Tirschenreuth. Für die Waldbesitzer ist der Klimawandel bittere Realität. Die dramatische Situation ist auch für den Laien klar erkennbar. Vor allem Stürme und Käferbefall machen den Forstwirten zu schaffen. Was tun? 

Von Gabi Eichl

Werbung
Advertorial normal
Neues Advertorial Neues Advertorial Neues Advertorial Neues Advertorial Neues Advertorial

Etwas mehr als 61.000 Festmeter hat die aktuell 1.360 Mitglieder zählende Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) im vergangenen Jahr vermarktet. Und sie hatte dabei mit historisch niedrigen Preisen für Fichten- und Kieferstammholz von weniger als 40 Euro pro Festmeter zu kämpfen.

#1 beispiel in-article

Ein Umstand der laut FBG-Geschäftsführer Wolfgang Beer einem von Käfer- und Windwurfholz überschwemmten Markt geschuldet ist. Zu Beginn des dritten Quartals habe man nur noch Schadholz aufgearbeitet und kein Frischholz mehr eingeschlagen, so Beer bei der Mitgliederversammlung.

Schäden auch für Laien erkennbar

Die Schäden in den Wäldern durch Stürme, Dürre und Schädlingsbefall seien spätestens seit dem vergangenen Sommer auch für den Laien erkennbar. Die „dramatische Situation“ lasse sich nicht wie beim Waldsterben in den 1980-er Jahren durch technische Verbesserungen wie Filteranlagen beheben, die globale Erwärmung, die Beer so auch beim Namen nennt, erfordere Reaktionen auf allen Ebenen der Gesellschaft.

Die Leidtragenden sind vor allem die Waldbesitzer“,

so Beer. Die Preise für Käferholz deckten teilweise nicht einmal mehr die Kosten für die Aufarbeitung und die anschließende Wiederaufforstung.

Welche Baumart hat Zukunft?

Stichwort Wiederaufforstung: Die Waldbesitzer können sich den Worten Beers zufolge derzeit bei keiner Baumart sicher sein, dass es eine Art mit Zukunft ist. „Alle Baumarten sind in den zurückliegenden trockenen Jahren an ihre Grenzen gekommen – nicht nur die Fichte, auch Kiefer, Tanne und Lärche.“

Die Fichte, die auf den knapp 12.700 Hektar der Tirschenreuther FBG-Mitglieder mit mehr als 60 Prozent die vorherrschende Baumart ist, wurde laut Beer vom Borkenkäfer stark heimgesucht, gleichzeitig bremste der fehlende Niederschlag die Bäume enorm in ihrem Wachstum. Der Stammdurchmesser sei Ende des Jahres im Schnitt um 40 Prozent niedriger gewesen als der mehrjährige Mittelwert.

Oberpfälzer Wald „Insel der Seligen“

Dass es längst nicht mehr nur den Nadelbäumen schlecht geht, sondern zunehmend auch den Laubbaumarten, erläutert den Waldbesitzern Dr. Alexandra Wauer von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising, die als zuständige Inventurleiterin die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2019 zusammenfasst.

Der Oberpfälzer Wald stehe zwar vergleichsweise gut da, Wauer spricht sogar von „fast schon einer Insel der Seligen“, sie macht aber dennoch unmissverständlich deutlich, dass die Folgen des Klimawandels immer offensichtlicher seien. Der Zustand der Wälder verschlechtere sich, und zwar quer durch alle Baumarten.

Eiche, Buche, Kiefer – sie alle leiden

Beispiel Eiche: Noch 2016 sei man davon ausgegangen, die Eiche verkrafte Hitze und Trockenheit gut, das habe sich im Sommer 2019 jedoch nicht mehr bewahrheitet. In den Oberpfälzer Wäldern bereite vor allem die Buche Sorgen, die hier als einzige Baumart in schlechterem Zustand sei als der bayerische Durchschnitt.

Bei allen regionalen Unterschieden zeichnet Wauer insgesamt ein düsteres Bild. Der mittlere Nadel- und Blattverlust habe das hohe Niveau von 2004 erreicht; die höchsten Verluste habe die Kiefer zu verzeichnen, gefolgt von den Eichen.

Holzpavillon für Sterzer Rundweg

Die Bedeutung der Waldbewirtschaftung unterstreicht der FBG-Vorsitzende Johann Meister. Wie Studien belegten, speichert Wald, aus dem regelmäßig Holz entnommen werde, zehnmal so viel CO2 wie ein sich selbst überlassener Urwald.

Die FBG, die im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, kümmert sich jedoch nicht nur um die Wälder ihrer Mitglieder. Für den Sterzer Rundweg, ein Teil der Erlebniswelt Waldnaabaue, hat die Betriebsgemeinschaft einen Holzpavillon als Rastplatz für Wanderer und Radfahrer gestiftet.

Fotos: Gabi Eichl