Weiden. Es ist eine symbolträchtige Geste gewesen, die Volki „Mc Angus” von „AC/DX.“ kurz vor 2 Uhr am Sonntagmorgen exemplarisch für das „Clones of Rock 2016“ (COR) zeigte. Entspannt auf dem Lautsprecher sitzend streckte er unter dem Jubel des Publikums den Daumen in die Höhe – perfekt! Bayerns größtes Tribute-Festival gehört einfach in die Weidener Mehrzweckhalle und nirgends anders hin. „Sie ist der passende Rahmen für solch ein Event“, freute sich auch Thomas Bauer, Chef des Rockmusikclubs „Salute“, der mit seinem Team das „COR“ auf die Beine gestellt hatte und sich über eine nahezu ausverkaufte Location freuen durfte.

 von Stephan Landgraf

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Er hatte im Vorfeld des rund siebeneinhalbstündigen Konzertes mit vier Bands nicht zu viel versprochen: Das „COR 2016“ sollte „neu, besser und anders“ werden – was es auch wurde. Nach einem Jahr Pause, letztes Jahr fand das „COR“ bekanntlich in einem etwas kleineren Rahmen im evangelischen Vereinshaus statt, kehrte es heuer zu seinen Wurzeln zurück und präsentierte sich dabei in der Tat in einem neuen Glanz. Was zum einen natürlich an der Band-Auswahl lag, zum anderen auch der Tatsache geschuldet war, dass das „Salute“-Team das kulinarische Angebot sowie die Aufteilung der Verpflegungsstände veränderte. So war beispielsweise die etwas nach hinten verschobene Getränke-Bar verlängert worden, wodurch die Musikfans mehr Platz zum Abtanzen hatten.

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Es war ein durchgeladenes Tribute-Festival, das sich unter die Kategorie „nationale Spitzenklasse“ einordnen ließ. Denn alle vier Bands kamen dieses Jahr aus Deutschland. Schon um 19 Uhr zum Auftakt des „COR 2016“ war die Mehrzweckhalle proppenvoll: „We are Motörblast, we play Rock’n’Roll!” hieß es, als „Motörblast” aus Siegen in „Memory für Lemmy Kilmister“ in die Saiten griff. Die Setliste der drei Jungs las sich wie eine „Greatest Hits Show“ und beinhaltete Songs der frühen „Motörhead“-Ära genauso wie die aktuellen Rocker des infernalischen Trios.

„Motörblast“ zeigte eine fulminante Show. Das fing schon beim Outfit an. Orientiert wurde sich an den Originalen seit 1995, also Lemmy Kilmister (Bass/Gesang), Phil Campbell (Gitarre) und Mikkey Dee (Schlagzeug). Und war schon bei den Originalen unzweifelhaft der heuer verstorbene Lemmy Kilmister die Lichtgestalt im Trio, so war das auch bei den „Klonen“ natürlich nicht anders. Der unter dem Pseudonym „Dr. Ape“ auftretende Frontmann sah Lemmy wirklich zum Verwechseln ähnlich. Zwar wurde mit künstlichen Fibromen auf der linken Wange und Perücke nachgeholfen, doch dem Ziel geschuldet, eine perfekte „Motörhead“-Show zu zeigen, war das völlig legitim und gehörte deshalb einfach dazu. Das nahm auch niemand krumm, lieferten die Drei – mit „Mr. René“ an der Leadgitarre und „Dr. Overkill“ an den Drums – doch auch musikalisch richtig gut ab.

Mindestens genauso bekannt in der Szene ist „667 – The Neighbour of the Beast“ aus Fulda, die nicht umsonst als beste „Iron Maiden“-Tribute-Band bezeichnet wird. Klassiker wie „Running Time“, „The Wickermann“, „The trooper“ oder „Sancutary“ gehörten zum Bühnenprogramm. Und es wurde schnell klar: Diese Combo hatte „Iron Maiden“ nicht nur gehört, sondern regelrecht studiert. Es stimmte einfach alles, die Kleidung übers Stage-Acting bis hin zur Mimik verkörperten sie ihre Idole. Klar, dass der obligatorische Auftritt des „Iron Maiden“-Maskottchens „Eddie“ bei „The number of the beast“ nicht fehlen durfte, das Sänger Daniel dann auch an die Gurgel ging.

Über die „Böhsen Onkelz“ und deren in der Öffentlichkeit oftmals vorgeworfenen neonazistischen Tendenzen  wurde in den letzten Jahrzehnten viel diskutiert. Die Coverband „Stainless Steel“ distanziert sich davon mit dem klaren Statement „Wir sind gegen Rassismus, Intoleranz, rechte und linke Gewalt“. Das ist gut so und war politischer Diskussion genug, denn „Stainless Steel“ präsentierte in Weiden den geradlinigen, harten, dreckigen, aber auch sehr vielseitigen Deutsch-Rock der „Onkelz“. Was in erster Linie daran lag, dass Sänger Christian Herbig stimmlich dem Original Kevin Russell in überhaupt Nichts nachstand. Besonders deutlich wurde diese bei den Songs „Ich bin in Dir“ oder „Nur die Besten sterben jung“. Dass sich „Stainless Steel“-Bassspieler „Fuzzy“ am ohnehin schon angeschlagenen Knie verletzte und die Band kurzzeitig improvisieren musste, tat der Stimmung der vielen Pogo tanzenden Fans keinen Abbruch.

Erneut unvergesslich war dann der „COR“-Höhepunkt mit „AC/DX.“: Massimo „Bon Johnson“, Ronny „Williams“, Micha „Mc Malcolm“, Volki „Mc Angus” und Dida „La Phil“ hatten eine aufgepimpte Show, ein neues Setup und eine ordentlich durchgewürfelte Setlist im Gepäck.  Klar, dass die „AC/DC“-Reißer „Back in black“, „Hells bells“, „TNT“, „Thunderstruck“ und „Whole lotta Rosie“ – bei letzterem schwang eine überlebensgroße Rosie nicht nur ihre prallen Hüften – nicht fehlen durften. Alles war natürlich garniert mit einer Show, die selbst das australische Original nicht besser präsentiert. Denn wo sonst, als bei der Tribute-Band „AC/DX.“ wurden echte Kanonen zu „For those about to rock“ abgefeuert und hämmerte Massimo „Bon Johnson“ mit dem Hammer bei „Hells Bells“ auf eine Glocke ein – Daumen hoch!

Bilder: S. Landgraf