatung, bis hin zu Besuchen im Bezirksklinikum und der ambulanten Nachsorge nach einem Klinikaufenthalt. Denn egal auf welcher Stufe der Sucht sich die oder der Betroffene befindet, die Fachambulanz steht den Suchtkranken zur Seite.
In offenen Sprechstunden kann man sich zweimal in der Woche ganz unverbindlich informieren und auch Online-Beratungen sind möglich. Aber die beiden Beraterinnen wissen auch: oftmals ist die erste Kontaktaufnahme die schwierigste. „Niemand sollte sich für seinen Konsum schämen. Wir verurteilen niemanden für sein Suchtverhalten. Die Betroffenen sollten eher bedenken, dass der erste Kontakt zu uns im Zweifelsfall vielleicht Leben rettet“, so Peschek.
In Weiden ist die Fachambulanz für Suchtprobleme erreichbar unter der Telefonnummer 0961 / 39890150, in Tirschenreuth unter 09631 / 798910.
Die Beratungsgespräche sind kostenlos und unterliegen selbstverständlich der Schweigepflicht.
Gerade bei Opioidabhängigen bietet die Fachambulanz Hilfe, die im Ernstfall Leben retten kann. Durch kostenlose Erste-Hilfe Schulungen mit dem Notfallmedikament Naloxon können Angehörige Konsumenten im Fall einer Überdosis helfen, die atemdepressive Wirkung zu verringern. „Seit Jahren steigt die Zahl der Opioidabhängigen in der Oberpfalz, daher ist es
uns ein besonderes Anliegen, dass Familien, Angehörige und auch der Freundeskreis von Konsumenten, der häufig selbst auch konsumiert, über das Take-Home-Naloxon Projekt Bescheid wissen“, so Lang weiter. Beide Beratungsstellen sind nach wie vor auf der Suche nach Ärzten, die bei diesem Projekt mit ihnen zusammenarbeiten und das Notfallmedikament verschreiben.
Zudem bieten beide Beratungsstellungen angeleitete Selbsthilfegruppen für Konsumenten illegaler Drogen. In Weiden trifft sich die Gruppe „Narcotics Anonymous“ freitags von 19 bis 20.30 Uhr im Saal des Caritas-Sozialzentrums in der Bismarckstraße 21. In Tirschenreuth startet ab 10. Oktober jeden zweiten Dienstag die Gruppe „Nemesis“ in den Räumen der
Fachambulanz in der Ringstraße 55 von 16.30 bis 18 Uhr.

