Weiden. Eine „immense Stofffülle“ und dazu noch die Arbeit auf dem heimischen Hof – 20 junge Landwirte haben diese Doppelbelastung über drei Semester hinweg erfolgreich gemeistert. Sie sind als staatlich geprüfte Wirtschafter im Landbau jetzt bestens für zukünftige Herausforderungen gerüstet.
Auf dem Lehrplan stand eine Kombination fachlicher, sozialer und ethischer Inhalte. „Ich halte diese Kombination wichtig für die künftigen Betriebsleiter, besonders in einer Zeit, in der immer weniger Landwirte immer mehr Menschen ernähren“, betonte Dr. Siegfried Kiener. Für ihn war die Verabschiedung des 148. Studierendenjahrgangs der Landwirtschaftsschule Weiden die letzte Schlussfeier, die er als Schulleiter verantwortet. Der Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geht zum ersten Mai in den Ruhestand. Der Umstand, dass ein Landwirt immer mehr Menschen ernähren müsse, gehe mit einem großen Zuwachs an Verantwortung einher, da gleichzeitig die Schonung der natürlichen Ressourcen immer wichtiger werde.
Multifunktionale Nutzungsflächen
„Ökosoziale Landwirtschaft“ war auch der Vortrag von Prof. Dr. Alois Heißenhuber überschrieben. Die Landwirtschaft in Deutschland unterscheide sich durch einen ganz grundlegenden Umstand von der Bewirtschaftungsweise in den USA. Während hierzulande Felder, Wohngebiete und Wanderwege dicht an dicht liegen, die Flächen also multifunktional genutzt würden, gäbe es in den Vereinigten Staaten eine wesentlich klarere Trennung der Landnutzungsformen. Gewohnt werde vor allem in der Stadt, die Felder dienten reinen Produktionszwecken und um Erholung zu finden, fahren die Menschen in einen Nationalpark, der durch eine Schranke vom Umland getrennt ist.
Mindeststandards durch Gesetzgeber
Heißenhuber macht sieben Gebiete aus, deren Belange ein Landwirt in Einklang bringen müsse. Im Gebiet Boden sei auf nationaler Ebene das Ziel gesetzt, den durchschnittlichen Stickstoffüberschuss von 100 Kilogramm pro Hektar bis zum Jahr 2030 auf 70 Kilogramm zu reduzieren. Das schone das Grundwasser und die Atmosphäre. Nachhaltig wirtschaftende Landwirte müssten im Gegenzug zu höheren Kosten eine bessere Honorierung im Rahmen einer neuen europäischen Agrarpolitik erfahren. Preis-Dumping könne nur durch gesetzliche Mindeststandards bei Umwelt-, Klima-, Tier- und Arbeitnehmerschutz verhindert werden.
Ökosoziale Landwirtschaft ist gleichbedeutend mit nachhaltiger Landwirtschaft ist gleichbedeutend mit bäuerlicher Landwirtschaft ist gleichbedeutend mit gesellschaftlich akzeptierter Landwirtschaft,
lautet Heißenhubers Fazit.
Schnuppertag Hauswirtschaft
Von den Absolventen erinnerten Michael Beinrucker und Daniel Eibisch an gemeinsame Betriebsbesichtigungen, ein einwöchiges, persönlichkeitsbildendes Seminar an der Landvolkshochschule Feuerstein oder einen Crashkurs Schnitzelbraten und Wäschewaschen bei einem Hauswirtschaftstag. „Danke dafür, was Sie uns fürs Leben beigebracht haben“, sagte Eibisch an Schulleiter Kiener gerichtet.
Auszeichnungen für Schulbeste
Die besten Absolventen sind Matthias Wittmann aus Runkenreuth (Notendurchschnitt 1,85), Johannes Bartmann aus Hagendorf (1,92) und Florian Adam aus Schönthan (2,00). Neben Urkunde und Abschlusszeugnis duften sie sich über Weiterbildungsstipendien und Warengutscheine freuen. Den Ehrenpreis des Rinderzuchtverbandes Oberpfalz erhielt Thomas Stock aus Konnersreuth, der im Fach Tierische Produktion und Vermarktung mit einer Durchschnittsnote von 1,8 am besten abgeschnitten hatte.
Sie können Ihren Beruf mit Stolz ausüben. Sie sind top ausgebildet,
sagte Landrat Andreas Meier, der neben Alois Schinabeck für die Stadt Weiden und BBV Kreisobmann Josef Fütterer den Absolventen gratulierte. Die Musikschule Neustadt unter Leitung von Karl Wildenauer sorgte für den festlichen Rahmen.

