Statt Bruckner und Reger gab es nun (auswendig gespielt) Mozart, Chopin und Liszt zu hören. Bei Mozart spannte Frau Asuka den Bogen vom verdächtig geistreichen Menuett Köchel-Verzeichnis Nr. 1 (notiert von dem achtjährigen Mozart-Bürscherl) bis hin zum melancholischen Rondo in a KV 511 in sanft wiegendem 6/8-Takt.

An den Beginn stellte sie das heiter gestimmte Rondo in D-Dur KV 485 und zeigte damit ihren Blick auf Mozart: Feinsinnig, warmherzig, klangschön, auch im Bewusstsein, dass Ausdruck und mögliche Wucht eines Steinway doch meilenweit vom filigranen Charme der Klaviere Mozarts (Späth, Stein, Walter) entfernt sind.

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Klarheit und Wahrheit

Bei Mozarts Musik muss man die Karten auf den Tisch legen: Jedes Effekt-suchende Aufblasen der Musik, jede Affektiertheit, jede Sentimentalität würde unglaubwürdig wirken, Frau Asuka scheint das zu wissen. Den Abschluss des Mozart-Blocks bildete die Klaviersonate F-Dur KV 332. Die Künstlerin spielte weitgehend nach der Version des Erstdrucks, bei dem im langsamen Satz Verzierungen ausgeschrieben sind, wie sie Mozart wohl improvisierte.

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Sie gab auch hier verflochtenen Melodielinien Vorrang vor sprechender „Klangrede“. Die von Mozarts immer wieder notierten schroffen Kontraste zwischen laut und leise tauchte sie in versöhnlich-mildes Licht. Beim Schlusssatz riskierte sie wirklich ein rasantes „Allegro assai“, eine Bewährungsprobe für ihre elegante, technisch makellose Spieltechnik.

Regel und Freiheit

Diese bewährte sich auch bei Chopins Nocturnes op. 9/1 und 2, op. 32/1 und 2. Wieder vermied sie kantige Kontraste, entwickelte das für Chopin so typische Zusammenwirken von Halt gebender gleichmäßiger Begleitung und individueller Freiheit in Gestalt von rhythmisch freischwebenden Melodien. Die Gestaltung der klanglichen Register (Bässe, Begleitakkorde, Melodie) kann man sich plastischer vorstellen.

Bravo-Triumphe erntete Frau Asuka mit ihrem fulminanten Zugriff bei Liszts „Venezia e Napoli“ mit Gondoliera, Canzone und Tarantella. Dank ihrer virtuosen Fingerfertigkeit verloren die „perhorreszierenden“ Läufe, die Terz- und Oktavgänge, die schnellen Tonwiederholungen und Sprünge jeglichen Schrecken. Stattdessen trat die weitgreifende Ausdruckskraft der Musik in den Vordergrund, von innig-meditativen Melodien über packende Leidenschaft bis zu funkensprühendem Überschwang. Als Zugabe ein introvertiertes Nocturne cis-Moll, wieder von Chopin.