Ebenfalls anwesend war der neue Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Weiden i.d. OPf., Kriminaloberrat Andreas Schieder, welcher die Gelegenheit nutzte, um die anwesende Bürgermeisterin und die anwesenden Bürgermeister der Gemeinden im Zuständigkeitsbereich der PI Tirschenreuth, kennenzulernen.
Zahlen und Fakten
Nach Beendigung der Corona-Pandemie konnte das alljährliche Gespräch erstmals wieder in den Räumen der Polizei Tirschenreuth stattfinden. Zu Beginn präsentierte Günther Burkhard zunächst eine grafische Darstellung der Gesamtvorgänge, welche die Inspektion Tirschenreuth, die im Übrigen für eine Fläche von ca. 498 Quadratkilometern mit etwa 28.500 Einwohnern zuständig ist, im Jahr 2022 zu bearbeiten hatte. Demnach fielen im Vorjahr insgesamt 3.616 Fälle zur Bearbeitung an, wobei es sich bei 781 Vorgängen um Delikte handelte, welche der polizeilichen Kriminalstatistik zuzuordnen sind.
Dies entspricht in etwa einem Plus von fünf Prozent zum Vorjahresniveau. Hieraus ergibt sich eine sogenannte Häufigkeitszahl von 21,03. Die Häufigkeitszahl drückt die Kriminalitätsbelastung eines bestimmten Bereiches – hier dem Zuständigkeitsbereich der PI Tirschenreuth – betrachtet, in diesem Fall auf 1.000 Einwohner gerechnet, aus.
Die Aufklärungsquote aller Straftaten war im Jahr 2022 mit 72,9 Prozent zwar im Vergleich zum Vorjahr (80,6 Prozent) etwas rückläufig, im Vergleich zum bayernweiten Schnitt von 64,4 Prozent liegt man jedoch immer noch deutlich über diesem Wert, weshalb die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2022 durchwegs positiv zu bewerten ist, so Burkhard. Es konnten somit 569 Taten geklärt werden, wobei es gelang, insgesamt 415 Tatverdächtige zu ermitteln. Dabei handelte es sich um 318 männliche und 97 weibliche Täter, darunter auch Kinder und Jugendliche.
Sexualdelikte
Obwohl es sich im Bereich der PI Tirschenreuth sehr sicher leben lässt, betonte Burkhard, gäbe es sehr wohl auch durchaus die ein oder andere Problemstellung zu bewältigen. So sind die Straftaten im Bereich der Sexualdelikte um 112 Prozent auf nun insgesamt 51 Fälle angestiegen. Der überwiegende Anteil hiervon ist dem Phänomen der Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten, zunehmend via Smartphone, zuzuordnen.
Diesbezüglich wurde bereits eine Präventionskampagne namens „Dein Smartphone, deine Entscheidung“ ins Leben gerufen, wo in Kooperation zwischen der Polizeiinspektion Tirschenreuth und der Kriminalpolizeiinspektion Weiden i.d. OPf. aktiv versucht wird, diesem Phänomen durch frühzeitige Aufklärung an den örtlichen Schulen entgegenzuwirken. Positiv zu erwähnen ist, dass bei einer Aufklärungsquote von 98,5 Prozent nahezu alle Fälle geklärt werden konnten.
Gewaltdelikte
Deutlich gestiegen im Vergleich zum Vorjahr sind auch die Fälle im Bereich der sogenannten Gewaltdelikte, sowohl im persönlichen als auch im öffentlichen Bereich. Bei den insgesamt 154 Fällen (Vorjahr 96) war auch ein Fall des versuchten Totschlages und insgesamt 41 Fälle der schweren oder gefährlichen Körperverletzung zu verzeichnen. In der überwiegenden Anzahl der Fälle handelte es sich jedoch um sogenannte einfache Körperverletzungsdelikte.
Diebstahldelikte
Bei den Diebstahlsdelikten, welche wie gewohnt mit 23,1 Prozent den größten Anteil an der Gesamtkriminalität einnehmen, konnte ein gleichbleibendes Niveau festgestellt werden. Insgesamt wurden 184 Straftaten (2021: 180 Fälle) bekannt, wobei Anzeigen wegen Ladendiebstählen hier am häufigsten waren.
Betäubungsmittelkriminalität
Im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität konnten mit 80 Fällen rückläufige Zahlen verzeichnet werden (2021: 100 Fälle). Gegenstand der Ermittlungen waren überwiegend Cannabisprodukte in Form von Marihuana. Besonders erwähnenswert ist hier, dass es auch gelang, mehrere illegale Aufzuchtplantagen in privaten Räumen aufzudecken.
