Der Verlust eines lieben Menschen ist für sich alleine schon schwer belastend. Wohin mit meinem Schmerz, wohin mit meiner Liebe? Was mache ich mit der Leere und der plötzlichen Einsamkeit? Kommen noch Zweifel und Schuldgefühle hinzu, wird die Last schier unerträglich.
Habe ich selbst dazu beigetragen, ihn oder sie am Ende selbst infiziert? Bin ich durch mein Verhalten mitverantwortlich für den Tod des geliebten Menschen? Ich habe Schuldgefühle, weil ich meine Lieben im Krankenhaus oder Altersheim alleine lassen musste. Wie kann man damit fertig werden, wie damit leben?
Unmenschliche Bedingungen und einfühlsames Personal
Darum ging es im Haus der Diakonie in Weiden. Die Selbsthilfekontaktstelle (SEKO) hatte trauernde Angehörige zu einem moderierten Themen-Abend „Schuld“ eingeladen. Erika Kleber, Altenpflegerin, Geronto- und Palliativfachkraft, sowie Stationsleitung im Eleonore Sindersberger Altenheim, ging einfühlsam auf Fragen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen ein. Im weiteren Verlauf zeigte sie auch verschiedene Aspekte von „Schuld“ auf. Wie kommt es dazu, dass wir uns schuldig fühlen und wie kann man sich davon befreien?
Es ist schwer vorstellbar, dass dieses Leid noch gesteigert werden kann. Aber fast alle Anwesenden erzählten von unmenschlichen Bedingungen und Verhalten in Pflegeheimen oder Kliniken. Die negativen Erfahrungen überwogen deutlich! Allerdings ist auch von Seniorenheimen berichtet worden, die eine Begleitung des Angehörigen ermöglichten.
Erzählungen von einfühlsamen Personal und verständnisvollen Ärzten wechselten sich ab mit Berichten über ein völlig gefühlloses und ignorantes Verhalten. Eine Teilnehmerin erwog sogar, die betreffende Klinik zu verklagen. Dem allem noch nicht genug, kamen noch abwertende oder verharmlosende Kommentare aus dem Freundeskreis oder von Nachbarn hinzu.
Sich von Schuld befreien
Trauerbewältigung ist eine Befreiung. Sich und andere von „Schuld“ freisprechen zu können, ist gleichfalls befreiend. Das gemeinsame Gespräch ist an diesem Abend von allen als sehr wertvoll und hilfreich empfunden worden. Und es sind starke Menschen, die sich dieser Trauer stellen und nicht an ihr zerbrechen wollen. Die einen Weg suchen, sich von Schuld und Leid zu befreien und wieder Freude erleben möchten. Auch, wenn es anfangs schwer ist.
Ende Juli startete ein Selbsthilfe-Projekt für Angehörige von Menschen, die mit oder an Corona verstorben sind. Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm gab den Startschuss in Weiden, um bayernweit die Gründung eines Netzwerks von Selbsthilfegruppen zu fördern. Im August fanden sich erste Angehörige in Weiden zur Gruppe „Corona-Hinterbliebene“ zusammen.
Kontakt zur Gruppe „Corona-Hinterbliebene“ erhält man über Christine Eglmeier unter der Telefonnummer 0151 / 728 35 458 oder per E-Mail unter c-eglmeier@gmx.de.
Bei der Selbsthilfekontaktstelle besteht zudem die Möglichkeit, zu über 100 Selbsthilfegruppen der nördlichen Oberpfalz zu den unterschiedlichsten Themen Informationen und Ansprechpartner zu erhalten:
Brigitte Lindner und Jürgen Huhn stehen per Mail seko.nopf@diakonie-weiden.de oder telefonisch unter der Nummer 0961 / 389 31 63 zur Seite.

