In der Friedenskirche in Grafenwöhr haben katholische und evangelische Christen in den Pfarr- und Kirchengemeinden am Wochenende das Pfingstfest gefeiert.
„Pfingsten ist der Tag der Hoffnung und der Geburtstag der Kirche, auch wenn ein unsichtbares Virus unser Leben durcheinanderwirbelt“, betonte Pfarrer Bernhard Müller beim ökumenischen Pfingstgottesdienst. Dazu begrüßte er Dekan Thomas Guba.
Luft als Notwendigkeit
Was bedeutet der Spruch: „Da ist noch Luft nach oben“ eigentlich? Diesem ging Dekan Guba nach. „Ist das ein kleines Senfkorn Hoffnung oder eher die Aufforderung, etwas besser zu machen? Wie ist es mit der Hoffnung, mit den Möglichkeiten, die wir haben, mit der Luft nach oben?“, fragte er.
Die Luft sei dünn geworden, wenn man an George Floyd denkt, der fast genau vor einem Jahr nach Luft rang, als ihm ein Polizist die Luft abdrückte und er starb. Auch den Menschen in Indien geht die Luft aus und immer mehr Covid-19-Patienten ersticken. Es gibt die Sorge, dass auch dieser Weltkugel so langsam die Luft ausgehen wird, wenn wir so weitermachen, wie bisher.
„Verrückt an den eigenen Luftgespinsten“
Inmitten der Atemnot der Erde und ihrer Bewohner gibt es das Doppelfest: Himmelfahrt und Pfingsten. Doch was steckt darin?
„Viel Luft und Bewegung, aber nichts Greifbares. Die Menschen können nach oben schauen, weg von der Erdenschwere hinein in den offenen Himmel. Wenn wir unser Herz zu Gott erheben, beginnt das Herz wieder, neu zu atmen. Damit könne man weitergehen und Wege finden, die bisher noch gar nicht sichtbar waren. Die Luft beziehungsweise die Hoffnung brauchen wir.“, so der Prediger.
„Ein Hirn ohne genügend Sauerstoff verquert sich schnell, lässt atemlos auf die Straße rennen und halluziniert Verschwörung überall – Man wird verrückt an den eigenen Luftgespinsten“, fuhren sie fort.
„Wo ist eigentlich der „liebe Gott“?“
Auch in der Kirche gebe es Atemlosigkeit. „Was würden wir nicht gerne mehr und besser machen und dem nachkommen, was unser Auftrag ist. Doch wir erleben schmerzhaft, wie begrenzt die Möglichkeiten sind und wie schnell die Luft auszugehen droht. Wo ist eigentlich der „liebe Gott“? Diejenigen, die nie an die frische Luft wollen, aus Angst vor Erkältung, Ansteckung oder Begegnung bezeichnen ihn als „heiße Luft“ oder „Luftschloss der frommen Phantasie“.
Aber in festen Burgen der eigenen Meinung wird man nichts von Pfingsten und vom Geist Gottes spüren.
„Luft anhalten und dann durchatmen“
„Der Mensch lebt am besten von Luft und Liebe. Das ist der lange Atem Gottes, den wir Erdlinge brauchen. Das ist das Senfkorn Hoffnung, auf das wir setzen. Es ist kein großes Ding. Es ist ein kleiner Samen, der Großes bewirken kann“.
Davon ist Dekan Guba überzeugt. Es ist noch Luft nach oben, es ist noch Hoffnung da. Der Tipp Gubas: „Einfach mal die Luft anhalten und dann durchatmen.“
Kein Schaden ohne Nutzen
Auch der Arbeitskreis „Ökumene“ machte sich Gedanken zum „Kleinen Senfkorn Hoffnung“. Als das Virus sich ausbreitete, entstanden schon die ersten Ideen zur Nachbarschaftshilfe. Tränen können Zeichen der Hoffnung sein, wenn damit Verhärtungen aufgeweicht werden und Bewegung entsteht. Hoffnungsfunken sollten zu Feuer werden, das Leben spendet, wärmt und erleuchtet.
Rettung und Dank
Gemeindereferentin Christine Gößl und Judith Rau stellten heraus, dass Feste gefeiert werden sollen, wie sie fallen. Gerade, wenn alles dagegenspricht. Manchmal ist das, die Rettung. Jeder Tag ist ein Geschenk Gottes.
Nach den Fürbitten und dem Segensgebet der beiden Pfarrer bedankte sich Pfarrer Müller beim Organisten Walter Thurn und der kleinen Gesangsgruppe, die unter anderen „Kleines Senfkorn Hoffnung und „Atme in uns heiliger Geist“ interpretierten.

