Der jüngeren Generation ist dieses Geschichtsdatum so gut wie unbekannt, zumal kaum jemand mehr über diese Zeit spricht. So gerät die Vergangenheit immer mehr in Vergessenheit. Doch umso mehr sind die Bürgerinnen und Bürger als Zeitzeugen gefordert, die diese geschichtlich markanten Geschehnisse erlebt haben.

„Ich erinnere mich als wäre es erst vor kurzem geschehen, was sich an diesem 20. Mai 1948 ereignete. Als Verwaltungslehrling im Flosser Rathaus absolvierte ich meine Ausbildung“, blickt Fred Lehner zurück. Der innerhalb weniger Minuten einsetzende Wolkenbruch versetzte das Hardter Bachl von der Gemeindeflur „Pinzer“ aus Richtung Würzelbrunn – Schönbrunn-Hardt kommend, in einen reißenden Fluss. Lehner ging auf den Dachboden des Rathauses (Altes Pflegschloss) und konnte die strömenden Wasserfluten in Richtung große Bahnbrücke der früheren Nebenbahnstrecke Floß-Flossenbürg in den Ortsteil Pflanzfleck (heute: Am Schlossgarten) verfolgen.

Werbung
Advertorial normal
Neues Advertorial Neues Advertorial Neues Advertorial Neues Advertorial Neues Advertorial

Die Wasserströme zogen sich in Sekundenschnelle in Richtung Tankstelle Hans Krapf in die Flossenbürger Straße zum Marktzentrum. Die Wassermassen waren so gewaltig, dass selbst eine riesige Fläche des befestigten Böschungsbereiches an der großen Bahnbrücke weggeschwemmt wird. Die Bahnlinie Floß-Flossenbürg musste bis zur Behebung des Schadens stillgelegt werden. Auch die Floßbach-Brücke von der Flossenbürger Straße zum Werkbach der Haberstumpfmühle im Mühlgraben beim früheren Anwesen Sendlbeck/Bickl (heute Klara Menke) hält den Wassermassen nicht stand und stürzt teilweise ein. Die Folgeschäden in den Anwesen der Flossenbürger Straße und der Freiherr-von-Lichtenstern-Straße sowie in der Unteren und Oberen Bachgasse sind unübersehbar.

#1 beispiel in-article

Überschwemmungen sind auch heute noch Thema

Die Hochwasserkatastrophe nahm ein Ausmaß an, das man sich heute kaum mehr vorstellen kann. Zu keiner Zeit in den vergangenen Tausend Jahren gab es seit dem Großbrand 1813 so viel Unheil an den Häusern der heutigen Freiherr-von-Lichtenstern-Straße und in den beiden Bachgassen an der Floß bis hinunter zur Blendersmühle (Beiglmühle).

Die Unwetterkatastrophe jährt sich heuer zum 75. Mal. Seither traten immer wieder größere Überschwemmungen im Marktzentrum auf. Wasser musste aus Erdgeschossen und Kellern gepumpt werden. Doch diese Wasserschäden sind kein Vergleich zur Jahrhundertflut von 1948. Die in den letzten Jahrzehnten durchgeführte zentrale Entwässerung des Ortes durch ein erneuertes Kanalnetz und einer modernen biologischen Sammelkläranlage hat sich mehr als bezahlt gemacht.

Gemeinsam Anpacken war wichtig

Sofort einsatzbereit waren bei der Katastrophe 1948 die Männer der Freiwilligen Feuerwehr in Verbindung mit der damals schon bestehenden Wasserwachtgruppe im Bayerischen Roten Kreuz. Sie beginnen unmittelbar nach dem Ende des Wolkenbruchs, er dauerte kaum eine halbe Stunde, mit den Aufräumungsarbeiten und sichern bestehende Schäden, soweit es möglich ist, ab.

Schnell machte sich der seit 1. Mai 1948 im Amt befindliche Erste Bürgermeister Josef Lehner vor Ort ein Bild über das Ausmaß der Sintflut. Es dauerte viele Jahre, bis die Schäden aller betroffenen Hauseigentümer und zum Teil Wohnungsmieter reguliert waren. Die Arbeit im Rathaus häufte sich durch die Ermittlung der Schäden und Festsetzung der Entschädigungsgelder. Eine neben der zu lösenden Aufgabe des Flüchtlingsproblems und der dadurch herrschenden Wohnungsnot weitere Herkulesaufgabe, die im Rathaus zu bewältigen war.

Der entscheidende Eintrag im Jahr 948: „Occisio paganorum ad flozzun“

Und noch eine Besonderheit: Ein Blick auf die Ortsgeschichte des Marktes macht deutlich, dass Floß im Jahre 1948 eine 1.000-jährige Geschichte aufweisen kann. Doch wer dachte in dieser Situation daran? Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 hatte viele größere Probleme und Aufgabengebiete als sich mit der Ortsgeschichte zu befassen. Zudem waren sich die vielen Geschichtsschreiber nicht schlüssig darüber, zu welcher Zeit der Markt Floß tatsächlich erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Das erforschte erst Landgerichtspräsident Adolf W. Schuster aus Weiden. In seinem Standartwerk aus dem Jahr 1976 „1.000 Jahre Floß“ hält er fest: In den Annalen des Klosters St. Emmeram in Regensburg ist neben der Jahreszahl 948 eingetragen: „Occisio paganorum ad flozzun“. Die 1.000-Jahrfeier wäre also 1948 fällig gewesen, wurde aber mit dem dritten Flosser Heimatfest im Jahre 1976 gefeiert, setzte sich 1998 mit dem 1.050-jährigen Ortsjubiläum fort und hat in diesem Jahr mit der 1075-Jahrfeier einen weiteren Höhepunkt. Sie wird mit dem fünften Flosser Heimatfest, das um drei Jahre vorgezogen wurde, verbunden.

Der Blick auf eine bewegte Geschichte

Dass am 20. Juni 1948 die damals lang erwartete Währungsreform in Kraft trat und die neue Deutsche Mark die alte inflationäre Reichsmark-Währung ablöste, sollte nicht unerwähnt bleiben. Jeder Bürger konnte zunächst 40 Reichsmark gegen 40 Deutsche Mark eintauschen und erhielt ein Kopfgeld von 60 Deutsche Mark.

Schauder- und schreckensvoll die Nacht vom 26. auf 27. April 1823, also vor genau 210 Jahren. In wenigen Stunden wurden durch den Raub wütender Flammen 119 Häuser und 76 Städel, ohne Stallungen und Schupfen, in Schutt und Asche gelegt. Darunter auch die Ansiedlung auf dem Judenberg und die damals hölzerne Synagoge. Ein Großbrand, der Hab und Gut der Bewohner zerstörte.

Es war der frühere Landrichter, Oberamtmann, Oberamtsrichter, Bezirksbaurat, Major der Bürgerwehr, Karl Reisner Freiherr von Lichtenstern, der mit einer großen Machtfülle ausgestattet war, den Markt wieder aufbauen ließ und zu dem Ortsbild gestaltete, das
heute noch mit seinen breiten Straßen und Paradeplatz (heute: Marktplatzanlage) städtebaulichen Charakter trägt.