Wenn Marie Riehl und Stefan Drücke sich schminken, ihre Kostüme und einen Arztkittel anziehen, verwandeln sie sich in die Clowns „Frau Dr. Trudi Eierfleck“ und „Dr. Beppo“. Und weil lachen gesund und glücklich macht, besuchen sie alte Menschen in Pflegeheimen und kleine Patienten in verschiedenen Krankenhäusern Nordbayerns. Immer dienstags machen die Klinikclowns Station im Klinikum Nordoberpfalz in Weiden. Schauspieler Stefan Drücke macht das bereits seit 14 Jahren.
„Jedesmal eine neue Herausforderung“
Klinikclowns haben kein festes Programm. Sie gehen situationsabhängig und ganz individuell auf ihr „Publikum“ ein. „Das ist jedesmal eine neue Herausforderung“, weiß Stefan Drücke. Andererseits habe man als Clown aber große Gestaltungsmöglichkeiten. Er komme mehr aus einem sozialen Umfeld, arbeite sehr empathisch und natürlich mit „ganz, ganz viel Humor“.
Dabei sei die Arbeit vor allem im onkologischen Bereich enorm fordernd. „Da gibt es oft bedrückende Situationen auch für uns. Manchmal hat ein kleiner krebskranker Mensch einfach keine Lust auf eine Bespaßung. Weil er Schmerzen hat oder einfach nur traurig ist.“ In solchen Fällen sei besonderes Fingerspitzengefühl gefragt, um das Eis zu brechen. Drücke: „In den allermeisten Fällen klappt das aber ganz gut.“
Maske eine enorme Einschränkung
Von Vorteil sei, dass man keine Krankengeschichte der Patienten kenne. „Das wäre zu belastend“, glaubt „Dr. Beppo“. Es sei schon schwierig genug, die Krisen der Kleinen hautnah zu erleben. Harte Arbeit sei das, vor allem seit Corona. „Die Maske bedeutet eine enorme Einschränkung. Du hast viel weniger akkustische und mimische Möglichkeiten.“ Dennoch gelinge es ihnen fast immer, einen guten Draht zu den Kindern zu bekommen.
Je mehr man die Eltern mit einbinde, umso besser klappe es. „Wir machen zum Beispiel kleine Rollenspiele mit Papa und Mama. Oder wir werfen uns Bälle zu. Wenn alle mitmachen, und das tun sie fast immer, ist das die halbe Miete. Spätestens dann sind wir von den Kleinen akzeptiert“, weiß Drücke.
Arbeit hat etwas Berührendes
Was gefällt „Dr. Beppo“ am meisten? „Ich finde es wunderschön, dass ich einerseits etwas sozial Wichtiges tue, was mich andererseits kreativ fordert. Man kann viele Geschichten erzählen. Außerdem lernt man viele Menschen kennen. Das hat etwas sehr Berührendes. Ich entdecke dadurch immer wieder neue Seiten von Humor. Im besten Fall muss ich bei einer Visite selber viel schmunzeln oder lachen.“
Lachen wirkt, weiß der Clown. Es stärke das Immunsystem, lindere Schmerzen und gebe neuen Lebensmut. Und lachen fördere den Heilungsprozess im positiven Zusammenspiel von Körper und Seele. Deshalb sei für ihn das größte Glück, wenn aus dem traurigen Gesicht eines Kindes ein lächelndes werde.
In Deutschland gibt es zunehmend mehr professionelle Clowns, die regelmäßig kleine Patienten in Kinderkrankenhäusern, alte Menschen in Heimen oder geriatrischen Einrichtungen, schwerkranke erwachsene Patienten im Krankenhaus und auf Palliativstationen sowie behinderte Menschen in therapeutischen Einrichtungen besuchen. Viele von ihnen sind in gemeinnützigen Vereinen organisiert.
Das Projekt „Klinikclowns“ gibt es als „Dachverband Clowns in Medizin und Pflege Deutschland e.V.“, einem eingetragenen Verein mit Sitz in Freising seit 2004. Der Verein organisiert und finanziert bayernweit den Besuch professioneller Clowns am Krankenbett. Ursprünglich kommt die Idee aus Amerika.

