Bruno Jonas war von Anfang an auf Tuchfühlung mit dem Publikum, das sich während seines Programms mit einer (nicht ernst gemeinten) Verhaltensstudie konfrontiert sah. Der gebürtige Niederbayer zelebrierte politisches Kabarett mit Biss, Witz und Ironie sowie einer Portion Sarkasmus. Ob Märchenonkel Habeck, Erlöser Anton Hofreiter, der mit Erinnerungslücken behaftete Bundeskanzler „Wumss“ Scholz oder die feministische Außenpolitik von Anna-Lena Baerbock, die schon mal feste Zusagen erteilt, egal was ihre Wähler dazu denken, bekamen gehörig ihr Fett weg.

Einen guten Ratschlag gab es auch für die Klimakleber, die ihre Aktionen auf den Platz des himmlischen Friedens in China ausweiten sollten. Jonas durchleuchtete eindeutig-zweideutig-aktuelle politische Geschehnisse, erklärte, wieso bald die Bezeichnung Frau von der Bildfläche verschwindet und sich die neue Anrede „Liebe Körper“ durchsetzen wird.

Advertorial ohne Button, ohne Markierung, ohne Background
Neues Advertorial Neues Advertorial Neues Advertorial Neues Advertorial Neues Advertorial

Seine Seitenhiebe sind stets untermalt mit einem verschmitzten Lächeln, eindrucksvoller Mimik und Gestik sowie gestützt auf Fakten und Recherche. Urkomisch die Schilderung mit der sächselnden Frau Löwenzahn von der Hotline seines Telefonanbieters und die Analyse über g’scheite und depperte Deppen. „Kabarettist ist man, wenn man trotzdem denkt“. Getreu nach diesem Motto beendete Bruno Jonas mit einem Lied in Johny-Cash-Manier „Wir sind die Guten“ eine gelungene unterhaltsame Veranstaltung. Unser Fan-Star Reporter Peter Gattaut aus Neustadt WN hat mit seinen Kollegen und Kabarettkenner Rainer Labitzke vor Ort für unsere Zeitung mit Bruno Jonas ein interessantes Interview geführt.

#1 beispiel full

Werdegang

Bruno Jonas: Nach eigenen Worten wuchs der 71-jährige Bruno Jonas in Passau „zweisprachig“ auf, da beide, sein Vater als ostpreußischer Vertriebener wie auch seine niederbayerische Mutter die Umgangssprache im Elternhaus prägten, was seine Mitschüler öfters zu dem Ausspruch „Jetzt preisselt er wieder“ veranlasste. Er besuchte das Passauer Adalbert-Stifter-Gymnasium und studierte nach seinem Zivildienst Germanistik, Politologie und Philosophie sowie später Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

1972 hatte mit den „Bavarian City Preachers“ sein Bühnendebüt als Sänger und Gitarrist. Seine Anfänge als Kabarettist startete Jonas 1975 zusammen mit Sigi Zimmerschied und Rudi Klaffenböck mit der Kabarettgruppe „Die Verhonepeapler“. Sein erstes Soloprogramm „Zur Klage der Nation“ wurde ab 1979 im Münchner Hinterhoftheater aufgeführt. Von 1981 bis 1984 gehörte er als Autor und Akteur dem Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft an.

Größere Bekanntheit

Größere Bekanntheit erlangte er ab Mitte der 1980er Jahre durch regelmäßige Auftritte in der TV Sendung „Scheibenwischer“. In Franz Xaver Bogners Kultserie „Irgendwie und Sowieso“ spielte er 1986 die Rolle des Postboten Tango. Erstmals selbst Regie führte Jonas 1989 bei dem Fernsehfilm „Ein Prachtexemplar“, für den er zusammen mit Jürgen Breest das Drehbuch verfasste. Ab dem Jahr 2000 war er ständiger Partner von Dieter Hildebrandt im Scheibenwischer. Bei der Starkbierprobe 2004 auf dem Münchner Nockherberg las Jonas beim traditionellen Politiker-Derblecken als Bruder Barnabas der versammelten CSU-Staatsregierung unter Edmund Stoiber und anderen geladenen Gästen die Leviten.

Am 19. Januar 2007 verkündete er nach drei Jahren seinen Abschied als Starkbierredner. Von 2011 bis 2014 war Jonas neben Monika Gruber und Rick Kavanian Mitglied des Teams von „Die Klugscheißer“, einer monatlichen Satireshow im Bayerischen Fernsehen. Seitdem ist Bruno Jonas immer ein gern gesehener Dauergast im Fernsehen und Radio. Sein aktuelles Programm „Meine Rede“ ist bereits seine 12. Bühnenperformance.

