Tirschenreuth. Wo und wie haben Menschen in unserer Region in den letzten 70 Jahren ihre demokratischen Rechte wahrgenommen? Wann haben Personen Zivilcourage gezeigt? Und wie haben in den letzten Jahrzehnten zivilgesellschaftliche Organisationen auf Politik und Gesellschaft Einfluss genommen?
Für einen noch eher „blinden Fleck“ hält Studiendirektor Friedrich Wölfl a. D. die Erinnerung an demokratische Initiativen im Landkreis. Das sei unbefriedigend, denn die positive Entwicklung der Demokratie beruhe nicht nur auf der Stabilität der Verfassungsorgane. Sie seien zwar die „Hardware“, entscheidend sei jedoch die „Software“: demokratische Tugenden, staatsbürgerliches Handeln, werteorientiertes Verhalten seitens der Bürger – im politischen wie im vorpolitischen Raum.
Diese Software stärker ins Bewusstsein zu rücken, ist das Ziel einer Initiative „Erinnerungskultur Demokratie“, die im Frühherbst unter dem Dach der Volkshochschule starten will. Das sei jetzt noch gut möglich, so der Initiator, weil sich mit Hilfe der „Oral history“ das Wissen von Zeitzeugen sichern ließe, aber auch weil eine neue Sensibilität für den Wert der Demokratie entstanden sei. Die vielen Appelle zur Stärkung der Demokratie seitens der Politiker dürften jedoch nicht wohlgelittene Rituale an Jahrestagen bleiben.
Schulen einbinden
Friedrich Wölfl würde für seine Aktion z. B. gerne Schulen gewinnen, die im Rahmen des „Gesamtkonzepts für Politische Bildung an bayerischen Schulen“ ihr Schulprofil stärken wollen und am Heimatort dafür recherchieren könnten. Er denke auch an manche Aktionen zur Extremismus-prävention, zu Integration und Inklusion. Ferner hätten neben den Parteien u. a. stets gewerkschaftliche, soziale oder kirchliche Organisationen wichtige Beiträge zur „demokratischen Software“ geliefert.
Das Projekt wolle er mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern umsetzen, es brauche einen längeren Atem. Ersten Zuspruch und Ideen gebe es bereits, zusammen mit Interessenten könnte ein erstes Konzept entwickelt werden. Fernziel könnte ein digitaler „Atlas der Demokratie“ für den Landkreis werden, der dann ständig aktualisiert werden kann.
Demokraten fallen nicht vom Himmel
„Demokraten fallen nicht vom Himmel“, zitiert Wölfl den Staatsrechtler Theodor Eschenburg, „das stimmt nach wie vor, man könne den Stolz auf Erreichtes und eine demokratische Identität auch über eine angemessene Erinnerungskultur fördern. Fest- und Gedenktagsreden alleine helfen nicht, man muss und kann schon mehr dafür tun.“
Ein erstes Treffen findet statt am Freitag, 4. Oktober, um 19 Uhr in der Volkshochschule in Tirschenreuth (St.-Peter-Straße 33). Interessierte können sich bereits jetzt auf der Homepage der vhs informieren und online anmelden: www.vhs-tirschenreuth.de

