Gut, dass die Bühne Platz genug bietet. Denn der Überraschungsgast am Kabarettabend am Samstag im „Kulturbahnhof Parapluie“ war kein Geringerer als der frisch gebackene Kulturpreisträger der Landeshauptstadt München, Stefan Noelle. Er begleitete das „Lieder zum Festhalten“-Programm von Ramon Bessel mit Percussion und Gesang. Vokalpianist Bessel ist ein Mensch, der gerne Klavier spielt, der aber das Interpretieren von Liedern anderer Leute längst hinter sich gelassen hat und sich inzwischen nur noch seinen eigenen Songs widmet.
Ein „Zuagroaster“ aus Gmund
Das „Kulturbühnen“-Publikum im Lerchenfeld erlebte einen „Zuagroasten“. Denn die Familie dieses Manns mit dem spanischen Vornamen stammte ursprünglich aus Norddeutschland. Er selbst wurde aber in Gmund am Tegernsee geboren. Von mathematischen Formeln hält der Kabarettist recht wenig. 50 Prozent seines Programms bestehe aus Gesang, weitere 50 Prozent aus Klavier und nochmal 50 Prozent aus Kabarett, meint er. Na, wenigstens eine Hälfte von den Dreien muss wohl gelogen sein. „Normalität ist, einfach mal bremsen, wenn die Ampel es rät.“
Der Erbauliche
„Das Leben ist sehr extrem. Entweder trink ich nichts oder kann nicht mehr stehen.“ Seine Lieder teilte der Protagonist ein in „Die Amüsanten“ und die „Weniger Amüsanten“. Letztere wiederum in „Die Erbaulichen“ und die „Weniger Erbaulichen“. So war für jeden was geboten. Auf diese Weise hat er sich bereits eine ansehnliche Kleinkunst-Trophäensammlung zugelegt. Bessel ist nicht nur auf den Bühnen daheim. Nein, er grinst auch aus den Fernsehapparaten.