Interview mit Bruno Jonas

Gattaut: Lieber Herr Jonas, Sie kennen die Kabarettbühnen in Deutschland seit Jahrzehnten in- und auswendig, war es jemals einfacher als heute Kabarett zu zelebrieren, weil unsere Politiker mehr Stoff als ihnen lieb ist liefern?

Bruno Jonas: Das Angebot war damals, und ist auch zur jetzigen Zeit sehr reichlich. Es stellt sich immer die Frage, aus welchen Blickwinkel man das Ganze betrachtet. Man kann nicht alles nach und nach abarbeiten, dafür würde ein Kabarett-Abend natürlich nicht ausreichen. Ich treffe, bei allen meiner Programme, eine Vorauswahl, die nach politischen Geschehnissen, ständig aktualisiert wird.

Gattaut: Wie oft mussten Sie Ihr aktuelles Kabarettprogramm „Meine Rede“, das schon 2020 aus Ihrer Feder entstanden ist, durch Corona bedingte Verschiebungen neu überarbeiten, um Aktualität zu bewahren und wie genervt waren Sie davon?

Bruno Jonas: Genervt war ich nur von den zahlreichen Verschiebungen der Auftritte, dass ich mein Programm regelmäßig auf den neuesten Stand bringe gehört schließlich zu meinem Beruf.

Gattaut: Als Bruder Barnabas haben Sie am Nockherberg damalige aktuelle Politiker wie Edmund Stoiber oder Christian Ude öffentlich derbleckt. Gab es da auch öfters mal ein privates Feedback oder Kritik von deren Seite an Sie persönlich?

Bruno Jonas: Nein, kein einziges Mal. Es gab immer genug Lob vor laufender Kamera, aber das ist natürlich immer mit Vorsicht zu genießen. Die Politiker wollen ja „derbleckt“ werden. Wen man in der Rede gar nicht vorkommt, kann das ja den Eindruck der Unwichtigkeit vermitteln. Mir persönlich hat die Rolle des Barnabas sehr viel Spaß gemacht. Es macht schon einen Unterschied, jemand auf den Arm zu nehmen, der im Saal anwesend ist.

Gattaut: 2021 haben Sie die Münchner Lach und Schießgesellschaft (mittlerweile insolvent) übernommen. Was war der Beweggrund dazu? Spielte dabei auch das Andenken an ihren Weggefährten Dieter Hildebrand eine große Rolle?

Bruno Jonas: Ich habe die Münchner Lach und Schießgesellschaft nie übernommen, ich bin lediglich als Teilgesellschafter eingestiegen. Diese Unwahrheit hat sich zu meinem Unmut im Internet stark verbreitet. Ich gehörte Anfang der Achtzigerjahre mit meinem Freund Dieter Hildebrand (verstorben 2013) zum Ensemble und daher ist mir dieses Theater in Schwabing besonders ans Herz gewachsen. Die Insolvenz hat einzig und allein der damalig verantwortliche Geschäftsführer Stefan Hanitzsch zu verantworten.

Gattaut: Die Corona-Pandemie, der Russland Überfall in der Ukraine, die Energie und Klimakrise, eine hohe Inflation und vieles mehr hat unsere Welt sehr negativ verändert. Wünschen Sie sich auch oft die gute alte Zeit zurück?

Bruno Jonas: Wenn ich nur wüsste, wann die gute alte Zeit war. Meine Oma zum Beispiel hat zwei Weltkriege miterlebt und mein Onkel ist im Krieg gefallen. Ich glaube, es gibt keinen Grund in Nostalgie zu verfallen, schlechte Zeiten gab es schon immer. Als Kabarettist bin ich aufgefordert, das Jetzt und Hier zu beleuchten.

Gattaut: Welchen Ratschlag oder Lebensphilosophie würden Sie Ihren Fans und unseren Lesern gerne mit auf den Weg geben?

Bruno Jonas: „Es ist wie es ist“, „Keep Cool“ oder „Mann muss die Dinge nehmen, wie sie sind“ würde mir da spontan einfallen. Es gibt da aber auch ein Zitat von Reinhold Niebuhr, das mir sehr gut gefällt. „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“.