Das Brauchtum aufrechtzuerhalten und zu pflegen, hat sich der Fichtelgebirgsverein (FGV) auf die Fahnen geschrieben. Zum dritten Mal hatte deshalb die größte Ortsgruppe unter die große Linde der Tauritzmühle eingeladen, um die diese alte Tradition lebendig zu erhalten. Auch Petrus meinte es gut mit dieser Traditionsveranstaltung und sorgte für einen lauen Sommerabend.
Mit einem ökumenischen Kinder-Gottesdienst mit den Pfarrern Sven Grillmeier und Hannes Kühn begannen die Feierlichkeiten. Es wurde das Kyrie gesungen, das Vater Unser gebetet und das Feuer gesegnet. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“, zitierte Pfarrer Kühn Johannes 8,12.
Ohne Feuer kein Leben
Mit den Kindern erarbeitet Pfarrer Grillmeier die vielen Seiten des Feuers. Es könne gefährlich sein und Schmerzen verursachen. Was wäre, wenn es überhaupt kein Feuer geben würde, fragte er in die Runde. Dann würde es kein warmes Zimmer, keinen lichtdurchfluteten Raum, immer nur kalte Platte zu essen geben. Es gebe nur rohes Fleisch und Kartoffeln, kein Geräuchertes und keine warme Suppe. Ohne Feuer hätten die Menschen niemals etwas kochen können, so der Geistliche.
Ohne Feuer keine Wärme, kein Licht, kein Essen, und damit kein Leben und kein Überleben. Gott gelte deshalb der Dank für das Geschenk des Feuers, wie man es entfacht und wie man es erhält. Ihm gelte der Dank dafür, dass der Mensch Licht habe, es warm habe und etwas Warmes zu essen habe. Selbst wenn man heute an einer Stelle nur den Schalter umlegen muss, muss an anderer Stelle etwas brennen, damit Energie zur Verfügung steht.
In den Fürbitten beteten die Kinder und Erwachsenen für das Feuer des Glaubens, für brennenden, liebevollen Umgang untereinander und mit der Schöpfung. Im Anschluss durfte jeder Teilnehmer seine Wünsche auf kleinen Zetteln notieren, um diese den Flammen zu übergeben – in der Hoffnung, dass diese auch in Erfüllung gehen mögen.
Feuer hat Geschichte
Nach der Segnung des Feuers hielt Sonja Brückner die traditionelle Feuerrede. Als lebendige Energie kann Feuer Vernichtung oder Segen sein, meinte sie. Sie sei explosiv und unberechenbar, ob bei wütenden Flächenbränden oder verheerenden Blitzen. Die Vorfahren hätten aber auch das Feuer entdeckt und zu nutzen gelernt. Jahrtausendelang hätten sich Menschen ums Feuer versammelt, gekocht, sich Geschichten erzählt und das Leben gefeiert.
Die warmen Flammen repräsentieren so Erneuerung, verbunden mit Leidenschaft, Begeisterung und Gemeinschaft. Im Zusammenhang mit der Landwirtschaft und dem Wetter hätten sich viele Bauernregeln entwickelt, erinnerte Brückner. „Ist es schön an Peter und Paul, füllt’s uns die Taschen und das Maul.“ Entsprechend gab es Frisches vom Bäcker und Metzger. Die Feierlichkeiten endeten schließlich bei hereinbrechender Dunkelheit mit einem langen gemütlichen Zusammensein unter der Linde.

