Durch seine Arbeit am Glasofen bei einer Umgebungstemperatur von 40 bis 50 Grad ist er Wärme gewöhnt. Per Zufall erfuhr er vor etwa 18 Jahren von den Saunameisterschaften in Stralsund. Schneck war mehrmals Teilnehmer. Dabei ging es eher nach dem K.o.-System: Sechs Mann in einem Holzpavillon, alle 30 Sekunden ein halber Liter Aufguss.

Bei diesen Wettkämpfen lernte der Neustädter eine Gruppe aus Hessen kennen, die sich „Saunaritter“ nennen. Der Verein der Extremsaunierer betreibt eine öffentliche Saunaanlage in Rödermark (Hessen) und veranstaltet einmal im Jahr einen Saunawettkampf. Schneck nahm mehrmals teil – und kam jedes Mal mit Brandblasen im Gesicht und verbrannten Ohren heim.

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Auch Teilnehmer aus Finnland

Am Wochenende war er nach coronabedingter Pause wieder dabei. Die Disziplin: „TQ“ (Thermisches Quartett). Der Wettkampf besteht aus vier Aufgussvarianten, in allerdings extrem heißer Version. Die Luftfeuchtigkeit steigt sehr schnell und sehr hoch an.

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In Rödermark gingen 24 Kandidaten – Männer und Frauen gemischt in zwei Gruppen – aus Finnland, Hessen und Bayern an den Start. Los ging’s mit dem „Becheraufguss“ bei einer Temperatur von etwas über 100 Grad. Der erste Becher (0,5 Liter) wird aufgegossen, nach 60 Sekunden zweimal 0,5 Liter und so weiter. Die Finnen kommen dabei auf bis zu neun Becher (22,5 Liter). Schneck gab nach fünf Bechern (7,5 Liter) auf.

„Bergsteiger“: Aufgüsse auf allen Etagen

Weitere Disziplin war der „Bergsteiger“: Die Teilnehmer beginnen auf der untersten Bank. Dann werden drei Liter mit der Gießkanne aufgegossen. Der Aufgießer zählt bis fünf. In dieser Zeit muss auf die zweite Bank gewechselt werden, wo 30 Sekunden gesessen werden muss. Auf diese Weise steigt man nach oben. Dann geht es unten wieder von vorne los. Die stehende feuchte Hitze wird immer unerträglicher. Bei der fünften Runde war der Oberpfälzer raus. Die Sieger saßen bis zu neun Runden.

Weiter geht’s mit der „Fahne“. Dabei werden vier oder fünf Liter Wasser bei über 100 Grad mit der Gießkanne aufgegossen. Der Aufgießer wedelt stark mit der Fahne, gießt sofort wieder auf und verwedelt. Der Aufgießer ist geschützt mit Handtuch und Maske über Kopf und Gesicht, Sweatshirt und langer Hose sowie dicken Handschuhen, sonst könnte er den Aufguss wegen Verbrennungsgefahr gar nicht ausführen.

Der letzte Wettkampf nennt sich „Fächer“: Man muss seine ausgeloste Sitzposition einnehmen, die Füße müssen auf der Bank bleiben. Das Abdecken der Beine ist verboten. Der heiße Dampf wird dabei zu den Teilnehmern gefächert, was schmerzhaft für Zehen, Füße und Schenkel ist.

Stammgast in der Thermenwelt

Kaum war Schneck am Sonntagmittag wieder zu Hause, führte ihn sein Weg mit Ehefrau Irmgard in die Thermenwelt nach Weiden. Mittwochs geht’s nach Bayreuth in die Lohengrintherme, seine Lieblingsstammsauna neben Bad Klosterlausnitz in Thüringen.

Beim Saunawettkampf in Hessen hatte Schneck neben all den Finnen und Hessen so gut wie keine Chance. Außer es hätte einen Durchgang mit Liegestützen gegeben: Die trainiert der 63-Jährige nämlich regelmäßig bei höheren Temperaturen. Aber: Dabei sein ist alles, nächstes Jahr ist er wieder mit am Start. Vielleicht begleitet er die „Saunaritter“, zu denen auch Weltmeisterin Michi Butz gehört, bei einer Reise nach Finnland, von dessen Saunakultur er begeistert ist. Bis dahin heißt es: Haare wachsen lassen, dann gibt’s hoffentlich keine heißen Ohren.