Jeder kennt das Ein-Mann-Orchester, bei dem ein einzelner Musiker mit vollem körperlichen Einsatz gleichzeitig mehrere Musikinstrumente spielt und dabei Hände, Arme, Füße und Kopf im Dauereinsatz hält. Oft sind die Instrumente über spezielle Konstruktionen verbunden. Ähnlich verhält es sich bei dieser merkwürdigen Zwei-Mann-Band „Loopin‘ Lab“, die im alten Ring-Kino bei „Klein und Kunst“ gastiert. Ihre selbstgebaute Steampunk-Maschine im Hintergrund, in der ein „Ghost“ hausen soll, funktioniert allerdings noch viel schräger, als die herkömmliche Technik des straßenmusiktauglichen Multiinstrumentariums.

Zwei verwirrende Laboranten

Saschmo Bibergeil war Gitarrist bei „Dr. Will & The Wizards“, die schon 2012 bei „Live im Stadtbad“ in Weiden auftauchten. Der Berliner Tausendsassa, der im Blues-, Jazz Rock- und Pop-Genre unterwegs ist, hat in dem Bassisten Michael „Dimjon“ Cramer einen kongenialen Partner für ein gemeinsames verwirrend-faszinierendes Laboranten-Projekt gefunden. Mit Dr. Will arbeitet er übrigens immer noch zusammen. Schon die Arbeitsklamotten der beiden Tüftler haben es in sich: Ihre Garderobe ist ein grober Mix aus Harry Potter und Hitchcocks „Riff Piraten“, wobei die listigen Augen oft hinter grünleuchtenden Steampunk-Brillen versteckt sind.

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Mit Grammophon und Schellackplatte

Das multifunktionale Brett im Hintergrund wirkt wie ein blinkendes und rauchendes Maschinarium voller Kuriositäten aus Boris Karloffs alten Frankenstein-Tagen. Unten eine Basstrommel, die sich wie von Geisterhand selber schlägt, darüber ein Tamburin, das ständig in Bewegung ist. Auf dem Teller eines vertikal angeschraubten Grammophons dreht sich die Schellackplatte. Und oben vervollständigen mehrere Klingelanlagen das Szenario. Dabei soll es aber nicht bleiben. Mit Hilfe von Akkuschraubern erzeugt das Duo irre Töne, die dann über die Loop-Dauerschleife in die experimentellen Songs eingebaut werden.

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Wenn der Fuchsschwanz am Metall kratzt

Die Performance fasziniert. Wenn beispielsweise Cramers Fuchsschwanz am Metall kratzt, um auf diese Weise einen neuen Geräuschteppich zu knüpfen. Oder wenn er in die Muschel eines Telefons spricht, das kurz nach der Gründerzeit gebaut worden sein musste, während Bibergeil ordentlich mit dem Hammer auf eine alte Autofelge eindrischt und dies alles in die Wiederholungsschleife fließt. Das Programm besteht zumeist aus eigenen Songs, aber auch aus ausgewählten Covers von Django Reinhardt bis Depeche Mode. Das Publikum hört zwei Stunden lang sanfte Jazzharmonien, Folk, Reggae und wütenden Industrial Rock.