Wer „Ivor, die kleine Lok“ noch kennt, muss heute die 60 längst deutlich überschritten haben. Es war 1964, als die kleine Lokomotive von den TV-Mächtigen als Konkurrenzunternehmen zu Jim Knopfs „Emma“ auf die Schienen gestellt wurde und über die damals noch wenigen und gar nicht bunten Fernsehbildschirme dampfte.
Innerlich noch ein Kind
Für Kinder waren das damals Riesenabenteuer. Viele hatten sich das Brettspiel zur Serie schenken lassen. Die meisten dieser Spiele landeten längst im Müll. Erhard Maußner, Landwirt im Ruhestand, hat sich seine Kindheit bewahrt. „Wenn ich hundert bin, bin ich innerlich immer noch Kind.“ Er sammelt diese Relikte aus den Sechzigern. Klar, dass er auch das „Ivor“-Spiel besitzt.
Ein Stück deutscher Zeitgeschichte
Nicht nur das. Beim Herbstreffen des Weidener Comic-Clubs im „Bräuwirt“-Keller packte der Franke auch „Sarotti“-Schokolade aus. Ebenfalls noch ein Relikt aus den Sechziger Jahren. Schiebt man den Pappdeckel zurück, erscheinen in der Packung kleine, buntumhüllte Schokostückchen mit Märchenbildern vom Rotkäppchen.
Der Weidener Comic-Club-Vorsitzende Uli Narr staunte: So süß wurden vor 60 Jahren den deutschen Kindern Grimms-Märchen erzählt. Die Schoko ist uralt. Wahrscheinlich ist sie ungenießbar. Aber sie ist ein Stück deutscher Zeitgeschichte, die Maußner auf irgendeinem Flohmarkt für wenig Geld kaufte.
Kleiner Teil, einer riesigen Sammlung
„Ich glaube nicht, dass es das in dieser Form nur einmal gibt”, meinte Maußner. Etwas weiter hinten auf dem Tisch liegen Spielformate über „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und den US-Klassiker „77 Sunset Strip“. Maußner agiert sammeltechnisch international.
Er hatte nur einen kleinen Teil seiner riesigen Sammlung mitgebracht. Sein wohl wertvollstes Exponat, das er seinen Weidener Freunden präsentierte, war ein gut fingergroßes Plastik-TV-Gerät mit den beiden Hauptfiguren aus der „Doly“-Serie, die früher recht erfolgreich im französischen Fernsehen lief.
Millionenschwere Sammlung
Allein für das Miniatur-Fernsehgerät würde ihm ein französischer Sammler 500 Euro bezahlen, sagte Maußner. „Wenn ich meine Sammlungen sehr gut verkaufe, bekomme ich zwei Millionen Euro dafür. Verkaufe ich sie schlecht, sind sie mindestens eine Million wert.“ Investiert habe er nur einen Bruchteil davon, aber sehr viel Zeit, erzählte der Sammler. „Wenn man sich auskennt, weiß man, wie man an die Sachen rankommt.“
Langjähriger Sammler
Maußner sammelt seit 40 Jahren. „Da lernt man so viele Leute kennen, die ähnlich ticken. Da wird getauscht und gekauft.“ Museen oder Galerien hätten sich noch nicht gemeldet bei ihm. „Aber ich mach’s ja auch nicht so publik.“
Die Sammlung bewahre er in seinem Haus auf. Das habe eine Wohnfläche von tausend Quadratmetern. Also genug Raum für Enid Blytons „Fünf Freunde“ und „Ivenhoe“. Die wertvollen Stücke hat er in einem separaten Bereich seines Hauses aufgestellt. „Vom Wohnbereich streng getrennt.“
Große Ausstellungsfläche
Natürlich tut sich der Ex-Landwirt hierbei leichter als unsereiner. „Mein Haus hat eine Wohnfläche von tausend Quadratmetern.” Auf dieser Fläche lassen sich natürlich locker auch seine unzähligen Dioramen mit Elastolin-Figuren ausstellen, die er im Laufe seines langen Sammlerlebens zusammentragen hat.
Motive aus der Römerzeit, Normannen. Sogar eine funktionstüchtige Western-Eisenbahn ist darunter. Diese Dioramen machten den eigentlichen Wert seiner Sammlung aus, sagte er. Narr und seine Comic-Freunde sind entzückt. Im kommenden Jahr wird der Weidener Club wieder das Hansrudi-Wäscher-Fanclubtreffen ausrichten. Ein Besuch in Straubing inklusive.

