Die Provinz leuchtet. Sie leuchtet noch mehr seit den 30 Jahren, in denen die Max-Reger-Halle zu einem kulturellen Anziehungspunkt der Oberpfalz gewachsen ist und mit ihrer lichten, hellen und transparenten Akustik fasziniert.

Christoph Thomas, erster Vorsitzender der Weidener Meisterkonzerte lobte eingangs die mutige und vorausschauende Entscheidung des Stadtrats, dieses Projekt umzusetzen. Die seit 1961 bestehende Konzertreihe hat dort eine würdige Heimstatt gefunden. Das Sonderkonzert empfanden viele als ein Highlight in bedrückenden, problembeladenen Zeiten. Für den guten Ton sorgte das bekannte Arte Ensemble, diesmal in Bläser-Übermacht, lediglich mit gestrichener Kontrabass-Erdung durch Albert Sommer. Als Bläser-Verstärkung war der in Vilseck beheimatete Joachim Pfannschmidt zu lokalisieren, er ist stellvertretender Solohornist im Staatsorchester Kassel.

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Strahlendes Bläser-Gold

Zu Beginn stand ein Glanzstück, die Serenade B-Dur KV 361 von Wolfgang Amadeus Mozart, auch „Gran Partita“ betitelt, ein ausgreifendes, doch kurzweiliges Opus. Zu den beiden Klarinetten treten zwei Bassetthörner, das sind tiefe Klarinetten in Tenorlage, alle vier wegen ihres samtweichen und schmelzenden Tons von Mozart außerordentlich geschätzt. Nicht zuletzt wegen der schon gerühmten Akustik der Regerhalle war das Zusammenspiel des Arte Ensembles auch ohne Dirigent kein Problem: Es gelang perfekt, die Musiker hörten aufeinander wie mit Luchsohren und das Publikum hörte die feinsten Finessen.

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Geschmeidige Staffelübergaben

Sehr überzeugend wirkte die weiche, wie vom österreichischen Dialekt inspirierte Artikulation. Die Staffelübergaben von Führung zu Begleitung erfolgten geschmeidig. Die Tempi waren perfekt getroffen, sie lagen auf der zügigen, lebendigen Seite der Skala, nie vermittelte die natürlich wirkende Interpretation verschleppte, pappige, aufgedunsene Eindrücke, aber auch nie Hektik. Makellos gelangen die anspruchsvollen Soli, von der ersten Oboe bis hinab zum zweiten Fagott, zum Kontrabass.

Schillernde Traumgestalten

Nach der Pause feierten dann Musik und Literatur Hochzeit: „Ein Sommernachtstraum“ war angesagt, die Schauspielmusik op. 61 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Andreas N. Tarkmann hat sie gekonnt für Bläsernonett und Kontrabass arrangiert. Die fehlenden wispernden Streicher vermisste man eigentlich nur beim berühmten Scherzo. Den Shakespeare-Stoff hat der österreichische Autor Franzobel bearbeitet. Seine Text-Intermezzi las der grandiose Dominique Horwitz mit Witz und Wandlungsfähigkeit und in engster Verzahnung mit den Musikern. Er (als der „Puck“) und die famosen Musiker erweckten ein rundum vergnügliches Kopfkino mit Live-Tonfilm.

Kobold verschießt Pfeile des Amor

Beim Untergang der Sonne treten wir in eine sommernächtliche Traumwelt ein. Der Kobold Puck verschießt Pfeile des Amor, lässt Emotionen und Erotik aufflammen, die delikaten Einzelheiten würden den Rahmen dieses Berichts sprengen. Horwitz führte quirlig, mit Ernst und Mitgefühl, aber auch mit Ironie und Parodie durch diese Irrungen und Wirrungen. Um seine abschließende Frage zu beantworten: Ja, es hat gefallen. Begeisterter Applaus und eine Portion Sternenstaub darüber gestreut für eine geruhsame Nacht.