Weiden/Neustadt/WN. „Steig ein, ich bring dich nach Hause“: Mit diesem Satz sprach je ein Unbekannter zwei Jungs (11 und 14 Jahre) in der vergangenen Woche an. Wie der aktuelle Stand der Ermittlungen ist und warum diese sich schwierig gestalten erklärt Weidens Polizeisprecher Mario Schieder.

Innerhalb von einer Woche kam es zu zwei ähnlichen Vorfällen. Ein jeweils unbekannter Autofahrer sprach zwei Buben an. Einen an einer Bushaltestelle in Neustadt/WN, den anderen am ZOB in Weiden. Beide Kinder reagierten richtig, indem sie wegliefen.

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Derzeit laufen noch die Ermittlungen, die beiden Polizeidirektionen Weiden und Neustadt/WN stehen in engem Austausch. „Es gibt die Fälle, aber die Infolage ist dürftig, da es keine konkreten Beschreibungen und wesentliche Zeugen-Beiträge gibt.“, teilt Mario Schieder, Polizeisprecher der Direktion Weiden, mit. Dass die Polizei nicht öffentlich über den Vorfall informierte, hat einen bestimmten Grund. „In solchen Fällen gilt es, keine Nebenschauplätze aufzumachen. Sondern die Sachlage auf breite Füße zu stellen und fundierte Infos zu sammeln.“ Eines räumt der Polizeisprecher aber ein:

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Es handelt sich um keine Kindergeschichte.“

Keine weiteren Meldungen

Die beiden Fälle sind nun knapp eine Woche her. Weitere Meldungen und entsprechende Notrufe sind seitdem aber keine eingegangen, informiert Schieder. Auch insgesamt gebe es in unserem regionalen Bereich keine Häufung solcher Fälle. Immer mal wieder erreichen die Polizei zwar solche Mitteilungen, viele würden aber auf Missverständnissen beruhen.

„Das Ansprechen an sich stellt noch keine Straftat dar. Deshalb müssen wir herausfinden, wie weit dieses Anbahnungsgespräch fortgeschritten ist. Das ist immer eine Einzelfall-Entscheidung.“, sagt der Polizeisprecher.

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„Steig ein“: Rückblick der Fälle

Was ist passiert? Der erste Fall ereignete sich am Montag, 20. Januar gegen 13.30 Uhr. „Steig ein, ich bring dich nach Hause“ sagte da ein Unbekannter zu einem Jungen (11), an der Bushaltestelle Tirschenreuther Straße in Neustadt/WN. Der Junge verneinte und lief weg, so die Angaben der Polizei Neustadt/WN. Als der 11-Jährige seiner Mutter von dem Vorfall erzählte, informierte diese die Polizei – das war knapp eine Stunde später. Die Polizei leitete direkt eine Fahndung ein, diese verlief jedoch ohne Erfolg.

In den drei Tagen danach beobachteten Beamte in Zivil die Haltestelle, dabei stellten sie keine Auffälligkeiten fest. Den Unbekannten und das Auto beschrieb der Junge wie folgt: Männlich, etwa 50 Jahre alt, auffällige Tätowierungen am linken Arm. Beim Auto soll es sich um einen weißen, grauen oder braunen Kombi mit Weidener Kennzeichen gehandelt haben.

Fälle weisen Parallelen auf

Ähnlich sprach am Freitag, 24. Januar, ein Unbekannter einen 14-Jährigen an, diesmal am ZOB in Weiden. Der Junge drehte sich um und lief weg. Am gleichen Abend erzählte er seiner Familie vom Vorfall, am Samstag ging der Vater mit seinem Sohn zur Polizei. Auch hier soll es sich nach Angaben des 14-Jährigen um einen etwa 50-Jährigen Mann gehandelt haben. Er soll eine braune Lederjacke und Jeans getragen haben, und mit einer dunklen Limousine direkt am ZOB gestanden sein – dort, wo sonst nur Busse stehen. [/box]

Möglichst Zeitverlust vermeiden

Schieder und Hermann Weiß (Leiter der Polizeiinspektion Neustadt/WN) loben das richtige Verhalten der beiden Kinder: Nicht drauf eingehen, umdrehen, weglaufen. Dennoch haben die beiden Beamten weitere Tipps.

„Viele Kinder haben Hemmungen davor, sofort den Notruf zu wählen. Aber die Sorge ist vollkommen unbegründet.“, meint Weiß. Nicht von einer Hemmschwelle, sondern vom „Schock des Moments“, berichtet Schieder: „In solchen Fällen tritt eher eine Schockstarre ein. Denn im ersten Moment überreißt man das vielleicht nicht und weiß nicht, was man tun soll.“ Er betont die Wichtigkeit eines schnellen Notrufs: „Jede weitere Sekunde ist eine verlorene Sekunde. Denn wir haben ja Streifen, die direkt im Stadtgebiet unterwegs sind. So könnte eine direkte Kontrolle erfolgen.“

Vorsicht mit Fotos

Immer hilfreich für die Polizei sind möglichst genaue Beschreibungen der unbekannten Person beziehungsweise des Fahrzeugs und das Achten auf Details. „Ein gemerktes Kennzeichen ist für uns wie ein Sechser im Lotto“, erzählt Schieder. Übrigens: Bei Fotos sei durchaus Vorsicht geboten, denn da spiele eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte mit rein. Schieders Tipp: „Es soll jetzt nicht jeder anfangen jeden fotografieren. Kennzeichen merken oder notieren und an uns weiterleiten ist der richtige Schritt.“

[box type=“tick“] Tipps der Polizei: 

Mario Schieder, Sprecher der Polizeidirektion Weiden

  • Natürlicher Menschenverstand zählt: Nicht darauf einlassen, sofort Distanz schaffen
  • Weglaufen, Schutz suchen, zu anderen Menschen stellen
  • Laut um Aufmerksamkeit rufen
  • Ruhe bewahren, Details einprägen
  • Kennzeichen merken oder notieren
  • Sofort den Notruf absetzen [/box]