Von Stimmungsmache verblendete, mitlaufende „Herdenmenschen“, die heute „Hosianna“ und morgen „Ans Kreuz“ brüllen; Amtsträger, denen Macht und Pöstchen mehr bedeuten als Wahrheit und Gerechtigkeit; aus Ratlosigkeit und Frustration irre gewordene oder aus Ungewissheit und Furcht eingeschüchterte Menschen; und natürlich Persönlichkeiten voller Mut, Aufrichtigkeit und Empathie: Man muss kein Christ sein, um in den Passionserzählungen der Evangelien ein Panorama vieler Facetten der menschlichen Natur von eindrucksvollem Edelmut bis zu verächtlichster Niedertracht zu erblicken.
Diese Erkenntnis wollte auch die „Pressather Kinderpassion“ ins Bewusstsein rufen, die 19 Grundschüler den rund 130 Besuchern der Palmsonntagsmesse in der Stadtpfarrkirche darboten und damit nach dreijähriger Unterbrechung eine seit 2016 gepflegte Tradition fortführten. Eine Tradition, die wegen Regenwetters leider nicht mit dem Zug der Mädchen und Buben vom Kindergarten zur Kirche eingeleitet werden konnte.
Eine Geschichte voller Symbole
Personen wie Judas, Petrus, Pilatus, Simon von Kyrene oder Veronika seien nicht nur Gestalten eines längst vergangenen Geschehens, erklärten die Kinder. So stehe Judas (gespielt von Lukas Münsterer) heute „für alle, die an Jesus und der Kirche irre geworden sind“ oder sie gar „verraten haben“, und Petrus (Michael Gareis) repräsentiere „solche, die sich im entscheidenden Augenblick nicht zum Glauben, zu Gott bekennen, weil sie daraus Nachteile befürchten“, aber „trotz aller Schwächen“ doch die vergebende Treue des Herrn erfahren dürften.
In Pilatus (Anne Scharf) finde man jene wieder, die aus „Angst um Stellung und Ansehen ihre Hände in Unschuld waschen und Verantwortung abschieben“ und denen jene gegenüberstünden, „die verantwortungsbewusst und treu nach ihrem Gewissen handeln und zu ihrem Leben und zu Gott stehen“. Kreuzträger Simon von Kyrene (Max Kreuzer) stehe für Menschen, „denen schwere Lasten aufgebürdet werden“ und die letztlich Erleichterung gefunden hätten, indem sie „durch das Kreuz Jesus näher gekommen“ seien, und Veronika (Sophia Walberer) erinnere an „alle, die im Stillen und Verborgenen Nächstenliebe üben und im Notleidenden Jesus erkennen“.
Ein Passionsspiel mit viel Musik
Den musikalischen Rahmen setzten moderne Lieder, die die biblischen Schilderungen vom Einzug Jesu (Benedikt Murr) in Jerusalem, von seiner Leidensstunde „in dem Garten von Olivenbäumen“ und seiner Verurteilung in bewegende kindgerechte Worte kleideten und die der von Cornelia Träger und Gerlinde Farmbauer geleitete Kinderkirchenchor vortrug. Zur Gabenbereitung sangen die Kinder von der Hoffnung auf eine gerechtere Verteilung der „Güter der Erde“, um „den Hunger zu heilen“. Nicht fehlen durfte die Segnung der vom Missionskreis vorbereiteten Palmbuschen.
Zum Schluss dankte Stadtpfarrer Edmund Prechtl allen Mitwirkenden des Passionsspiels, das Pastoralreferentin Anita Pollok, Gerlinde Dennstedt, Barbara Gareis, Isabella Hutzler, Simone Murr und Andrea Nitsch vorbereitet und einstudiert hatten und für das Anita Müller die Gewänder schneiderte – ein Dank, in den die Gottesdienstbesucher mit herzlichem Beifall einstimmten.

