Die Organisatoren der Gegendemo „Solidarisches Erbendorf“ sind sichtlich unzufrieden. Der Stadtpark, ihr letzter Demo-Ort, ist am Sonntag gesperrt. Nun treffen sie sich in der Frühmessgasse in der Innenstadt von Erbendorf. „Seit 1. Advent treffen sich die Spaziergänger im Stadtpark. Dann ist einmal eine Gegendemo und prompt wird der Park gesperrt“, beschwert sich Anmelderin Lisa Bregler. Mit den anderen Gegendemonstranten steht sie in eisigem Regen am sogenannten „Schulschwänzerbrunnen“ . Die Route des unangemeldeten „Spaziergangs“ läuft hier nicht vorbei.

Landtagsabgeordnete kritisiert Bürgermeister

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Anna Schwamberger kritisiert am Montag in einem offenen Brief Erbendorfs Bürgermeister Johannes Reger – und erhebt schwere Vorwürfe. Zu lange habe er „taten- und wortlos“ zugesehen, wie Querdenker, Verschwörungstheoretiker und Rechte durch die Stadt marschierten. Die Gegendemo habe er „ins Aus verbannt“. In dem offenen Brief bittet Sie ihn, der Initiative mehr Raum zu geben.

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Stadtpark gesperrt

Bürgermeister Reger ist bei der Gegendemo am Sonntag wieder dabei. Er verkündet, dass der Stadtpark für die nächste Zeit sonntags gesperrt sei. Ein Grund sei der Schutz der Grünfläche, die durch die Aufläufe enorm leide. Auf die Frage, warum der Naturschutz erst jetzt eine Rolle spiele, erklärt er, dass es jetzt mehr Bodenfrost gebe, was den Rasen zusätzlich belaste.

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Als einen weitaus wichtigeren Grund führt er Sicherheitsbedenken an. Dadurch, dass Gegendemo und unangemeldeter Massenauflauf getrennt werden, würde das Konfliktpotential herabgesetzt. Aus polizeilicher Sicht sind in Bezug auf den Stadtpark keine Sicherheitsbedenken geäußert worden, sagt Bernhard Gleißner, Leiter der Polizei Kemnath, auf Nachfrage dazu. Gleißner und Reger weisen jedoch beide darauf hin, dass der Demonstrationsort im Konsens mit den Veranstaltenden in einem Kooperationsgespräch ausgehandelt worden sei.

Reger betont wiederholt, wenig Handhabe gegen die „Spaziergänge“ zu haben. Mit dem Landratsamt stehe er in engem Austausch. Von dort kam die Nachricht, dass eine Allgemeinverfügung rechtlich sehr schwer durchzusetzen sei.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag sind alle Plakate, die die Demo von „Solidarisches Erbendorf“ ankündigen, zerstört worden. Gleißner bestätigt auf Nachfrage, dass die Polizei in dieser Sache gegen Unbekannt ermittelt.

„Mit Herz und Verstand“

Das Bündnis „Solidarisches Erbendorf“ ist sichtlich gewachsen. Die Veranstaltenden schätzen 150 bis 200 Teilnehmer. Die Polizei spricht in ihrem Pressebericht von 80 Leuten.

Auch die katholische und evangelische Kirchengemeinde machen mit. Der katholische Pfarrer Martin Besold steht inmitten der Gegendemo. Er ist zufrieden mit dem Platz. Wichtig sei gemeinsam mit Herz und Verstand durch die Pandemie zu kommen. Maximilan Seiler hat die Demo mit organisiert. Er ist in Erbendorf geboren und aufgewachsen, arbeitet jetzt als Rettungssanitäter in Bamberg. Für die Gegendemos reist er jeden Sonntag in die Oberpfalz. „Das ist meine Heimat. Ich will nicht, dass die von Rechten überrannt wird“, sagt Seiler. Während Bürgermeister Reger immer wieder betont, dass nicht alle der „Spaziergänger“ rechts seien, hat er kein Verständnis für die „Spaziergänger“. Allen müsse klar sein, mit wem sie da mitlaufen.

Etwa 320 Personen haben sich im Bereich des Parkplatzes der Stadthalle zu einem nicht angemeldeten Aufzug versammelt, heißt es im Bericht der Polizei. „Beide Versammlungen sind polizeilich betreut worden und verliefen störungsfrei“, meldet die Polizei dazu.