Grafenwöhr. Schon als Kleinkind erwachte ihre Liebe zu den Tieren. Die Vorliebe zu Pferden wurde in ihrer Jugend zur Passion und im Rodeo-Reiten war Heike Day mehrfacher Champion. Am 27. April verstarb Heike Day.
Von Renate Gradl
„Ich hab gar nicht gewusst, dass meine Tochter in Amerika so berühmt war“, sagt Helga Neidl über ihre Tochter Heike. Jetzt musste sie sich von ihr für immer verabschieden, da sie am 27. April verstarb. Was Helga Neidl bleibt, sind wunderschöne Erinnerungen aus dem Leben ihrer Tochter.
Einsatz gegen Ungerechtigkeit
„Meine Heike lernte schon früh, sich unter ihren Brüdern Wolfgang, Roland und Stefan zu behaupten. Furchtlos und mutig, wie sie war, konnte sie auch bei Ungerechtigkeiten nicht tatenlos zusehen. Vor allem für hilfsbedürftige Tiere schlug ihr Herz“, weiß Helga Neidl.
In der Jugend wurde Heikes Vorliebe für das Reiten beim „Reitclub am Kulm“ in Gutttenthau, bei der Green Valley Ranch in Schwand und bei den Reiterfreunden in Matzlesrieth gefördert. Mit 18 bekam sie „Frisby“, ihr erstes eigenes Pferd. Später war sie Mitglied der European Rodeo Cowboys Association (ERCA).
Erfolgreiche Rodeo-Reiterin
In der Rodeo-Vereinigung für Amerikaner und Europäer war sie bekannt für ihren unerschütterlichen Mut, auf den Rücken wilder Pferde zu steigen. Was nicht ausblieb, war schon mal ein gebrochenes Bein. Aber das hinderte die Pferdeliebhaberin nicht daran, weiter an sich zu arbeiten. Und so stellte sich auch der Erfolg beim „Barrel Racing“, einem Pferderennen um Tonnen, ziemlich bald ein.
Von Grafenwöhr nach Kansas
Ihre große Leidenschaft für das Rodeo bescherte Heike Day einige Siege. Sie war 1994 und 2000 Champion; 2001 sogar zweifacher Champion in „Barrel Racing“ und in „Rescue Race“. 2002 wurde ihr Traum von einer Pferdefarm in Kansas wahr, wo Day in der „Eastern Kansas Horseman’s Association“ anerkannte und geschätzte Profitrainerin, Züchterin und Ausbilderin von Western Pferden wurde. Überaus treffsicher war ihre Teilnahme beim „Cowboy Mounted Shooting“, wo vom rennenden Pferd auf Luftballons geschossen wurde.
Hilfsbereit und tatkräftig – trotz eigener Schmerzen
Vor drei Jahren zog Heike Day nach Texhome in Nordwest Texas, um dort weiterhin für „Barrel Racing“ zu trainieren. In Texas unterstützte die Pferdeliebhaberin auch Tierschutzorganisationen. Day päppelte kranke, blinde und verwahrloste Hunde auf und vermittelte sie an gute neue Besitzer.
Erst im vergangenen Jahr musste sich Day einer Rückenoperation unterziehen. Aber sie kämpfte sich mit Löwenmut ihre Unabhängigkeit zurück. Von August bis Weihnachten 2019 war auch ihr letzter Besuch daheim in Deutschland. Trotz eigener Schmerzen unterstützte sie ihre Mutter, die auch durch eine OP stark bewegungseingeschränkt ist.
Tot in Wohnung aufgefunden
Erst vor fünf Monaten feierte die Züchterin ihren Erfolg, als die neue Stute „Cinch“ ein gesundes Hengstfohlen zur Welt brachte. Dies sollte ein Grundstein für die weitere Zukunft sein.
Die Entscheidung von Texas zurück nach Kansas zu gehen, wurde von „Corona“ unbarmherzig ausgebremst. Am 27. April wurde Heike Day an ihrem Wohnort in Texas tot aufgefunden. Ihre Familie und ein großer Freundeskreis trauern um die ehemalige Grafenwöhrerin, die im Juni 50 Jahre alt geworden wäre.

