Die ausverkaufte Stadthalle bekam von der gebürtigen Niederbayerin ein beeindruckendes, facettenreiches Programm geboten. Sie schlüpfte nicht nur in verschiedene Rollen, wie beispielsweise als die resolute Rentnerin Helga Freese, die über eine Vogelstimme mit ihrem toten Mann Heinz kommuniziert oder die mit schwerem Sprachfehler kämpfende „Mary from Bavary“ im Morgenrock, sondern konnte auch durchaus musikalisch bei ihren Gesangseinlagen, wie bei einer anmutenden Arie als Königin der Nacht überzeugen. Sie spielt mit dem Publikum, bezieht die Zuschauer von Waldsassen als mutmaßliche Kenner des Waldbadens mit ein und kann es sich nicht verkneifen, den einen oder anderen Seitenhieb auf die anwesende örtliche Politik zu verteilen.

„Ja mei, die Oberpfalz“

Beim zwischenzeitlichen fünfminütigen Stromausfall war ihr erster Tenor „Ja mei die Oberpfalz“. Luise Kinseher zeigte sich von der Dunkelheit wenig beeindruckt und schnell bekam das Stadtoberhaupt von Waldsassen, ihre damit in Verbindung gebrachten Vermutungen, zu hören. Schnell ging es danach im Programm weiter. Ein Feuchtbiotop im Wohnzimmer und nistende Kanarienvögel im Lampenschirm zeugten genauso von Einfallsreichtum wie ein wertvoller seltener Schmetterling und ein Riss in Ihrer Wohnung, der immer größer wird.

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Gustl musste lange warten

Ein Flirt mit einem 23-Jährigen in der ersten Reihe und dem Vorschlag, das bayerische Wappentier, den Löwen, durch eine Kuh zu ersetzen, waren genauso unterhaltsam wie der von ihr angestimmte und von Tourbegleiter Simon Ernst weiter vorgetragene Elton-John Song „Don´t Let the Sun Go Down“. Erst nach einigen Zugaben und minutenlangem Applaus kehrte Kinseher wieder zu Ihrem Dackel „Gustl“ zurück, der brav und geduldig auf Sie in der Garderobe wartete.

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Luise Kinseher

Luise Kinseher ist und bleibt für viele Fans immer die einzigartige Mama Bavaria. Die Kabarettistin (u.a. Bayerischer Kabarettpreis 2014, Deutscher Kabarettpreis 2023) und Schauspielerin aus München, die von 2011 bis 2018 die Rolle der Mama Bavaria beim Politiker-Derbleckens am Nockherberg innehatte, tourt derzeit mit ihrem achten Solo-Bühnenprogramm „Wände streichen. Segel setzen“ erfolgreich durch Deutschland.

Mit ihren eigenen Fernseh-Talk-Shows „Mama Bavaria“ und „dreizueins“ im Bayerischen Fernsehen ist sie aus der TV-Szene nicht mehr wegzudenken. Die gebürtige Niederbayerin (Geiselhöring) hat sich in den letzten Jahren trotz göttlicher Verpflichtungen immer viel Zeit genommen, ihre Besucher auf eine ganz besondere Art und Weise mit ihren Bühnen-Programmen in den Bann zu ziehen.

Für das Fernsehen entdeckt hat sie damals Franz Xaver Bogner, der sie im Café Meineid und München 7 zur Kultfigur werden ließ. Die Rolle der „Bavaria“ am traditionellen Starkbieranstich am Nockherberg als erste weibliche Salvatorrednerin überhaupt, hat dann alle Ketten gesprengt und Luise Kinseher ist in der Politikszene schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr.

2021 heimste sie mit Sigi Zimmerschied, über den sie ihre Magisterarbeit anfertigte, auch einen beachtlichen Kino-Erfolg ein.

OberpfalzECHO: Liebe Luise oder auch Mama Bavaria, man kann dich als eine der erfolgreichsten Kabarettistinnen Deutschlands bezeichnen. Wieso hat es lange gedauert, bis dein Schaffen über Bayerns Grenzen hinaus ausgezeichnet und mit dem Dutschen Kabarettpreis 2023 entsprechend gewürdigt wurde?

Luise Kinseher: Ich finde es wunderbar, den Preis gerade jetzt zu bekommen! Für mich ist es eine Herausforderung, weiterzumachen, noch besser zu werden und ja nicht mit 55 Jahren geistig in Frührente zu gehen.

Du hast in eine Magisterarbeit über Sigi Zimmerschied geschrieben, 29 Jahre später warst du mit ihm gemeinsam vor der Kamera. Was hat dir dieses Engagement bedeutet?

Kinseher: Wenn alles gut läuft, drehen Sigi Zimmerschied und ich in diesem Jahr nochmals gemeinsam einen Kinofilm! Als ich mich damals als Studentin mit ihm und dem Kabarett beschäftigt habe, wusste ich weder, dass ich selbst mal Kabarettistin werden würde, noch habe ich geahnt, mal mit Sigi Zimmerschied zusammenzuarbeiten. Es kommt halt immer alles anders, als man denkt.

Es gibt einen alten bayerischen Spruch, den ich sehr mag: Nur der Not keinen Schwung lassen!

Ratschlag von Luise Kinseher

Du bist nicht nur Schauspielerin und Kabarettistin, du glänzt auch als Rednerin, TV -Moderatorin, Radio-Comedian, Buchautorin und warst auch schon mal Betthupferl-Sprecherin tätig. Gibt es eigentlich irgendetwas, was Luise Kinseher nicht kann?

Kinseher: Stimmt, ich bin wohl ziemlich vielseitig, aber dadurch wird es nie langweilig und ich kann immer etwas dazulernen. Gerade als Künstlerin sollte man nie ausschließlich auf ausgetretenen Pfaden wandern. Ich kann immer noch vieles nicht, aber das wird mich nicht abhalten, es auszuprobieren, wenn es auf mich zukommt. Außer Fliesen legen.

Gibt es irgendeine Entscheidung in deiner Karriere, die du mit deinem jetzigen Wissensstand ganz anders gefällt hättest?

Kinseher: Nein, eigentlich nicht, aber gerade am Anfang meiner kabarettistischen Gehversuche habe ich es mir furchtbar schwer gemacht. Das tut mir heute leid, weil es mir an Freude und Leichtigkeit fehlte. Das würde ich heute nicht mehr so machen.

Schreibst du deine Programme alleine, wenn ja wer bekommt es zuerst zu hören und wie weit lässt du dich dann auch beeinflussen?

Kinseher: Wenn es um TV-Produktionen geht, arbeite ich gern mit dem Autor Thomas Lienenluke zusammen, aber meine Kabarettprogramme schreibe ich selbst. Meine Regisseurin Beatrix Doderer hat dann ziemlich viel Einfluss, was die Weiterentwicklung der Texte angeht. Und natürlich mein Dackel Gustl. Der zwingt mich immer wieder an die frische Luft und wenn ich mich in was verbissen habe, lasse ich es einfach auf dem Weg liegen.