Weiden. Migranten kommen aus den verschiedensten Gründen zu uns nach Deutschland, doch eines haben sie alle gemeinsam: Deutschland ist ihre Hoffnung auf ein neues und glückliches Leben. Einige von ihnen landen auch in der Oberpfalz. Einmal hier angekommen, stehen sie vor einer Reihe von Herausforderungen: Diese reichen von der Wohnungssuche bis zur Eröffnung eines Bankkontos. Unterstützung erhalten sie dabei von Karin Lukes – Migrationsberaterin der Diakonie Weiden.

Von Anja Reber

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Mit einem herzlichen Lächeln auf den Lippen und einem verbindlichen, freundlichen Blick erzählt Karin Lukes von ihrem Beruf als Migrationsberaterin, der für sie sicherlich zur Berufung geworden ist: Bereits während eines Aufenthaltes in den USA kümmerte sie sich um Kinder mit Behinderung. Seit jetzt schon 23 Jahren betreut sie Migranten und hilft beim Start in ein neues Leben. Englisch spricht sie gut. Das ist ihr bei der Arbeit auch eine große Hilfe, denn die Neuankömmlinge kommen aus den verschiedensten Ländern: Russland, Philippinen, Arabien, Irak, Iran und nicht zuletzt natürlich aus dem Kriegsgebiet Syrien. Ein paar Worte aus anderen Sprachen – vor allem Russisch – hat sich die Beraterin im Laufe der Jahre von ihren Klienten angeeignet. So kann sie sich im Allgemeinen recht gut austauschen.

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Migrationshilfe ist Zukunftsberatung

Einen typischen Arbeitstag gibt es bei Karin nicht, dazu sind die Menschen und ihre Bedürfnisse zu verschieden. Grundsätzlich ist sie behilflich beim Ausfüllen von Anträgen für das Jobcenter, der Eröffnung eines Bankkontos, der Wohnungssuche, der Suche nach einer Ausbildung und auch der Schwangerschaftsberatung. Nicht selten begleitet sie ihre Schützlinge zu den Behörden und unterstützt sie vor Ort.

„Das wichtigste ist das Erlernen der Sprache!“

erklärt Lukes. Daher gehen die Migranten in der Regel erst einmal ein halbes Jahr zur Schule und besuchen Sprachkurse. Dann folgt ein Vorbereitungskurs und schließlich sind sie frei für den Arbeitsmarkt: Die Zukunftsberatung kann richtig beginnen. Gemeinsam mit den Migranten erstellt Karin Bewerbungen, ruft in den Betrieben an und öffnet die Türen für die Arbeitswilligen. Mit dem Stadtbau GmbG Weiden besteht beispielsweise eine tolle Zusammenarbeit.

Zeit nehmen statt Abfertigung wie am Fließband

Natürlich macht sich der Flüchtlingsstrom des letzten Jahres auch bei der Diakonie Weiden bemerkbar: „Ohne Termin geht bei mir kaum noch was, sonst kann ich mir für die Menschen nicht genug Zeit nehmen und es geht zu wie am Fließband“, so Karin. Derzeit wird auch Faisal und seine Familie von ihr betreut: Im vergangenen Jahr flohen er und seine damals im 1. Monat schwangere Frau aus Syrien. Sie kamen schließlich nach Nürnberg und dann nach Weiden. Da die Migrationsberaterin in den Kursen der vhs, der Kolpingfamilie und bei Peters Bildungsgruppe vertreten ist, fanden sie schnell den Weg schnell zu Karin.

Beide haben das Bleiberecht erhalten, damit konnte die Zukunftsberatung auch gleich beginnen: Kontoeröffnung, Krankenkassenbeitritt, sowie Schwangerschaftsberatung folgten, nebenbei wurde fleißig Deutsch gelernt. Ihr Baby ist zwischenzeitlich gesund und munter zur Welt gekommen und die Familie konnte in eine eigene Wohnung ziehen. Küche, Wickeltisch und weitere Möbel kamen vom Werkhof mit denen konnte sich die Familie wohnlich einrichten. „Bei ihrer Ankunft trug die junge Syrerin noch eine Burka, die hat sie inzwischen abgelegt und ist gekleidet wie du und ich“, erzählt Karin. Sie möchte weiter Deutsch lernen und nach der Geburt ihres zweiten Kindes eine Ausbildung beginnen. Die Familie ist so dankbar, dass sie Karin zum Essen in ihr neues zu Hause eingeladen haben. Das die Familie ihren Neustart so gut meistert, macht die Beraterin sichtlich stolz.

Zwischen Trauma und Hoffnung

Die Flüchtling berichten mir von ihren Kriegserfahrungen und sind teilweise sehr traumatisiert.

erzählt Karin. Durch die Kriegswirren, die tägliche Not ums Überleben kämpfen zu müssen, nur nachts im Schutz der Dunkelheit das Versteck verlassen zu können, um sich auf die Suche nach Lebensmitteln zu machen, werde die Entwicklung vieler junger Menschen beeinträchtigt. Das könne man beispielsweise am schwach ausgeprägten, handwerklichen Geschick erkennen, dazu hatten die Flüchtlinge einfach keine Möglichkeit. „Die meisten Flüchtlinge sind aber voller Motivation und möchten schnell Fuß fassen. Ich lerne täglich tolle Menschen kennen“, sagt die Migrationsberaterin.

Durch ihre langjährige Erfahrung kann sie inzwischen gut einschätzen in welcher Verfassung sich die Menschen befinden und entsprechend darauf eingehen. Einige sagen sogar „Mama“ zu ihr. „Junge Familien sind im Allgemeinen sehr offen eingestellt, die älteren tun sich manchmal etwas schwerer. Das liegt häufig daran, dass sie sich sehr viele Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder machen“

Einer von Karins Schützlingen möchte Altenpfleger werden und beginnt mit der Ausbildung, sobald er sein Deutsch etwas verbessert. Zwei weitere Männer haben eine Bäckerlehre begonnen. Ein Mann möchte Computerspezialist werden und stellt sich derzeit bei einem Parksteiner Unternehmen vor. Karin ist zuversichtlich:

Ich glaube diese jungen Menschen werden in wenigen Jahren voll integriert und eine Bereicherung für uns sein“