Schnelles Handeln ist bei Notrufen von entscheidender Bedeutung, da Menschenleben auf dem Spiel stehen können. Daher ist es äußerst wichtig, dass die Notrufnummer 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst nur bei tatsächlichen Notfällen gewählt wird. Der Missbrauch von Notrufen ist in Deutschland strafbar.
50 Prozent mehr Notrufe
Allerdings beklagen die bayerischen Integrierten Leitstellen (ILS) seit mehreren Wochen eine steigende Zahl von Notrufen, die offenbar von Smartphones stammen. Florentin von Kaufmann, Vorsitzender des Verbandes bayerischer Leitstellenbetreiber und Leiter der Integrierten Leitstelle der Berufsfeuerwehr München, gibt an, dass seit mehreren Wochen bei fast allen bayerischen ILS rund 50 Prozent mehr Notrufe eingehen als üblich. Dagegen bleibe die Zahl der tatsächlichen Einsätze konstant. Dieses Problem trete nicht nur in Bayern oder Deutschland auf, sondern weltweit.
Update als Ursache
Die Ursache dafür ist ein Update für Android (Version 13), das dazu führt, dass Notrufe
versehentlich und eigenständig ausgelöst werden. Die Anrufer sind meistens nicht absichtlich dafür verantwortlich. Oft bemerken die Besitzer der Smartphones nicht einmal, dass ihr Handy irrtümlich den Notruf gewählt und einen Anruf gestartet hat, erklärt Jürgen Meyer vom Verband der bayerischen Leitstellenbetreiber (vblb) diese Kuriosität. Das Update führe dazu, dass schon Erschütterungen oder leichte Stöße einen ungewollten Hosentaschennotruf auslösen könnten. Insbesondere Handymodelle von Samsung und Google sind davon betroffen.
Nicht erkennbar
Das Problem sei, dass es in den Leitstellen für Disponenten und Call-Taker nicht einfach erkennbar sei, ob es sich um einen Fehlanruf handle. Sie könnten das Telefonat auch nicht einfach beenden. „Wenn ein solcher Anruf die Leitstelle erreicht, ist höchste Aufmerksamkeit der Disponenten erforderlich. Sie müssen aus dem, was sie hören, herausfinden, ob es sich um einen unbeabsichtigten Anruf handelt oder ob ein tatsächlich ein Notfall oder Unfall passiert ist“, schildert Meyer.
Jeder eingehende Anruf werde mit derselben Sorgfalt behandelt. Erst, wenn eindeutig klar sei, dass es sich um einen Fehlanruf handle, werde das Gespräch beendet, betont Florentin von Kaufmann.
Bitte an Android-Nutzer
Das Problem betrifft Benutzer von Smartphones mit dem Android-Betriebssystem, insbesondere Handys der Marken Samsung und Google. Der Verband bayerischer Leitstellenbetreiber (vblb) bittet alle Benutzer, die das Android-Update 13 heruntergeladen haben, das neue Update über die Einstellungen ihres Smartphones zu installieren, um die Fehlfunktion zu beheben. Die Hersteller haben bereits vor einigen Wochen ein neues Update veröffentlicht, dass das Problem der Fehlanrufe löst.
Der Verband empfiehlt dringend allen Android 13-Benutzern, das neue Update zu installieren, sagt Jürgen Meyer, Pressesprecher des Verbandes. Es wird jedoch noch einige Zeit dauern, bis dies flächendeckend geschieht. Bis dahin müssen die 26 Leitstellen in Bayern weiterhin sorgfältig zwischen Hosentaschenanrufen und echten Notfällen unterscheiden.