Sachbeschädigungsdelikte
Straftaten im Bereich der Sachbeschädigungsdelikte erfuhren mit 93 Fällen im Vergleich zu 84 Fällen im Vorjahr lediglich einen leichten Anstieg. Jedoch entstanden hier im vergangenen Jahr immerhin Sachschäden in Höhe von insgesamt ca. 100.000 Euro. Hier sei die Polizei besonders auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, so der Dienststellenleiter.
Verkehrslage
Im Anschluss übernahm der stellvertretende Dienststellenleiter der PI Tirschenreuth, Polizeihauptkommissar Andreas Sennert, das Wort und berichtete über die Verkehrslage aus dem Jahr 2022. Seinem Bericht zufolge wurden insgesamt 766 Verkehrsunfälle gemeldet, was einem Anstieg um sechs Prozent zum Vorjahr entspricht, gleichzeitig aber im Zehnjahresvergleich den drittniedrigsten Wert darstellt. Bei 68 Unfällen (~ neun Prozent) kam es zu einem Personenschaden, das heißt, es wurde mindestens eine Person verletzt oder gar getötet. Dies ist sogar der zweitniedrigste Wert im Zehnjahresvergleich.
Im Jahr 2022 kam es zu einem Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang. 16 Menschen wurden schwer verletzt, d. h. die durch den Unfall erlittene Verletzung erforderte eine mindestens 24-stündige, stationäre Behandlung in einem Krankenhaus. Bei insgesamt 61 Personen führte ein Verkehrsunfall zu lediglich leichten Verletzungen. Der entstandene Gesamtsachschaden ist mit ca. einer Million Euro um etwa sechs Prozent im Vergleich zum Jahr 2021 leicht gestiegen.
Mit 365 Fällen (Vorjahr 361) sind Zusammenstöße mit Wildtieren, insbesondere Rehwild, die mit Abstand am häufigsten gemeldeten Verkehrsunfälle. Sehr positiv zu bewerten ist der deutliche Rückgang der Unfälle, bei denen eine erhöhte bzw. nicht angepasste Geschwindigkeit als Ursache angenommen wurde. Im Vergleich zum Vorjahr mit 20 Unfällen waren es 2022 nur zehn, was zugleich den mit Abstand niedrigsten Wert im Zehnjahresvergleich darstellt. Hier zeigen die regelmäßig durchgeführten Geschwindigkeitsmessungen ihre Wirkung, so Sennert. Gestiegen hingegen sind die Unfälle, bei denen ein Verkehrsteilnehmer unter dem Einfluss von Alkohol stand. Hier wurden insgesamt 11 Fälle (sieben Fälle in 2021) verzeichnet.
Unfälle mit Zweirädern
Weiterhin ist zu erwähnen, dass es acht Unfälle unter Beteiligung von Motorrädern gab, und bei 16 Unfällen Fahrräder bzw. Pedelecs beteiligt waren. Das hier vorhandene, durch die fehlenden Schutzvorrichtungen signifikant erhöhte Verletzungsrisiko wird deutlich, wenn man betrachtet, dass bei den Motorradunfällen insgesamt zehn, und bei den Unfällen mit Fahrrädern, bzw. Pedelec insgesamt 19 Verletzte, davon auch ein Schwerverletzter, zu beklagen waren. Hier verwies Sennert nochmals eindringlich auf die Wichtigkeit der Nutzung eines Fahrradhelmes bei den Fahrradfahrern, wodurch schwerste Kopfverletzungen vermieden werden können.
2021 ist nur bedingt zum Vergleich geeignet
Anzumerken ist ebenso, dass der Vergleich mit den Zahlen aus dem Jahr 2021 pandemiebedingt nur bedingt zum Vergleich geeignet ist. Ein Vergleich mit den Vorgängen vor der Pandemie aus dem Jahr 2019 ergibt lediglich einen moderaten Anstieg der Gesamtstraften von ca. 2 Prozent.
Großer Dank für die gute Zusammenarbeit
Abschließend brachte Herr Burkhard noch einen großen Dank an die freiwilligen Feuerwehren, sowie Rettungsdienste und allen anderen mitwirkenden Behörden zum Ausdruck. Ohne die vorbildlich funktionierende Zusammenarbeit miteinander wäre eine derart erfolgreiche Polizeiarbeit nicht möglich.

