Am Wochenende herrschte Ausnahmezustand in Grafenwöhr: Nach drei Jahren Pause fand erstmals das Deutsch-Amerikanische-Volksfest wieder statt. Das Besondere daran war, dass es mitten im Truppenübungsplatz stattfand. Shuttle-Busse brachten die Besucher vom Stadtgebiet mitten in das sonst nicht zugängliche Lager und wieder zurück.
Dort erwartete die Besucher dann ein bayerisches Volksfest mit einem amerikanischen Touch: US-Bier trifft Festbier, Hip-Hop auf Blasmusik und Grillhähnchen trifft amerikanisches Barbecue. Ein ganzes Wochenende stand so unter dem Motto der deutsch-amerikanischen Freundschaft.
Erst einmal neu orientieren
Dabei mussten sich die Besucher erst einmal umstellen und neu orientieren: Der sonstige Standort, das Camp Kasserine, ist mit den Zelten der ukrainischen Soldaten belegt, die für die Verteidigung ihrer Heimat ausgebildet werden. Unweit östlich davon wurden die Motorparks 22 und 23 umfunktioniert und dienten als Festgelände, am Motorpark 20 war die Waffenschau mit deutschen und amerikanischen Panzern, Helikoptern und Artillerie.
Dadurch war das Areal in der Mitte durch einen Verbindungsweg mit Zäunen getrennt, an den beiden Zugängen konnte es eng werden und staute sich. Anstelle der asphaltierten Gassen vom Kasserine waren hier zwei große Schotterplätze. Anstelle der vielen kleinen Zelte mit Essensangeboten und Sitzmöglichkeiten gab es zwei große zentrale und überdachte Sammelstellen, wo das typisch amerikanische Essen bestellt werden konnte, dementsprechend gab es lange Schlangen. An den beiden Hauptlocations, dem großen Festzelt und dem MWR-Zelt, gab es ein buntes Programm. Mit „Hoobastank“ hatte sich sogar eine international bekannte Gruppe angekündigt.
„Die Menschen haben auf das Volksfest gewartet“
Helmut Wächter ist Präsident des Deutsch-Amerikanischen-Gemeinsamen-Ausschusses (DAGA) und gemeinsam mit der US Garrison Bavaria für die Organisation verantwortlich: „Ich bin froh und stolz, dass unser Lagervolksfest wieder stattfinden kann. Oberst Kevin Poole und Brigadegeneral Joseph Hilbert haben Wort gehalten und einen geeigneten Platz gefunden.“ Er räumt ein, der neue Platz sei weitläufiger und etwas abgetrennt, aber das tue der Stimmung keinen Abbruch, dafür sorgten auch die über 100 Aussteller und Fahrgeschäfte.
Weitläufiges Gelände hat Vorteile
Christian Richter aus Hütten ist Angestellter der US-Armee und kann dies ohne große Worte bestätigen: „Endlich wieder Volksfest“, freut er sich. Franziska Reiter aus Grafenwöhr war anfangs etwas skeptisch. Sie vermisst das Schlendern durch die Gassen und die vielen kleinen Zelte, wie sie es vom ehemaligen Platz gewohnt war. Aber dennoch freut sie sich, dass trotz der Weitläufigkeit des neuen Platzes so viel los war.
Timo Schön ist selbst Aussteller für Militär- und Sicherheitsbedarf. Die größere Fläche findet er sogar deeskalierend, denn das Drängen und Schieben durch die sonstigen Gassen fällt weg. „Festes Schuhwerk braucht man aber schon“, erklärt er, vor allem wegen der Schottersteine. Trotz der vielen Änderungen findet er, der Festcharakter ist geblieben und sei gut für die deutsch-amerikanische Freundschaft.
Beliebtheit ungebrochen
Franz Zeilmann, Pressesprecher der Garrison Bavaria, hält eine Einschätzung der Besucherzahlen für schwierig: „Aber wir liegen auf keinen Fall unter den Vor-Corona-Jahren.“ Da waren es bis zu 100.000 Besucher über das Wochenende. Aus Sicht der US-Armee hatte die Zusammenarbeit mit den Deutschen super funktioniert. Den DAGA lobte er für die Organisation der Shuttle-Busse, die sehr gut angenommen wurden. Überlegungen bezüglich des Standortes für das kommende Jahr gebe es noch keine – Änderungen am Aufbau wären aber möglich, erklärt Zeilmann.
Auch Polizeiinspektionsleiter Werner Stopfer zieht trotz des großen Andrangs eine positive Bilanz. Seiner Ansicht nach waren in diesem Jahr mehr Gäste als sonst auf dem Fest, dennoch hätten Polizei, Militärpolizei und Rotes Kreuz weniger Einsätze als üblich gehabt. Er führt dies auch auf die eher kühlen Temperaturen zurück. Er glaubt, dass Camp Kasserine am Samstag dem Ansturm nicht hätte Stand halten können. Der Auto-Parkplatz war etwas entfernt vom Gelände und diese wurden dann mit einem Shuttlebus chauffiert. „Der Umstand, dass alle diesmal mit Shuttlebussen anreisten, war nochmal eine größere Herausforderung.“
Auch der Innenminister besuchte schon Volksfest
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann war für den Spatenstich des „Operational Readiness Training Complex“ angereist. Eigentlich hätte er im Anschluss das Deutsch-Amerikanische Volksfest eröffnen sollen, musste dies aber wegen der Beerdigung von Wolfgang Dandorfer in Amberg absagen. Doch auch in München ist das Fest ein Begriff: „Ich war schon früher hier, das war noch vor meiner Ministerzeit.“ Für ihn ist es wichtig, dass nach Corona wieder was los ist und die deutsch-amerikanische Gemeinschaft so gestärkt wird.


Das ist absolut nichts, wenn ich da an unser GAV in Berlin denke. Na gut.... 3 Tage sind aber auch nicht dolle.