Im Fall des im September ertrunkenen 22-Jährigen aus Sulzbach-Rosenberg läuft aktuell ein Gerichtsprozess gegen drei Freunde des Verstorbenen. Im Rahmen der Verhandlung des Landgerichts Weiden fand heute eine Begehung des Tatortes statt.
Anklage: Todschlag durch Unterlassen
Angeklagt ist eine junge Frau sowie zwei Männer im Alter von 22 bis 25 Jahren. „Zwei der Angeklagten haben sich über ihre Anwälte zur Sache geäußert. Ein dritter Angeklagter schweigt bislang“, so Josef Weidensteiner, Pressesprecher Landgericht Weiden. Den Angeklagten wird Todschlag durch Unterlassung vorgeworfen.
Die drei waren in der Nacht mit Moritz G. unterwegs. Sie sollen gesehen haben, wie der junge Mann ins Wasser fiel und ihn dennoch im Stich gelassen haben. Während seine Freunde nur leicht angetrunken gewesen seien, habe Moritz über zwei Promille im Blut gehabt und sei mehr oder weniger orientierungslos gewesen.
Video und WhatsApp-Nachrichten vom Abend
Als er eine Böschung hinabstürzte, machten sich die drei wohl noch über ihn lustig. Schließlich fiel er rückwärts in den Flutkanal. Und auch hier eilte keiner der Begleiter zu Hilfe. Sondern sie fuhren einfach nach Hause und meldeten Moritz erst am folgenden Tag als vermisst.
In den ersten Verhandlungstagen sichtete die Kammer bereits mehrere Handyvideos, die sogar zeigen, wie der 22-Jährige ins Wasser fiel. Außerdem wurden WhatsApp-Nachrichten verlesen, die die drei nicht gerade gut aussehen lassen. Auch die Familie und andere Freunde des Sulzbach-Rosenbergers kamen zu Wort.
Die drei Angeklagten erklärten, sie hätten geglaubt, ihr Freund verarsche sie nur. Deshalb seien sie auch nach Hause gefahren. Sie seien davon ausgegangen, es gehe ihm gut.
Tatortbegehung soll Aufschluss über Unglücksnacht geben
Die Tatortbegehung soll nun Aufschluss darüber geben, was sich genau am 11. September 2020 am Weidener Flutkanal abspielte. „Die erste Strafkammer hat sich entschlossen, an der Tatörtlichkeit einen Augenschein einzunehmen. Das kommt relativ selten vor, dass das Gericht einen Augenschein tatsächlich vornimmt“, so Weidensteiner weiter.
Aktuell sind noch zwei Verhandlungstage angesetzt. Möglicherweise kommen allerdings noch weitere Verhandlungstage hinzu.

