In der Oberpfalz kam es im Jahr 2020 insgesamt 643 Mal zu Gewalt gegen Polizeibeamte. Im Vergleich zum Vorjahr handelt es sich dabei um einen Anstieg um knapp 10 Prozent. Darunter fallen Delikte wie Beleidigung, Bedrohung, Gefährliche Körperverletzung, Tätlicher Angriff bis hin zu versuchter Mord und versuchter Totschlag.
Noch nicht zufrieden: Mehr Schutz
Die Oberpfalz liegt im bayernweiten Vergleich damit zwar noch ganz hinten, Polizeipräsident Norbert Zink ist damit allerdings nicht zufrieden.
Er sagt: „Wir werden alles tun, damit unsere Beamtinnen und Beamten noch besser vor Anfeindungen und Angriffen geschützt werden! Gewalt gegen die Oberpfälzer Polizei wird in keinster Weise geduldet!“
Die Begehungsweise reicht von passiver Verweigerung, schlagen, treten, bis hin zu beißen. Überdies bespuckte man die Beamtinnen und Beamten in mehr als 50 Fällen.
Bedenklich: Körperverletzungen nehmen zu
Besorgniserregend zeigt sich die Zunahme von gefährlicher Körperverletzung und Widerstand. In zwei Fällen leitete man bei Angriffen gegenüber Polizeibeamte ein Strafverfahren wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ein. In mehr als 40 Fällen führten die Täter Wurfgegenstände, Pyrotechnik bis hin zu scharfen Schusswaffen oder Kraftfahrzeuge mit. Teilweise bedrohten oder benutzten die Täter diese Gegenstände.
Fallbeispiel: Mehr Gewalt während Corona?
Dass Täter gerade auch in Hinblick auf die Einhaltung der Corona-Beschränkungen nicht vor Angriffen gegen die Polizisten zurückschreckten, zeigte folgender Fall:
Wie in einer Pressemitteilung berichtet, kontrollierten am Freitag, 3. April 2020, gegen 00:50 Uhr, zwei Beamte der Polizeiinspektion Neustadt/WN in Floß einen 23-jährigen Autofahrer aus Weiden. Dabei ergab sich unter anderem der Verdacht, dass ein Verstoß gegen die geltende Ausgangsbeschränkung vorlag, da der Mann keinen triftigen Grund für seinen Aufenthalt außer Hauses nennen konnte. Außerdem äußerte er wiederholt Suizidgedanken beziehungsweise. dass er gegen einen Baum fahren werde.
Der kontrollierende Polizeibeamte reagierte daraufhin schnell und versuchte den Schlüssel des Fahrzeugs zu ziehen, um dies zu verhindern. Der 23-Jährige beschleunigte jedoch sein Fahrzeug stark und schleifte den Beamten etwa 80 Meter mit, bis dieser aus dem Fahrzeug fiel und verletzt liegen blieb.
Der Polizist zog sich hierbei erhebliche Gesichts- und Oberkörperverletzungen zu. Ihm brachte man mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus zur ambulanten Behandlung. Er befand sich mehr als fünf Wochen im Krankenstand. Der Fahrer konnte später festgenommen werden.
Das gerichtliche Urteil
In Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Weiden bearbeitete man das Verfahren priorisiert und konnte innerhalb von nur sechs Wochen abgeschlossen werden. Das Urteil des Amtsgerichts Weiden lautete 1 Jahr Haft mit 3-jähriger Bewährungszeit, 2 Jahre Entzug der Fahrerlaubnis, sowie unter anderem Ableistung von 150 Arbeitsstunden.
Professionalität ist das A und O
„Dieser Fall zeigt zum einen das Ausmaß von Gewalt gegen Polizeibeamte, zugleich aber auch die effiziente und professionelle Abwicklung des Verfahrens durch die Justizbehörden“, so Polizeipräsident Norbert Zink.
Priorosierung der Fälle
Immer mehr Verfahren werden in Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften priorisiert bearbeitet. Damit möchte man schnell und konsequent die Täter bestrafen und zeigen, dass Polizisten und Angehörige anderer Organisationseinheiten der öffentlichen Verwaltung, insbesondere der Feuerwehr und des Sanitätsdienstes, in der Oberpfalz unterstützt werden.
Weiterhin werden alle Bemühungen fortgesetzt, um Polizeibeamte bestmöglich zu schützen und Angriffe zu reduzieren.
Fallzahlen: Genauere Informationen
Nachfolgende Darstellung zeigt die Auflistung der Fallzahlen nach Städte und Landkreise.
Stadt Amberg
- 2019: 67 Fälle
- 2020: 50 Fälle
Stadt Regensburg
- 2019: 173 Fälle
- 2020: 211 Fälle
Stadt Weiden
- 2019: 61 Fälle
- 2020: 72 Fälle
Landkreis Amberg-Sulzbach
- 2019: 29 Fälle
- 2020: 32 Fälle
Landkreis Cham
- 2019: 53 Fälle
- 2020: 58 Fälle
Landkreis Neumarkt
- 2019: 28 Fälle
- 2020: 33 Fälle
Landkreis Neustadt/WN
- 2019: 28 Fälle
- 2020: 33 Fälle
Landkreis Regensburg
- 2019: 50 Fälle
- 2020: 54 Fälle
Landkreis Schwandorf
- 2019: 83 Fälle
- 2020: 76 Fälle
Landkreis Tirschenreuth
- 2019: 21 Fälle
- 2020: 24 Fälle

