Zwischen Kettcar, Kastanien und Kulturbad: Eine Radtour durch südliche Erinnerungen und östliche Erfrischungen. Es ist noch früh. Die Sonne steht tief, wie ein alter Bekannter, der sich leise anschleicht. In den Gärten der Ganghofer-Siedlung riecht es nach frisch gemähtem Gras und Jasmin.

In der dörflichen Idylle zwischen Paul-Heyse- und Maria-Herbst-Straße bin ich einst als Vorschulkind mit meinem Kettcar vorbei an der Wolfgangs-Schule Richtung Oberer Katholischer Friedhof geflohen, weil meine Uroma vergessen hat, mich mitzunehmen. Helle Aufregung bei meinen Großeltern, Suchaktion mit den Nachbarn, a Watsch’n und Hausarrest waren die Folge. Schlimmer: An jenem schwarzen Freitagabend war auch noch „Dick und Doof“ gestrichen. Was für ein Malheur!

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Ganghofer-Siedlung: Wo alles begann

Ein Spatzenkonzert trillert zwischen den alten Siedlungshäuschen, die einst Genossenschaftswohnungen waren und heute als Tiny-Einfamilienhäuschen mit hellen Fassaden, Hochbeeten und renovierten Dachgiebeln glänzen. Der Blick hinauf zur Hubertus-Höhe, mit ihrem alten Theatersaal, wo einst Geburtstage mit Doktorpapa Professor Mathias Schmitz und der Bohème von Orphée und Jenseits gefeiert wurden.

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Die Hecke vor dem Haus, die während der WM 1974 unter meinen nachgestellten Gerd-Müller-Torszenen gelitten hatte, ist längst Geschichte. Erinnerungen an den Rocker-Tom, von schräg gegenüber, der Jahre später mit seiner Crew das alte Jenseits stürmte und gnädigerweise verkündete: „Des is da Herda-Bua, den lasst’s in Ruah!“ Anschließend wurde aus ihm noch ein g‘standener Gastronom in der Banane.

Von Königswiesen an die Donau

Genug geschwelgt. Weiter geht’s Richtung Königswiesen – der zweite Akt des Lebens, der zweite Stadtteil, wenn man mal das Intermezzo im Rotlichtviertel an der Guericke-Straße geflissentlich ausblendet. Der Stadtteil, in dem die Fäuste flogen und der mich in den Boxclub brachte. Vom Dreibäumerlberg unterhalb der zweiten Wohnadresse meiner Eltern in der Friedrich-Ebert-Straße 39, wo wir jeden Winter stundenlang mit dem Schlitten hinunterrasten, rollen wir bergab zur Eisenbahnbrücke Richtung altes Jahn-Stadion via Lessingstraße zum Freien-Tus-Platz zur Donau.

Weiter durch das offene Weichs, lebendige Schwabelweis und das luftige Tegernheim, wo die Landschaft sich weitet, bis von weitem die Burgruine von Donaustauf in den Blick gerät – und bereits die Walhalla von manchem Blickwinkel aus hervorlugt.

Donaustauf: Ruhmeshalle, Ruine und Rückblicke

Donaustauf, seit jeher wichtiger Ort an der Donau, war einst Teil der römischen Provinz Rätien. In der Neuzeit entwickelte es sich unter den Fürsten von Thurn und Taxis zu einem kulturellen Zentrum. Heute zeugt vor allem die Burgruine über dem Ort vom einstigen Glanz – das eigentliche Schloss der Fürsten fiel 1880 einem verheerenden Brand zum Opfer. Nur der „Chinesische Turm“ blieb erhalten, ein Pavillon im fernöstlichen Stil, Symbol für die Exotik jener Zeit und heute melancholisches Denkmal für die Vergänglichkeit höfischer Träume.

Pause im Biergarten des Historischen Armen-Spitals – einst Pilgerstätte, heute Wirtshaus mit Geschichte. Bayerische Küche unter Gewölben, wo früher Bedürftige Schutz fanden. Ein Ort, der Vergangenheit atmet.

Weiher-Trilogie: Erfrischung für Regensburg

Die Weiterfahrt führt durch die Felder Richtung Osten – und dann ist plötzlich Wasser da. Viel Wasser. Sommerwasser. Und jeder Weiher hat seinen eigenen Charakter:

Sarchinger Weiher

Der Klassiker. Groß, weit, mit Sandstrand und Festival-Vergangenheit. Das Sarchinger Open Air zog einst Tausende an, heute ist es eher ein Familienort – mit Parkplatz, Pommes, und breiter Liegewiese. Wer’s gesellschaftlich mag, bleibt hier.

Roither Weiher

Der Ruhige. Etwas versteckter, von Wald eingerahmt, mit dunklerem Wasser und entspanntem Publikum. Ideal für Leseratten, Schattenliebhaber und alle, die keine Musikbox brauchen.

Guggenberger See

Guggi, der Sportliche. Windsurfer, Stand-up-Paddler, Yoga-Gruppen am Ufer. Hier trifft sich die urbane Jugend mit Outdoor-Durst. Wind geht hier immer. Und ein kühles Bier auf der Decke sowieso.

Zurück übers Land: Mintraching, Harting, Burgweinting

Zurück geht es übers flache Land. Mintraching bietet mit einer neuen Dorfschänke kurze Rastmöglichkeiten, Harting als Durchgangsort mit Blick auf das nächste Highlight: Der Park von Burgweinting, ein modernes Natur-Urbanismus-Projekt mit Wasserläufen, Kieswegen und viel grünem Atem. Der Aubach murmelt, das Rad rollt. Eine Passage zwischen Zukunft und Erinnerung.

Durch Oberisling und die sanften Hügel zurück zur Hubertus-Höhe, wo unter den alten Kastanien nicht nur die Brotzeit, sondern auch die Kindheit wiederkehrt – wenn auch nur für einen Sommerabend lang.

Radtour Ganghofer-Siedlung: Donaustauf – Weiher – zurück zur Hubertus-Höhe

  • Länge: ca. 45–50 km
  • Dauer: 5–6 Stunden, mit Bade- und Einkehrpausen
  • Start/Ziel: Ganghofer-Siedlung / Hubertus-Höhe, Regensburg
  • Highlights:
    • Kindheitserinnerungen im Viertel der Dichter
    • Burgruine Donaustauf & Chinesischer Turm
    • Historisches Armen-Spital (Einkehr-Tipp!)
    • Sarchinger Weiher (familienfreundlich)
    • Roither Weiher (ruhig und natürlich)
    • Guggi (Surfer, Sport, Szene)
    • Parkgelände Burgweinting mit Aubach
  • Tipp: Badezeug und Handtuch mitnehmen – die Drei-Weiher-Tour schreit nach Schwimmstopp
  • Anspruch: Leicht bis mittel, vor allem flache Strecken – ideal bei Sommerhitze
  • Beste Zeit: Frühsommer oder Spätnachmittag, wenn das Licht weich wird.