Im November feierte das Kultur- und Militärmuseum seinen 90. Geburtstag, tonnenschwere Geburtstagspräsente übergaben nun die Bundeswehr und die US-Armee. Eine Bunkerkleinstglocke zur Infanteriebeobachtung, ein Eckteil vom Eingang eines gesprengten Schartenturms und ein Betonfragment weisen künftig im Museumshof auf das Kapitel der Westwall-Testbunkeranlagen hin.
1938/39 wurde das „Festungskampffeld Grafenwöhr“ gebaut
Sperranlagen, Stahlkuppeln, Bunkerruinen aus meterdickem Beton, beschwert mit Unmengen von Eisen, säumen Geländeabschnitte auf dem Übungsplatz. Sie sind Zeugen jener unseligen Zeit, als im Dritten Reich die Bunkertypen des Westwalls im „Festungskampffeld Grafenwöhr“ gebaut wurden.
Während der original Westwall an der Grenze zu Frankreich mit seinen mehr als 22.000 Bunkern und Sperranlagen entstand, wurde 1938/39 auf dem Übungsplatz eine verkleinerte Ausgabe mit maßstabsgerechten Bunkertypen gebaut. Eine groß angesetzte Bunkerübung wurde wegen des Überfalles Hitlers auf Polen abgesagt. Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurden die Anlagen mit Unmengen von Sprengstoff zerstört, jedoch sind heute noch gut erhaltene Bunkerruinen vorhanden.
Studien- und Recherchearbeit zu den Westwall-Testbunkern
Der Freiburger Student Maximilian Wawrzinek schrieb seine Bachelorarbeit zum Grafenwöhrer Westwall und unterbreitete seine Erkenntnisse im April diesen Jahres in einem Vortrag dem Heimatverein und interessierten Zuhörern. Zusammen mit dem Stabsfeldwebel der Reserve Gerald Morgenstern, unterstützt durch die Bundeswehr und den Bundesforst, führte Maximilian Wawrzinek weitere Erkundungen durch.
Bei der Recherche tauchte eine bereits vor Jahren aus einem Nachrichtenstand ausgebaute Bunkerkleinstglocke auf. Die über fünf Tonnen schwere Stahlkuppel mit der Bezeichnung 90P9 wurde in den Eisenhütten des Ruhrgebiets tausendfach gegossen und in die verschiedensten Bunker zur Infanteriebeobachtung eingebaut.
Die Glocke hat eine Wandstärke von 120 Millimeter und verfügt über Sehschlitze, die mit Stahlplatten verschlossen werden konnten. Eine Wandstärke von 250 Millimetern weist das Eckteil vom Eingang eines eisernen Schartenturms auf. Der Stahlturm mit einem Durchmesser von circa zwei Metern wurde bei der Sprengung 1945 total zerstört, sodass das rund eine Tonne schwere Teil kilometerweit durch die Luft wirbelte.
US-Armee und Bundeswehr helfen
Der Kommandeur der US-Armee Garnison Bavaria, Oberst Kevin Poole, erklärte sich nach Absprache mit dem 7. US-Armee-Ausbildungskommando spontan bereit, die Exponate für das Museum zur Verfügung zu stellen. Mit großem Einsatz bereiteten die Arbeiter des Range-Instandsetzungs-Trupps der US-Garnison die Exponate für den Transport vor.
Oberstleutnant Florian Rommel von der Truppenübungsplatzkommandantur der Bundeswehr organisierte über den Logistikbataillon 472 in Kümmersbruck das Verladen der Stahlteile. Die Soldaten der ersten Kompanie des Bataillons leisteten dabei Präzisionsarbeit. Sie hievten mit dem vierachsigen Kranfahrzeug die fünf Tonnen schwere Bunkerglocke und die weiteren Teile über die Museumsmauer in den Hof. Stadtbaumeister Hans Rettinger hatte am Militärteil die Fläche vorbereiten lassen. Bauhofleiter Alexander Waschkewitz brachte mit dem Lader die „Kleinteile“ in die richtige Lage.
Heimatverein mit der Geschichte des Übungsplatzes verbunden
Heimatvereinsvorsitzende Angela Biersack und Kulturmanagerin Birgit Plössner freuten sich über das bislang schwerste Exponat für das Museum. Sie richteten einen Dank an Oberst Poole, Organisator Gerald Morgenstern und die Helfer von Bundeswehr und US-Army. Bei einer Dankeschön-Brotzeit in der Zoiglstube wurden die Details zu den Bunkeranlagen erläutert. Mit Texten und Bildern sollen künftig auch die Bunkerglocke und Ausstellungsteile im Museumshof erklärt und das Kapitel der Westwall-Testbunker auf dem Übungsplatz erläutert werden.
Zum Heimatverein haben die gesprengten Westwall-Testbunker auf dem Übungsplatz eine weitere Verbindung. Als junger Mann arbeitete der mittlerweile verstorbene Maurermeister Georg Brunner aus Grafenwöhr im Reichsarbeitsdienst 1938 und 1939 beim Bau der Bunkeranlagen mit. Brunner engagierte sich jahrzehntelang im Heimatverein und beim Aufbau des Museums. Schon damals berichtete er über den Bau der Bunker, er wurde aufgrund seiner Verdienste im Heimatverein zum Ehrenmitglied ernannt.

