„Hier haben Leute mit gespaltenen Herzen nichts zu suchen. Ich fordere deshalb diese Personen auf, die Veranstaltung friedlich zu verlassen.” Organisatorin Karin Fichtner erteilte am Karsamstag AfD-Anhängern, die sie unter den Teilnehmern des Ostermarsches vermutete, Hausverbot.

Die Marschroute war kurzerhand geändert worden. Die Abschlusskundgebung erfolgte nicht, wie ursprünglich geplant, am Oberen Markt, sondern vor dem Neuen Rathaus. Begründung: Die Stadt Weiden hatte bei Antragstellung im März nicht bedacht, dass samstags in der Fußgängerzone der Wochenmarkt stattfinde. Anstatt der Ostermarschierer demonstrierten zeitgleich einige AfD-Mitglieder vor dem Alten Rathaus mit Sandwich-Plakaten gegen eine deutsche Kriegsbeteiligung.

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Solidarität mit Geflüchteten

Die Trommler der Gruppe „Ritmo Vulcanico“ schlugen den Takt vor, als der Demonstrationszug in Begleitung eines großen Polizeiaufgebots durch die Max-Reger-Straße am NOC vorbei zum Neuen Rathaus marschierte. Dort bekundete Veit Wagner von „Weiden ist bunt“ die Solidarität mit den Flüchtlingen aus der Ukraine.

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„Wir möchten den zu uns Geflohenen beistehen und ihnen unsere Hilfe anbieten. Wir haben Hochachtung vor denen, die in Russland den Mut haben, offen ihre Meinung zu sagen zu Putins militärischer Sonderaktion.“ Die aktuelle Lage habe die ursprünglich von den Initiatoren geplante Ausrichtung dieses Ostermarsches überrollt, erklärte Wagner. „Wir planten eine Kundgebung mit Stichworten, wie Abrüstung, Frieden schaffen ohne Waffen, Aufbau einer gerechten Welt, Gespräche und Diplomatie, statt Aggression und Angriff.“

Parolen, die Putin auf den Kopf gestellt habe, was Wagner zu der Überzeugung brachte, dass dieser Ostermarsch 2022 wohl doch nur eine hilflose Geste sei und Pazifismus ein ferner Traum. „Natürlich denken wir hierbei auch an all die anderen Flüchtlinge, an all die anderen Kriege, an die Klimakatastrophe, an die Bekämpfung der Armut weltweit.“ Es wurde ein Brief an die Russische Botschaft in Berlin verlesen. Die Demonstranten waren aufgerufen, den Brief zu teilen und individuell weiterzuleiten.

Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser sind Kriegsverbrechen

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler sprach für Amnesty International. „Wir sind uns in der Solidarität mit der Zivilbevölkerung in der Ukraine einig“, sagte er. Angriffe auf schützende Objekte, wie Krankenhäuser und Schulen, der Einsatz von Explosivwaffen, ballistischer Raketen und Artilleriegeschosse auf zivile Gebiete und der Einsatz verbotener, unterschiedslos wirkender Waffen, wie Streubomben seien als Kriegsverbrechen anzuklagen.

Den momentanen Ruf nach Aufrüstung sehe er skeptisch. Einerseits drehe sich die Spirale der Gewalt durch die Vermehrung von Waffen immer weiter und bringe dadurch noch mehr Zerstörung und Leid. Aufrüstung schade dem Klima, der sozialen Gerechtigkeit und der Bildung und rufe die Ängste des Kalten Krieges zurück. Andererseits sei die Ukraine aber massiv angegriffen worden und jeder Staat habe das gute Recht sich zu verteidigen.

„Auf wessen Seite schlage ich mich?“

Ruhestandspfarrer Pauckstadt-Künkler gab den Anwesenden folgende Denkaufgabe mit auf den Weg: „Gestern war Karfreitag, wo wir uns an die unschuldige Hinrichtung Jesu erinnerten. Ich denke an Pilatus, der seine Hände in Unschuld wäscht, weil er sich nicht einmischen will. Ich denke an Petrus, der Jesus verrät. An die johlende Menge, die aufgestachelt von der eigenen Propaganda „Kreuzigt ihn“ skandiert. An Petrus, der sein Schwert zieht, um Jesus zu verteidigen und von ihm gehindert wird, Gewalt anzuwenden. Wo stehe ich in diesem Prozess? Auf wessen Seite schlage ich mich? Entscheidet selbst, wo ihr steht und bleibt kritisch!“