Familiär, gut organisiert und auch in der Corona-Zeit nicht müßig: Für Albert Nickl, Vizelandrat und Vorsitzender des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, zählt der Pressather Obst- und Gartenbauverein (OGV) zu den Vorbildvereinen im Kreis Neustadt. Auch Bürgermeister Bernhard Stangl gratulierte den Gartlern bei deren Hauptversammlung im Gasthof Heining zu ihrer erfolgreichen Tätigkeit und hoffte auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit, insbesondere bei der Pflege der vorhandenen und neu entstehenden Blumenkästen und -rabatten, Grün- und Gartenanlagen.
Leitungskreis muss nochmal „ran“
„Ihr seid ein sehr wichtiger Verein und eine lebendige Gemeinschaft mit einer gelungenen Aufgabenverteilung“, bescheinigte Bernhard Stangl den Gartenfreunden. Doch auch in einem an sich gut aufgestellten Verein mit rund 260 Mitgliedern fällt es nicht immer leicht, Ämter zu besetzen.
Für Rita Brüderer, die den OGV seit 2014 leitet, hieß dies: Sie musste noch einmal „ran“, zumindest kommissarisch. Bis zur nächsten Hauptversammlung in etwa einem halben Jahr stellte die Versammlung die Vorstandsneuwahlen zurück, sodass der bisherige Leitungskreis einstweilen im Amt bleibt.
Starke Leistung auch in der Pandemie
Die Bilanz für die letzten eindreiviertel Jahre konnte sich trotz der Pandemiebeschränkungen hören lassen: So erinnerte Rita Brüderer für 2021 an die Pflanzung zweier über den Kreisverband bezogener „Klimabäume“ beim neuen Feuerwehrhaus in Dießfurt und die Bestellung und Ausgabe von Blumenerde. Im April 2022 habe man einen Ausflug zur Gärtnerei Steinhilber angeboten. Auch habe der OGV beim diesjährigen Bürgerfest Brezen und Käse verkauft.
„Es steckt viel Potenzial und Herausforderung in unserem Verein und seiner Aufgabe, die Natur und vor allem die heimische Flora zu schützen und das nötige Wissen an Groß und Klein zu vermitteln“, unterstrich die Vorsitzende. So sah es auch stellvertretende Bezirksvorsitzende Rosa Prell, die in ihrem Grußwort außerdem auf die vom Landesverband für Gartenbau und Landespflege angebotene Naturgartenzertifizierung hinwies: „Auch in Pressath haben sich schon einige bestätigen lassen, dass sie ihren Garten naturnah gestalten und bewirtschaften.“
Gartenarbeit als Ausgleich
Die Bedeutung der Gärten für Gesellschaft und Natur würdigte auch Albert Nickl. In der Zeit der Pandemie habe mancher die Natur und seinen Garten als „kleines Fenster zum Paradies“ wiederentdeckt, und es sei zu wünschen, dass dieser Trend kein Strohfeuer bleibe und viele auch den Weg in die Gartenbauvereine fänden: „Gartenfreunde sind ausgeglichenere Menschen, in Gemeinschaft ist es immer schöner als allein, und wo es Gartenbauvereine gibt, sind die Ortsbilder blühender, freundlicher und einladender.“
Außerdem verwies Albert Nickl auf den „Obstbaumpakt“, der als Nachklang des „Bienenvolksbegehrens“ auf die Pflanzung von „zehn Millionen Obstbäumen innerhalb von zehn Jahren“ abziele. „Das ist ein Ziel, das man erreichen kann“, urteilte der Kreisvorsitzende und rief dazu auf, nach Möglichkeit „auf jedem Grundstück einen Obstbaum neu zu pflanzen“.
Obstgärten für die Bürger
Erhalt und Neuanlage von Obstgärten gehören auch zu den Anliegen von Bürgermeister Bernhard Stangl, der an den künftigen städtischen Obstgarten zwischen Bahnhofstraße und Sportplatzsiedlung erinnerte: „Dort soll ein Platz für ‚schöne Augenblicke‘ der Freude an der Natur, der Ruhe oder des Spielens entstehen.“
Einen neuen kleinen Obstgarten mit Ruhebank gebe es ferner unweit des Reiterhofes Schraml. Stadteigene Obstbäume, deren Früchte jedermann pflücken dürfe, würden im kommenden Jahr mit farbigen Bändern versehen.
Rätsel um Rosen
Am Herzen liegt Bürgermeister Bernhard Stangl auch ein durch Blumenpflanzungen „fröhlicheres und bunteres“ Stadtbild: „Hierfür haben wir gerade 2.000 Blumenzwiebeln geliefert bekommen, die wir in den nächsten Wochen ‚verstecken‘ wollen“, verriet er in der Hauptversammlung des Pressather Obst- und Gartenbauvereins.
Zur Verschönung der Stadt trage auch der kleine Rosengarten auf einer städtischen Parzelle an der Bachstraße bei, den Adolf Wittmann vier Jahrzehnte lang gepflegt und den die Stadt nun wieder in ihre Obhut genommen und als Ruheplatz mit Sitzbank neu gestaltet habe.
Ungeklärt sei bisher, um welche Rosenarten es sich handele: „Von einem der Rosenstöcke weiß man nur, dass er zu einer Rosenart gehören soll, die vor 40 Jahren auf der Landesgartenschau prämiert wurde.“ Auch die alten Obstsorten im städtischen Obstgarten seien bislang weitgehend unbekannt. Wer Genaueres wisse, solle sich bei der Stadt melden. Dem Verein wünschte Bernhard Stangl weiterhin Erfolg bei seiner Arbeit, die „ein Lächeln auf viele Gesichter zaubert“.

